Die Richter in Piräus begründeten ihr Urteil damit, der Aufseher habe seine Arbeit fahrlässig ausgeübt, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Die Anklage hatte ihm zusätzlich Beihilfe zur Flucht vorgeworfen. Davon war im Urteil nicht mehr die Rede.

Am vergangenen Sonntag war Griechenlands bekanntester Krimineller, der 43-jährige Vassilios Palaiokostas, zusammen mit seinem albanischen Komplizen Alket Rizai zum zweiten Mal in drei Jahren per Helikopter aus dem Gefängnis geflohen. Durch das Verhalten des Aufsehers wurde die Flucht nach Ansicht des Gerichts begünstigt.

Er habe den beiden Kriminellen etwa erlaubt, sich zum gleichen Zeitpunkt auf einem Hof des Gefängnisses aufzuhalten. Drei andere Wärter und der Pilot des Fluchthelikopters wurden freigesprochen. Eine Freundin eines der Kriminellen und ihr Komplize hatten den Piloten gezwungen, zum Gefängnis zu fliegen.

Nach der Urteilseröffnung legten zwei Verteidiger des Wärters ihre Mandate nieder. Sie protestierten damit gegen staatliche Einmischungsversuche. Nach ihrer Darstellung suchte die Justiz nur Sündenböcke.

Paleokostas und sein derzeit im Gefängnis sitzender Bruder Nikos werden trotz ihrer zahlreichen Straftaten von griechischen Medien mitunter wohlwollend beurteilt. Bei keinem der von ihnen begangenen Banküberfälle wurde je ein Mensch verletzt.