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Und die Kasse klingelt doch

Noch vor wenigen Wochen war unklar, ob der Dorfladen in Alchenstorf wirklich neu eröffnet wird. Nun stehen seine Türen offen, die Leute kaufen – und wie.

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Solothurner Zeitung

Julian Perrenoud

Genau zwei weisse Pfünderli lagen am Montagabend nach Ladenschluss noch auf der Theke. Dabei hatte Martha Perren, Inhaberin des wieder eröffneten Dorfladens, extra vorgesorgt. Das Brotgestell war am Morgen rappenvoll. Die ersten zwei Verkaufstage haben sie überwältigt: «Ich dachte, heute wird es eher still.» Doch dem war nicht so. Die Alchenstorfer sahen, kamen und kauften auch am zweiten Tag richtig ein - weit über den Erwartungen von Perren.

Einige Wochen vorher war die Gemütslage der Schönbühlerin getrübt. Da waren Schwierigkeiten mit dem ersten Lieferanten (Detailhändler Volg forderte plötzlich hohe finanzielle Sicherheiten; wir berichteten). Da vermisste Perren den Rückhalt innerhalb der Gemeinde. Der Start des neuen Dorfladens - vormals Chrigus Beck - stand auf der Kippe. Wenn schon das vorherige Geschäft nicht rendierte, weshalb sollte es dem Neuen anders ergehen?

Mehr Brot, mehr Brot

Vergangenen Samstag galt es ernst: Perren lockte vormittags mit Bratwurst, Kaffee und Gipfeli. Es sei ein Riesenerfolg gewesen. Brot für total 1000 Franken, 150 Liter Milch und 40 Kilo Käse habe sie verkaufen können. «Ich musste bei meinem Bäcker in Hindelbank Brot nachbestellen - gleich alles, was er noch hatte.» Trotz drei Helfern kam die neue Inhaberin kaum nach mit dem Bedienen.

Im Laden bäckt sie selber Brot. «Diesen frischen Duft schätzen die Kunden.» Was die Einwohner Alchenstorfs wohl auch schätzen, ist die Eigeninitiative von Perren. Sie wurde mit Glückwünschen überhäuft. Dutzende Hände musste sie schütteln. Sie erhielt Champagner und Blumensträusse. «Diese Gesten haben mich sehr berührt. Dass es nur leere Worte waren, glaube ich kaum», sagt Perren. Regelrecht aufgesogen habe sie all diese Eindrücke. Sie ist stolz auf ihr Projekt: Mit ihrem Mann Ernst hat sie den Dorfladen praktisch im Alleingang umgestaltet.

Kunden kaufen wie früher ein

Alchenstorf verfügt über keinen öffentlichen Verkehrsanschluss. Das kommt Perren gelegen: Besonders ältere Leute kauften bei ihr ein. Doch auch Jüngere und Familien hätten sich bereits blicken lassen - so wie es in früheren Tagen üblich war. Zuweilen stünden bis zu zehn Velos vor der Ladentür. «Manche besorgen sich praktisch ihren gesamten Wochenbedarf bei mir - ausser natürlich Dinge, die man in einem Supermarkt billiger und im Multipack erhält.»

Nach etwa drei bis vier Monaten will Perren eine erste Bilanz ziehen. Sie geht davon aus, dass der bisherige Verkauf stagnieren oder nur leicht rückläufig sein wird. Sie fügt aber auch an: «Neue Besen wischen anfangs immer gut.»

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