Kino
Umfassende Verjüngungskur für das «Rex»

Beim Kino Rex wird alles neu. Verena Carrel hat den Betrieb Walter Loosli übergeben, und nächsten Frühling baut dieser für eine sechsstellige Summe um. Die Videothek weicht einer modernen Aperitivbar.

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Solothurner Zeitung

Daniela Deck

Künftig nur noch eine Videothek

Ist die Konkurrenz aus dem Internet schuld? Die Zahl der Videotheken hat in den letzten Jahren abgenommen. Wenn nächstes Jahr die Videothek im Kino Rex schliesst, bleibt in Grenchen nur noch eine Videothek übrig. Dabei handelt es sich um die Videotreff.ch an der Centralstrasse 95. Wer dort nicht findet, was er oder sie sucht, hat in der Nachbarschaft lediglich noch in Lengnau eine Alternative. Sven Hamel leiht in seinem DVD-Shop an der Solothurnstrasse 23 auch Filme fürs Heimkino aus. Sonst ist von Grenchen aus eine Fahrt nach Solothurn nötig. Dort wird der automatische Verleih an der Rötistrasse rege frequentiert. Auch die Tatsache, dass die Bibliotheken neben Büchern seit Jahren DVDs ausleihen, beweist: Totgesagte leben länger. (dd)

«Ich bin gewarnt. Ich weiss, dass Grenchen für Kinos ein schwieriges Pflaster ist.» Walter Loosli lässt sich von solchen Unkenrufen nicht beeindrucken. «Der Kinogänger kann hier nicht anders sein als irgendwo sonst.» Der Thuner ist nach eigenen Angaben seit über 30 Jahren in diesem volatilen Unterhaltungsbusiness tätig. Vor fünf Jahren hat er das Kino in Aarberg gekauft. Verena Carrel und ihre Geschichte mit einst beiden Grenchner Kinos kennt Walter Loosli seit fast 20 Jahren. «Wir sind im selben Verband», erklärt Verena Carrel. Sie ist sichtlich erleichtert, als sie ihren Nachfolger vorstellt. Seit ihrer schweren Operation im vergangenen Juni muss Grenchens «Madame Cinéma» mit ihren Kräften haushälterisch umgehen. Ginge es nach dem Arzt, wären die Tage - und Nächte - an der Kasse und im Saal an der Bielstrasse gestrichen. Ihr Nachfolger, der sie in dieser Zeit schon vertreten hat, versteht, dass sie nicht wegbleiben kann. Er beschäftigt sie weiterhin. Auch er ist überzeugt: «Wer dieses Metier richtig betreibt, ist immer präsent.»

Wiedereröffnung an Ostern

Im Februar schliesst das «Rex» seine Türen für einige Wochen. Am Osterwochenende soll die Wiedereröffnung gefeiert werden. Walter Loosli will «mehrere hunderttausend Franken» in das Lokal investieren. Umgebaut werden sowohl Saal als auch Foyer.

Weichen muss die Videothek. Für den Aufwand, den sie verursacht, bringt diese Dienstleistung nach Walter Looslis Einschätzung zu wenig ein. Die DVDs und Videokassetten, die in Verena Carrels grossem Freundeskreis keine Abnehmer finden, sind nächstes Jahr günstig zu haben. «Dafür gibt es eine schöne, moderne Aperitivbar», stellt der neue Betreiber in Aussicht. Ein Ort, an dem die Kundschaft besuchte Filme analysieren, von neuen träumen und dazu gemütlich etwas trinken kann.

Tische auch im Saal

Im Saal steht eine ebenso gründliche Renovation an. Die Leinwand wird ersetzt, wobei man den kantonalen Rekord bei der Grösse weiterhin für sich beanspruchen will, wie Verena Carrel versichert. Auch die Technik wird durch eine moderne Anlage ersetzt. Neu sollen Clubtischchen das Ambiente auflockern, sowohl im Parterre wie auf dem Balkon. Voraussichtlich, so Walter Loosli, werde es unten wieder Fauteuils geben und oben Klappsessel.

Fest steht, dass die Zahl der Plätze reduziert wird. Selbst beim grösstmöglichen Aufschwung wird das «Rex» im Normalbetrieb künftig keine 325 Zuschauer auf einmal mehr beherbergen. «Mein Traum wäre es, aus dem Riesensaal zwei oder sogar drei Kinos zu machen», sagt Verena Carrel. «Aber das ist leider nicht realistisch.»

Beim Programm wird sich vorerst nichts ändern. Mainstream-Kino, deutsch synchronisiert, wird durch Studiofilme ergänzt. Diese Produktionen, die ein anspruchsvolles Publikum ansprechen, sollen weiterhin in ihren Originalsprachen zu sehen und zu hören sein. Weitergeführt wird das Seniorenkino einmal im Monat. «Weitere Sondervorstellungen für spezielle Zielpublika werden wir prüfen», verspricht Walter Loosli.

Offen für Firmen- und sonstige Feste

Er hofft, dass sich bei der Programmgestaltung Synergien zwischen Aarberg und Grenchen realisieren lassen. Das Land- und das Kleinstadtkino machen sich jedenfalls keine Konkurrenz. Anders dürfte das mit dem «Palace» in Grenchen aussehen. «Eine Kooperation wäre da anzustreben», gibt sich der neue «Rex»-Betreiber vorsichtig. Sowohl er, wie auch seine Vorgängerin haben gute Erfahrungen mit Firmenjubiläen und Festgesellschaften gemacht. Beide wollen dieses Standbein weiterhin pflegen. «Fest steht lediglich, dass es hier keine Disco geben wird. «Das ist in diesem Lokal vertraglich verboten», so Walter Loosli.