Überraschend modernes Basel

Geschichtsträchtige Erkenntnisse im Museum Kleines Klingental: Die Städte Basel und Zürich sind sich ähnlicher, als man denkt.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Andrea Mašek

Zürich ist Weltstadt und Basel Provinz: weit gefehlt. Die Stadt am Rheinknie hat in den letzten zwei Jahrhunderten eine ähnliche Entwicklung durchgemacht wie die Stadt an der Limmat und sich ebenfalls von einer mittelalterlichen Zunftstadt in einen modernen Industriestandort verwandelt. Allerdings haben Basler und Zürcher andere Wege gewählt. Diese werden in der Ausstellung «Urbane Visionen - Die Geschichte der Stadtentwicklung in Basel und Zürich» im Museum Kleines Klingental auf grossen Tafeln aufgezeigt - ohne zu werten. Und ohne auf die ewige Konkurrenz zwischen den beiden Städten einzugehen.

Sehr viel gemeinsam mit Basel

Entstanden ist die Präsentation aus einem Geschichtsseminar heraus. Die teilnehmenden Studierenden der Universität Basel berichtigten darin die bisher geltenden Bilder von Zürich als Avantgarde der Moderne und Basel als Bollwerk der Konservativen. Dies auch zur grossen Überraschung von Professor Martin Lengwiler. Er sagt: «Selbst ich hatte ein anderes Geschichtsbild von Basel. Schaut man sich die Stadt auf der Ebene der Stadtplanung und der Architektur an, hat sie mit Zürich sehr viel gemeinsam.» Und der Zürcher verrät sogar, dass Basel oft besser abschneidet als Zürich, da die langsamere Entwicklungspolitik am Rhein nachhaltiger war als die teils überstürzte Entwicklung der Limmatstadt. Ein gutes Beispiel ist die Kanalisation: Zürich entsorgte Fäkalien anfänglich wie wir heute unseren Abfall, bevor die Stadt zum Schwemmsystem wechselte, das auch Basel einführte.

In sechs Räumen können die Besucherinnen und Besucher die urbanen Visionen von Basel und Zürich miteinander vergleichen. Gleich zu Beginn, am Anfang der Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert, präsentieren sich die beiden Stadtpläne auf den ersten und auch auf den zweiten Blick erstaunlich ähnlich.

Basel fährt dann Zürich erstmal davon: Die Stadt im Dreiländereck erhält früher Anschluss ans Eisenbahnnetz. «Die Bahn galt damals als Symbol der Moderne», erklärt Lengwiler. Allerdings verpasst Basel dann den Anschluss respektive die Schiffbarkeit-Machung des Rheins - die Fischerzunft leistet Widerstand. Zürich wird schneller industrialisiert.

Ein einheitliches Bild aber gibts beim sozialen Wohnungsbau: Ziel ist die gute Stube, saubere Umgebung und jedem sein Vorgärtchen. Auch in Sachen Hygiene, Friedhöfe, Architektur und Museen ist man auf dem gleichen Stand. Und was den Baslern der Knopf oder Globus ist den Zürchern der Jelmoli - einfach ein wenig später.

Einen grossen Unterschied gibt es aber, wie Lengwiler betont: Basel hat die Entwicklung zur modernen Stadt geschafft trotz politischer Schwierigkeiten, räumlicher Begrenztheit und katastrophaler Finanzen. Zürich hatte es als aufgeschlossenere, weiträumigere und reiche Stadt bedeutend leichter.

Die Ausstellung ist erst ab dem 2. August bis zum 27. September offen.

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