Harassenlauf
Übermächtiger Harassenlauf

Der Harassenlauf vom 1. Mai ist allen ein Dorn im Auge. 2009 nahm der Alkoholkonsum und die Gewaltbereitschaft weiter zu. Doch weder der Kanton, die betroffenen Gemeinden Reinach und Münchenstein, noch die Grün 80-Betreiberin Migros sehen eine Lösungsmöglichkeit.

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Übermächtiger Harassenlauf

Übermächtiger Harassenlauf

bz Basellandschaftliche Zeitung

Michael Nittnaus

«Alle sind sich einig, dass man etwas tun muss. Aber wenn es eine einfache Lösung gäbe, hätten wir sie natürlich längst umgesetzt.» Diese Aussage von Polizeisprecher Meinrad Stöcklin lässt tief blicken. Der Harassenlauf erhitzt Jahr für Jahr die Gemüter, dagegen unternommen wurde bisher aber wenig. Mittlerweile macht sich bei den Betroffenen gar Resignation breit: «Ich hoffe darauf, dass sich der Harassenlauf irgendwann selbst totläuft», sagt beispielsweise der Reinacher Gemeindepräsident Urs Hintermann. Dabei steht Reinach als Startpunkt des Laufes noch gut da. «Bei uns sind die Teilnehmer immerhin noch einigermassen nüchtern», weiss auch Hintermann. So konnte der Streckenabschnitt bei der Reinacher Heide durch Absperrungen so umgeleitet werden, dass das Naturschutzgebiet verschont blieb.

Münchenstein und vor allem die Park im Grünen-Betreiberin Migros spüren den jährlichen Alkoholexzess weitaus stärker. «Unser Park ist das eigentliche Opfer, denn hier entsteht der grösste Schaden», hält Migros-Sprecher Dieter Wullschleger fest. Die Schadenssumme bewege sich im sechsstelligen Bereich. Jemanden konkret zur Rechenschaft zu ziehen, ist dabei kaum möglich, da keine greifbaren Organisatoren hinter dem Anlass stehen. «Der ganze Zusammenhang ist weitaus komplexer, als man meint», so Wullschleger. Migros Basel äussere sich nun vorläufig nicht mehr. Erst wird eine interne Lagebeurteilung durchgeführt, dann folgt in den nächsten ein bis zwei Wochen ein Treffen mit allen Betroffenen, darunter die kantonale Sicherheitsdirektion, aber auch Münchenstein und Reinach. «Anschliessend geht es darum, konkrete Entscheide zu fällen.» So lange äussert sich auch Münchensteins Gemeindepräsident Walter Banga nicht öffentlich. Dass die Resultate solcher Treffen in der Vergangenheit kaum greifbar waren, will Barbara Umiker von der Sicherheitsdirektion derweil nicht als Zeichen von Passivität verstanden haben: «Es ist eine Frage der Verhältnismässigkeit. Welche Massnahmen sind umsetzbar, aber auch vertretbar?»

Diese Frage muss sich auch der Bundesrat gefallen lassen. Er lässt derzeit prüfen, ob Kantone und Gemeinden künftig ein zeitliches und örtliches Alkoholverbot aussprechen können. Für Umiker kein Grund zum Jubeln: «Natürlich finde ich es gut, dass auch der Bund über die Problematik nachdenkt. Aber kein Gesetz nutzt etwas, wenn man es nicht umsetzen kann.» Für Umiker ist auch klar, dass der politische Weg nicht der einzige sein kann. «Die Gesellschaft steht genauso in der Verantwortung. Es braucht ein Umdenken bei Jugendlichen und ihren Eltern.»

Welch gravierendes Ausmass der Anlass mittlerweile angenommen hat, zeigt auch die Massenschlägerei mit Messerstecherei in der Grün 80 (bz berichtete). Die Polizei sucht weiter Zeugen, da sich weder das Opfer noch die direkt Beteiligten an die Ereignisse erinnern können. Für Stöcklin Sinnbild des Trauerspiels mit dem Alkohol.