Stiftung Feriendorf Twannberg ist pleite – ein Neustart als Jugendherberge ist möglich

Stiftung Feriendorf Twannberg ist pleite – ein Neustart als Jugendherberge ist möglich

Das Feriendorf Twannberg ist Geschichte, den 28 Mitarbeitenden wurde gekündigt. Enden die Verhandlungen positiv, startet das Feriendorf an Ostern 2009 als Jugendherberge.

«Ja, allen 20 Festangestellten und den noch 8 Teilzeitarbeitenden wurde gekündigt.» Rolf Pfister, Direktor des Feriendorfes Twannberg, wo seit über 30 Jahren Tausende von Behinderten preisgünstig ihren Urlaub verbracht hatten, räumt ein, es gebe auch Härtefälle. «Das sind beispielsweise langjährige Mitarbeitende über 50 und Ungelernte.»

Ein Sozialplan bestehe nicht, teilweise sei jedoch die Kündigungsfrist erstreckt worden. Auch Pfister ist seinen Job los: «Ich werde mich im Januar neu orientieren.» Derzeit seien alle Mitarbeitenden am «sauber Aus- und Aufräumen». Wie in den beiden vorangegangenen Saisons sei das Feriendorf den Winter über geschlossen. Diesmal war am Sonntag, 7. Dezember, Saisonschluss.

Stiftung ist pleite

Anfang November hatte die Trägerin, die Schweizerische Stiftung Feriendorf Twannberg, informiert, es sei ihr nicht gelungen, «die Finanzierung auf eine grundlegend neue Basis zu stellen». Anders gesagt, die Stiftung ist pleite. «Wir besitzen kein Kapital mehr und mussten schon in den letzten drei Jahren Darlehen aufnehmen, um die Betriebsdefizite zu decken», sagt auf Anfrage Stiftungsratspräsidentin und alt Regierungsrätin Dora Andres.

Die Verkaufsverhandlungen mit der Schweizerischen Stiftung für Sozialtourismus, sie ist die Trägerorganisation der Schweizer Jugendherbergen (SJH), stimmten sie jedoch zuversichtlich. «Am letzten Donnerstag trafen wir uns auf dem Twannberg mit ‹Jugendherberge›-Verantwortlichen zu einer Besichtigung», so Andres.

Dabei seien erste Verträge für eine Übernahme diskutiert worden. Andres: «Es sieht nicht schlecht aus, aber solange nichts unterschrieben ist, ist nichts sicher.» Andres kann sich auch eine Mietlösung für die ersten «zwei, drei Jahre» vorstellen. Andere Interessenten seien vorhanden, Verhandlungen seien aber bis zum Entscheid der SJH sistiert.

«Ein grosses Thema»

«Wir haben uns einen ersten Eindruck verschafft», bestätigt Tobias Thut, Marketingverantwortlicher und Mediensprecher der Non-Profit-Organisation SJH. Der Twannberg sei «ein grosses Thema». Derzeit arbeite man an der Detailplanung samt Betriebskonzept und Businessplan. Mitte Januar würden die Unterlagen dem Vorstand unterbreitet. «Wir haben Ende Januar 2009 als Termin für einen Beschluss festgelegt», bestätigen Thut und Andres.

Entscheidend für einen Neustart ab Ostern 2009 sei, dass ein rentabler Betrieb überhaupt möglich ist. «Wenn die Gebäude dies nicht erlauben, dann müssten wir ablehnen», so Thut. Zu einem funktionierenden Betriebskonzept als Jugendherberge gehöre die Anbindung des Feriendorfes an den öffentlichen Verkehr, sagt Thut. Mit der Gemeinde Twann sei man im Gespräch.

An öV anschliessen

Gemeindepräsident Alfred Schweizer (parteilos) bestätigt, mit der Nachbargemeinde Ligerz sei eine entsprechende Arbeitsgruppe aus insgesamt vier Gemeinderäten, auch Schweizer gehört dazu, gebildet worden. An der ersten Sitzung in der vergangenen Woche habe man beschlossen, eine Studie erstellen zu lassen. In den abgelegenen Quartieren der beiden Gemeinden – Gaicht und Chros in Twann, Schernelz in Ligerz – bestehe ein Interesse an einem öffentlichen Busangebot.

Auch der Schulverband Twann-Ligerz-Tüscherz habe Bedarf an Transportmöglichkeiten. «Die Studie soll alle Transportbedürfnisse, auch die zum Feriendorf, umfassend abklären und ein finanziell tragbares öV-Konzept evaluieren», sagt Schweizer.

Bis zum geplanten Wiedereröffnungstermin der Ferienanlage seien die Gemeinden damit aber kaum fertig. «Wir möchten das Konzept im Mai oder Juni den Gemeindeversammlungen vorlegen. Wenn alles klappt, können wir schon im Sommer den öV-Versuchsbetrieb starten», sagt Schweizer. Der Twannberg sei eine touristische Attraktion von grosser Bedeutung. Schweizer: «Wir hoffen sehr, dass die Anlage weiterhin genutzt wird.»

Ob bei einer Zusage der SJH-Stiftung auch gekündigte Mitarbeitende des Feriendorfes wieder dabei wären, sei offen, sagt Direktor Rolf Pfister: «Den Gekündigten hat die SJH Absichtserklärungen abgegeben, allenfalls in der Jugendherberge arbeiten zu können. Wegen ihrer ungewissen Zukunft wollen die Leute jedoch nicht einfach zuwarten und schauen sich nach neuen Arbeitsplätzen um.» (mz/uz/fhe)

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