Überraschend wasserreich

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

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Jörg Meier

Die schönsten Geschenke sind jene, von denen man noch gar nicht weiss, dass man sie hat – und schwups, eines Tages entdeckt man sie. Meistens rein zufällig. Zum Beispiel, wenn man den Fliessgewässerkatasterplan studiert. Dieser zeigt den Verlauf der Fliessgewässer im Aargau auf, erfasst Daten über Durchlässe und Eindolungen und er belegt, dass wir im Aargau 4274 Fliessgewässer mit einer Gesamtlänge von 2980 Kilometern haben.

Fliessgewässer sind öffentliche Gewässer. Das bedeutet, sie gehören den Menschen im Aargau. Also auch mir. Wenn man nun die 2980 Kilometer Wasser gerecht auf alle Aargauerinnen und Aargauer verteilt, dann preicht es jeder und jedem 5 Meter Bach, Fluss oder gar See.

Da besitzt man also schon seit Jahren 5 Laufmeter Wasser und weiss nichts davon. Höchste Zeit also, sich um den neu entdeckten Besitz zu kümmern.

Das Raffinierte an den persönlichen 5 Meter Wasser ist, dass sie nicht fix zugeteilt sind; es gibt also keine Glücklichen mit Seeanstoss und Pechvögel mit Anteilen an eingedolten Rinnsalen; nein, die 5 Meter sind ein theoretischer Wert und sie lassen damit alle Möglichkeiten offen.

Deshalb brechen wir am Sonntag gleich nach dem Muttertagsbrunch auf und suchen uns irgendwo einen schönen Bachlauf oder gar einen Fluss, wo es uns so richtig gut gefällt. Da lassen wir uns nieder und stellen uns vor, genau hier sei unser Anteil an den öffentlichen Gewässern. Und wenn wir mit der ganzen Familie unterwegs sind, dann kommen da plötzlich 20, 30 oder noch mehr Wassermeter zusammen. Das tut doch gut. So viel Wasser. Und alles unser. Beunruhigend ist einzig der Gedanke, dass es womöglich noch mehr Kataster gibt, von denen wir bisher nichts gewusst haben.
joerg.meier@azag.ch