«Überraschung im grauen Alltag»

Training für den Ernstfall:  Manche Feuerwehren bekunden Mühe, genügend Dienstwillige zu rekrutieren. (Archiv: Hanspeter Bärtschi)

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Training für den Ernstfall: Manche Feuerwehren bekunden Mühe, genügend Dienstwillige zu rekrutieren. (Archiv: Hanspeter Bärtschi)

Zurzeit rekrutieren die Feuerwehren im ganzen Kanton den Jahrgang 1989. Trotz Feuerwehrplicht müssen sich die Feuerwehren einiges einfallen lassen, damit sie zu ihrem Nachwuchs kommen.

Daniel Rohrbach

«Moderne, nicht wegzudenkende Institution im Dienste des Gemeinwohls sucht motivierte Allrounder/Allrounderinnen». Mit diesem Stelleninserat, das sie in einem der letzten Amtsanzeiger geschaltet hatte, beschritt die Feuerwehr Oensingen für einmal einen eher ungewöhnlichen Weg, um auf sich aufmerksam zu machen. Dem Inserat ist auch zu entnehmen, was die Feuerwehr so alles zu bieten hat. Etwa: «Überraschungsmomente im grauen Alltag durch interessante Einsätze in der Gemeinde Oensingen und im Gäu sowie auf der Autobahn; zum Teil unter erschwerten Bedingungen». Oder: «Eine anspruchsvolle Kundschaft, welche jederzeit auf unsere sofortige, professionelle Hilfe zählt, aber auch unsere Arbeitszeit bestimmt».

Die Nähe zu den Leuten pflegen

Gesucht werden: «Motivierte Frauen und Männer im Alter von 21 bis ca. 35 Jahren oder mit Erfahrung in dieser Branche». Die Absicht hinter diesem Inserat sei, an Leute heranzukommen, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten, sagt der Oensinger Feuerwehrkommandant Remo Liechti. Und tatsächlich habe sich der eine oder andere ernsthafte Interessent auf das Inserat gemeldet, so Liechti. «Wir hatten aber auch Anfragen von Personen, die gemeint haben, es handle sich um eine 100-Prozent-Stelle».

Remo Liechti lässt es aber nicht bei diesem Inserat bewenden. «Natürlich läuft bei uns auch jedes Jahr die ganz gewöhnliche Rekrutierung», erzählt er. Denn gemäss dem Gebäudeversicherungsgesetz sind alle Männer und Frauen zwischen ihrem 21. und 42. Altersjahr in ihre Wohngemeinde verpflichtet, Feuerwehrdienst zu leisten oder aber die Ersatzabgabe zu bezahlen. «Wir haben in der Regel nicht gross Mühe, neue Leute zu finden», erklärt Liechti, der jedes Jahr bei einem Sollbestand von 73 Feuerwehrangehörigen rund 10 Abgänge zu ersetzen hat. «Man muss die Nähe zu den Leuten pflegen, die Feuerwehr gut verkaufen und Dienstwillige möglichst wenig von der Pflicht spüren lassen», verrät Liechti sein Erfolgsrezept.

Anspruchsvolle Aufgaben

Auch die Feuerwehr Derendingen ist momentan nicht von Nachwuchssorgen geplagt. «Seit zwei Jahren können wir unseren Sollbestand von 73 Feuerwehrangehörigen recht gut halten», erklärt Kommandant Luis Fonseca. Zuvor hätten sie aber eine Durststrecke zu bestehen gehabt. «Von selbst kommen die Leute nicht. Wir müssen versuchen sie für die Feuerwehr zu begeistern», sagt Fonseca. Dies gelingt in Derendingen offenbar nicht schlecht. Von den 117 neu feuerwehrpflichtigen Personen haben sich immerhin deren 14 für den Dienst am Gemeinwohl entschieden.

Etwas mehr Mühe mit der Rekrutierung hat die Feuerwehr Grenchen. «Wir haben 71 Männer und 75 Frauen mit Jahrgang 1989 brieflich zu einem Rekrutierungsanlass eingeladen», sagt Kommandant Rolf Witschi. Seine Erfahrung sagt ihm, dass davon rund zwei Drittel erscheinen würden. Rund die Hälfte der Ferngebliebenen würde sich jeweils entschuldigen. Die anderen haben mit einer Busse zu rechnen. Witschi geht davon aus, dass sich schliesslich rund zehn Personen für den Feuerwehrdienst melden werden. Und er wird froh sein, wenn nach Ablauf eines Jahres von diesen zehn Personen noch drei oder vier übrig bleiben werden. Weil sämtliche Feuerwehrangehörige atemschutztauglich sein müssten, seien die physischen und psychischen Anforderungen sehr hoch, erklärt Witschi den personellen Abgang.

«Wie gebratene Tauben fliegen einem die Leute nicht in den Mund», erklärt Paul Haus, der kantonale Feuerwehrinspektor. Man müsse schon einige Anstrengungen unternehmen, damit der Sollbestand erreicht werde. Haus weiss auch, dass es Feuerwehren gibt, die mehr Mühe haben, zu ihren Leuten zu kommen als andere. Generell macht er die Feststellung, dass diejenigen Feuerwehren, die nicht «nach Paragraph rekrutieren», erfolgreicher seien. Auf den ganzen Kanton betrachtet sei die Lage aber keineswegs dramatisch. «Bezogen haben auf den Soll-Gesamtbestand von 3900 Personen haben wir genug Leute». Früher sei es aber einfacher gewesen, die Leute für den Feuerwehrdienst zu finden. «Man muss aber auch wissen, dass heute die Aufgaben komplexer und anspruchsvoller geworden sind».

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