Über 6500 Manntage für die Tellensöhne

Mit einem Grossaufgebot unterstützt der Aargauer Zivilschutz das Schützenfest. 6582 Diensttage sind geplant, jeder vierte Zivilschutzpflichtige wird im Einsatz stehen.

Für Aufsehen sorgte letztes Jahr Martin Zulauf, der Kommandant der Zivilschutzorganisation Region Baden. Die Festhelferarbeiten hätten zu 90 Prozent nichts mit dem Kernauftrag des Zivilschutzes zu tun, erklärte er dieser Zeitung im November. Er scharte die Gemeindebehörden hinter den Entscheid, für das Schützenfest keine Zivilschützer nach Aarau zu schicken.

Abgesehen davon, dass man bei der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz der Einschätzung der Badener widerspricht, macht Abteilungsleiter Martin Widmer sanft darauf aufmerksam, dass der Entscheid über den Einsatz nicht bei den regionalen Zivilschutzorganisationen liegt und ein Fernbleiben im Prinzip nichts anderes als Befehlsverweigerung wäre. So hat man das den Badenern aber nicht gesagt, sondern sie freundlich gebeten, die Sache doch noch einmal zu überdenken.

33 von 34 Aargauer Zivilschutzorganisationen hätten denn auch anstandslos ihre Unterstützung zugesagt und gemeldet, dass die Vorbereitungen für den Einsatz am Schützenfest laufen, sagt Guido Beljean, Leiter der Sektion Koordination Zivilschutz beim Kanton. Zu koordinieren hat er für das Grossaufgebot am Schützenfest wahrhaft einiges. In der Zeit von Mai bis Ende Juli werden rund 2000 Zivilschutzpflichtige in irgendeiner Form für das Schützenfest im Einsatz stehen, das ist mehr als jeder vierte Aargauer Zivilschützer.

Budgetiert sind insgesamt fast 6600 Diensttage. Der genaue Bedarf wird sich aber erst noch weisen. Das mit täglich 45 Mann grösste Kontingent ist für den Betrieb von Kasernen- und Zivilschutzunterkünften eingeplant: total fast 1400 Diensttage. Man weiss jetzt aber noch nicht, wie viele der gegen 50000 aus der ganzen Schweiz erwarteten Schützen wirklich in Aarau übernachten wollen.

Die Palette der Aufgaben der Zivilschützer reicht vom Sanitätsdienst bis zum Zeltaufbau, vom Betrieb des Fundbüros bis zur Verkehrslenkung. Guido Beljean widerspricht der Kritik, die Helferdienste hätten nichts mit der Aufgabe des Zivilschutzes zu tun: «Es wird keine Handlangerarbeit verrichtet, von denen der Zivilschutz nichts profitiert, 90 Prozent der Aufgaben haben einen konkreten Ausbildungsnutzen.»

Man sieht das Schützenfest gewissermassen als Übungsgerät für einen Grosseinsatz, wie er zum Beispiel auch bei einer Naturkatastrophe ähnlich zu planen und abzuwickeln wäre. In Aarau ist es vielleicht die Munitionsausgabe für die Tellensöhne, aber es könnte genauso gut die Versorgung mit Trinkwasserrationen oder etwas anderem sein. (mou)

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