Unbedingte Strafen für Einbrecher

Das Quintett stammt aus Kosovo. Zwei der Burschen leben allerdings schon lange in der Schweiz – drei hielten sich illegal hier auf. Gemeinsam haben sie sich im Aargau des bandenmässigen Diebstahls schuldig gemacht.

Rosmarie Mehlin

Sie sind zwischen 26 und 33 Jahre alt und nur einer von ihnen stand zum ersten Mal mit Justitia in Konflikt: Qazimi (alle Namen geändert) lebt schon seit vielen Jahren hier, er ist verheiratet, arbeitet und hatte auf den Einbruchstouren «nur» als Chauffeur fungiert. Er war auch bloss sechs Tage in U-Haft; die vier anderen Männer wurden gestern von Polizisten in Handschellen ins Gericht geführt.

Sie sitzen seit 11 Monaten hinter Gittern und sind vorbestraft: Sinan war wegen illegaler Einreise bereits 2004 zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden, im Sommer 2008 trotz Wegweisung erneut in die Schweiz gekommen und hatte sich bei seiner Anhaltung mit einem gefälschten Ausweis ausgewiesen. Auch Aziz hatte bereits früher gegen das Ausländergesetz verstossen, war erneut illegal und mit gefälschten Papieren im Gepäck eingereist, ist zudem wegen Vermögensdelikten vorbestraft. Auf den 28-jährigen Qerim warten, wenn er die Justizvollzugsanstalt Lenzburg verlassen kann, weitere 30 Monate hinter Gittern: 21 Monate in seiner Heimat Kosovo - wo seine Freundin und das gemeinsame 5-jährige Töchterlein, die er seit vier Jahren nicht mehr gesehen hat - leben. Zuerst wird Qerim aber nach Österreich ausgeliefert werden, wo noch 9½ Monate Haft offen sind, hatte Qerim doch im August 2008 einen Urlaub zur Flucht genutzt und sich in die Schweiz abgesetzt.

Innert zweier Monate 13 Einbrüche

Hier hatte er auf Empfehlung eines Cousins Unterschlupf bei Sadri gefunden, dem faulsten Früchtchen von dem Quintett. Nach der frühen Scheidung der Eltern in Kosovo zunächst bei seinen Grosseltern aufgewachsen, hatte sein Vater, der seit 30 Jahren in der Schweiz lebt und arbeitet, Sadri 1995 hierher geholt. Vier Jahre später war er, gerade mal 16-jährig, erstmals straffällig geworden und hatte in der Folge immer wieder delinquiert. Sadri habe, so sein Verteidiger, schon früh grosse Probleme mit seiner Stiefmutter gehabt, sei in Heime abgeschoben worden und leide an einer Persönlichkeitsstörung, weshalb er vermindert zurechnungsfähig sei.

Der Staatsanwalt warf Sadri vor, von August bis Oktober 2008 insgesamt 13 Einbruchdiebstähle begangen zu haben - drei davon allein, den Rest in wechselnder Zusammensetzung mit den Mitangeklagten. Objekte der kriminellen Begierde waren vorwiegend Geschäfte und Gewerbebetriebe. Die Deliktsbeträge summierten sich auf insgesamt auf 49 000 Franken; die angerichteten Sachschäden auf 26 000 Franken. Sadri bestritt energisch sowohl seine drei «Sololäufe» wie auch die Beteiligung an drei weiteren der ihm zur Last gelegten Taten; die vier anderen Beschuldigten ihrerseits bestritten lediglich zwei der Einbrüche.

Der Staatsanwalt klagte bei allen fünf Beteiligten im Hauptpunkt auf mehrfachen bandenmässigen Diebstahl und beantragte lediglich für Qazimi eine bedingte Strafe von 16 Monaten. Die vier anderen Beschuldigten sollten mit unbedingten Freiheitsstrafen für ihre Taten büssen: Sadri mit drei Jahren, die drei anderen mit je zwei Jahren.

Anträge der Verteidiger chancenlos

Die Anträge der Verteidiger hätten unterschiedlicher kaum sein können: Sadris Anwältin plädierte auf 12 Monate bedingt, allenfalls 24 Monate, hälftig teilbedingt; die Anwältin von Qerim erachtete 15 Monate bedingt für angemessen - «schliesslich ist er in der Schweiz Ersttäter». Für 16 Monate unbedingt plädierte der Verteidiger von Aziz, für eine teilbedingte Strafe von höchstens zwei Jahren der von Sinan. Qazimis Anwalt schliesslich erachtete eine bedingte Geldstrafe für angemessen.

Das Gericht unter Vorsitz von Guido Näf urteilte einstimmig: Freisprüche in drei, von mehreren Beschuldigten bestrittenen Punkten. Ansonsten folgte es weitgehend den Anträgen des Staatsanwaltes: drei Jahre Freiheitsstrafe für Sadri, zwei Jahre für Qerim, je 22 Monate für Aziz und Sinan - alle unbedingt - sowie 14 Monate bedingt für Qazimi. «Zwar handelte es sich ‹nur› um Vermögensdelikte, doch innert kurzer Zeit wurde grosse kriminelle Energie entwickelt», so Näf.

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