Johannes Reichen

Mit einer scherzhaft abfälligen Handbewegung grüsste gestern Morgen der Chauffeur des Nünitrams auf dem Berner Viktoriaplatz den Führer von Bus Nummer 10. Falls er sich über das Vehikel lustig gemacht hat, ist der Spass bald vorbei. Bus Nummer 10 wird durch ein Tram ersetzt, in ein paar Jahren soll zwischen Köniz und Ostermundigen das Tram fahren.

Es gibt allerdings noch ein paar Hürden zu überwinden auf dem Weg zu einem Tramgleis. Die höchste liegt am Ende der geplanten Linie in Ostermundigen. Das Gefälle bis zur Endstation Rüti ist zu gross für ein Tram.

Die Strasse, die vom Dorf zur Rüti führt und heute vom Bus benützt wird, steigt zuerst um maximal 8 Prozent an, auf dem letzten Abschnitt aber um 13 Prozent.

Ein Expertenteam mit ausländischer Beteiligung hat nun untersucht, ob und wie ein Tram auf den Hügel gelangen kann. Drei Varianten liegen nun vor; sie wurden gestern vor den Medien präsentiert.

Keine unterirdische Haltestelle

Die wichtigste Botschaft war, dass die Steigung überhaupt zu bewältigen ist, ohne dass eine unterirdische Haltestelle gebaut werden muss. «Nur schon wegen der sozialen Sicherheit möchten wir keine solche Station», sagte Wolf-Dieter Deuschle, Vorsteher des bernischen Amts für öffentlichen Verkehr.

Gemäss dem Bundesamt für Verkehr darf ein Tram maximal 7 Prozent Steigung bewältigen. «Erfahrungen aus Zürich und Würzburg zeigen aber, dass auch Steigungen von 8 oder 9 Prozent für ein Tram zu bewältigen sind», sagte Deuschle. Zu einem ähnlichen Schluss kamen auch die Experten, die die obere Grenze bei 8 Prozent sehen.

Zwei Varianten im Vordergrund

Die drei Vorschläge des Expertenteams werden nun geprüft. Die steile Variante sieht auf der Linie der bestehenden Strasse einen gleichmässigen Anstieg vor. Am Endpunkt könnten dank Abtragungen wenige Meter gewonnen werden, so dass die Steigung maximal 8,5 Prozent betragen würde.

Eine zweite Variante sieht einen Umweg über die Sportplätze vor, damit das Tram auf diesem Weg an Höhe gewinnen kann. Die Steigung würde maximal 6,9 Prozent betragen, wie bei der ersten Variante gäbe es Aufschüttungen.

Die dritte Variante schliesslich sieht einen Tunnel vor (maximale Steigung 6,5 Prozent). Es ist aber ziemlich unwahrscheinlich, dass sie realsiert wird. Es wäre wohl die teuerste, zudem steht eine Tiefgarage im Weg. «Das ist eher eine theoretische Variante», sagte Deuschle. Im Verlauf des nächsten Jahres soll ein Entscheid fallen, das Vorprojekt soll dann bis Ende 2010 abgeschlossen sein.

Keine Kompromisse

Für den Gemeindepräsidenten von Ostermundigen, Christian Zahler, ist klar, dass das Tram bis zur heutigen Endstation fahren muss. «Es freut uns, dass es keine Kompromisse gibt», sagte er gestern. Mehrere geplante Wohngebiete könnten mit dem Tram erschlossen werden.

Kein Problem sollte der Wendeplatz auf der Rüti darstellen. Obwohl an einem Hang gelegen, steht genügend Land zur Verfügung, damit das Tram wieder wenden kann.