Basel
Umzug bedroht den Cortège

Geht es nach dem Willen des Chefs der Basler Strassenfasnacht, so wird der jetzige Cortège bereits im kommenden Jahr durch einen Umzug von A nach B ersetzt. Im Comité stösst die Idee aber auf Skepsis.

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Umzug bedroht den Cortège

Umzug bedroht den Cortège

bz Basellandschaftliche Zeitung

Jürg Gohl

In seinen Augen ist der Cortège in der jetzigen Form ein Auslaufmodell. Deshalb regt er an, bereits im kommenden Jahr die Basler Strassenfasnacht in einen «Umzug von A nach B» nach dem Vorbild zahlreicher anderer Veranstaltungen umzuwandeln. Der Mann, der mit diesem überraschenden Vorschlag aufwartet, ist nicht irgendwer in der Basler Fasnachtsszene: Urs Bucher sitzt im Fasnachtscomité, ist dort der Chef der Strassenfasnacht und wird nicht zufällig hinter Obmaa Felix Rudolf von Rohr und dessen möglichem Nachfolger Christoph Bürgin auf der Comité-Homepage bereits an dritter Stelle geführt.

Doch nicht nur diese zwei Comité-Kollegen erwischte er auf dem falschen Fuss, als er vergangene Woche bei der offiziellen Präsentation der diesjährigen Fasnacht erwähnte, dass man sich für die Strassenfasnacht des darauf folgenden Jahres die «Gretchenfrage» stellen müsse: Cortège wie bis jetzt oder ein zeitgemässer Umzug?

Die rund 11 500 Aktiven in den offiziell gemeldeten 484 Einheiten werden sich am Montag (22. Februar) und Mittwoch (24. Februar) auf den gleichen Strecken wie im vergangenen Jahr dem Publikum präsentieren. Es gibt eine äussere Route und eine minim kürzere innere Route, auf ersterer bewegt sich der Cortège im Gegenuhrzeigersinn, diesen Cliquen kommt auf der inneren der zweite Teil des Umzugs entgegen, der sogenannte «Contre-Marsch». Dieser hat inzwischen an die 80 Jahre auf dem Buckel. Erneut lässt die Strassenfasnacht dieses Jahr den Aeschenplatz links liegen.

Löcher, Stau, Leere

Die wesentlichsten Kritikpunkte am jetzigen Cortège, die nun dazu führen, dass von offizieller Seite ein «Umzug von A nach B» gefordert wird, kennen die Aktiven ebenso gut wie die Leute am Strassenrand. Oft staut sich der Fasnachtszug, stehen Wagen oft minutenlang an der gleichen Stelle; umgekehrt kommt es immer wieder zu Lücken, das heisst, dass auf der Route längere Zeit keine Clique vorbeimarschiert und kein Wagen vorbeirollt.

«Und schliesslich», fügt Urs Bucher an, «fehlt gerade im Kleinbasel oft das Publikum.» In den Kreisen der «Wäägeler» wurde deshalb schon früh der Vorschlag geäussert, bereits auf diese Fasnacht hin einen Umzug von A nach B zu veranstalten und den Testlauf als Gag zum 100-Jahr-Jubiläum des Comités zu verkaufen. Nun ist dieser erste Angriff um ein Jahr verschoben. «Wir müssen aber nach dieser Fasnacht definitiv über die Bücher gehen», sagt der für seine initiative Art bekannte Bucher im Wissen, damit den massivsten Einschnitt bei der Strassenfasnacht der neueren Zeit anzuregen.

Konkret sind seine Pläne noch nicht: Aber er denkt an einen Startort vielleicht beim Barfüsserplatz oder Aeschenplatz, und beim Schlussort ist der Messeplatz sein Favorit. «Das bewährt sich bei Fasnachtsumzügen in anderen Orten», sagt er, «und ich werde am Donnerstag interessiert den Schüler-Umzug, der ja nach dem Muster A nach B abläuft, beobachten», sagt Bucher, «denn Tradition kann nur erhalten werden, wenn sie sich den neuen Bedürfnissen anpasst.»

Als weiteren Vorteil führt Bucher an: Das Kleinbasel würde besser in die Strassenfasnacht eingebunden.

Für neuen Obmaa «unrealistisch»

Nur wird Bucher selber nicht mehr Einfluss auf den nächsten Cortège nehmen können. Wie Comité-Obmaa Felix Rudolf von Rohr wird er in diesem Jahr 66 Jahre alt, beide scheiden deshalb aus dem Gremium aus. Doch von der Idee seines Strassenfasnachts-Chefs und Comité-Kollegen ist Felix Rudolf von Rohr nicht sonderlich angetan: «Wir haben einen Cortège in Basel, keinen Umzug», entgegnet er, «zudem ist es kaum möglich, 12000 Aktive beim Punkt A zu besammeln und dann in einer sinnvollen Frist auf die Strecke zu schicken.»

Auch Statthalter Christoph Bürgin spricht von einer «unrealistischen Idee». «Und sie käme sicher nicht bereits für 2011 infrage», sagt Bürgin. Er wurde, wie Noch-Obmaa Rudolf von Rohr, von Buchers Vorpreschen an der offiziellen Pressekonferenz völlig überrascht. Ein solcher Eingriff müsste erst von der zuständigen Verkehrskommission beraten und ausgearbeitet werden, ehe sich das Comité damit konkret auseinandersetzen kann. Mindestens in einem Punkt ist er sich mit Bucher einig: «Ich bin auch gespannt, wie sich der Schülerumzug von A nach B bewähren wird. Er ist von der Teilnehmerzahl her halb so gross wie der Cortège.» Und der Jurist fügt an: «Daraus irgendein Präjudiz für den Cortège abzuleiten, wäre verfehlt, da bei der Fasnacht noch viele andere Aspekte zählen.» Wie der amtierende Obmaa meldet auch Bürgin Zweifel beim Startprozedere mit 12000 Aktiven an: «Es handelt sich nicht um eine Militärparade.»

Auch Roger Borgeaud, Obmaa der Waage-IG, hat «gerüchteweise» bereits von Buchers Vorschlag gehört. Für ihn ist aber ein solcher Einschnitt in die Strassenfasnacht kein Thema. «Stau und Pausen gehören einfach dazu.» Bei einem Umzug von A nach B würde die Fasnacht viel von ihrer jetzigen Spontaneität, ihrem Chaotischen verlieren, argumentiert Borgeaud. «Wenn schon Reglementierungen, dann lieber im Bereich der Sicherheit.»