Möglich wurde diese erfolgreiche Wiederansiedlung, weil seit 1986 jährlich zwei bis zehn Jungvögel ausgewildert wurden. Der Bartgeiger ist wegen seiner Grösse mit einer Spannweite von bis zu drei Metern der König unter den Alpenvögeln. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde er in den Alpen aber ausgerottet.

Zum Verhängnis geworden war ihm einerseits seine Neugier, die den direkten Abschuss erleichterte. Andererseits aber auch seine Vorliebe für Knochen, die ihn empfindlich gegen Giftköder machte.

Wissenschaftler der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach untersuchten nun die Zukunftsperspektiven der Alpenbartgeier. Zurzeit sterben jährlich im Schnitt vier Tiere. Die Experten kamen zum Schluss, dass dieser Verlust durch die erbrüteten Jungen ausgeglichen und die natürliche Zunahme der Population gewährleistet werden kann.

Wenn aber zwei zusätzliche Bartgeier pro Jahr sterben, so könne dies durch den Bruterfolg nicht mehr ausgeglichen werden und die Population würde wieder abnehmen, betonen die Wissenschaftler. Sie bezeichnen die Gefahr, dass die Mortalität zunimmt, als "sehr real".

Denn sie befürchten, dass der Einsatz von Giftködern gegen den Wolf zunimmt und der Bartgeier dadurch bedroht wird. Zudem würden in den Alpen immer mehr Windkraftanlagen gebaut, an deren Rotoren viele Vögel ums Leben kämen.