Tankstellen-Räuber
TV-Geständnis war Lippenbekenntnis

Ein Tankstellen-Räuber hat auf Tele M1 ein anständiges Leben versprochen. Mit einem Rückfall in Dietikon hat er den letzten Kredit verspielt und vier Jahre Freiheitsentzug kassiert.

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Tankstellenshops sind dank langen Öffnungszeiten immer beliebter (Archiv)

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Keystone

Attila Szenogrady

Es war ein medienträchtiger Auftritt des heute 26-jährigen Angeklagten. Vor laufender Kamera legte der ursprünglich aus Albanien stammende im Sender Tele M1 ein reumütiges Geständnis ab. Er entschuldigte sich bei allen Opfern und bereute öffentlich seine kriminelle Laufbahn. Diese war in der Tat eindrücklich verlaufen.

Bereits zwischen April und Juli 2008 hatte der gelernte Verkäufer aus Klingnau nicht weniger als fünf Tankstellen-Shops überfallen und Beute für rund 20 000 Franken gemacht. In Würenlingen hatte er gleich zweimal dieselbe Tankstelle heimgesucht. Der maskierte Täter bedrohte die Geschädigten jeweils mit einem gefährlichen Messer und versetzte sie in Todesangst.

Rückfall nach einem Monat

Dank der rührend anmutenden Entschuldigung im Fernsehen liess das Bezirksgericht Zürich im Januar 2009 Gnade vor Recht walten. Trotz eines hohen Strafantrags von 42 Monaten Freiheitsstrafe unbedingt setzte es eine bedingte Sanktion von zwei Jahren fest und gab damit dem jungen Räuber eine letzte Chance. Allerdings folgte auf das in ihn gesetzte Vertrauen schon bald eine herbe Enttäuschung. Nur einen Monat nach dem milden Urteil schlug der uneinsichtige Täter erneut zu.

Am 26. Februar 2009 betrat er in Dietikon einen Tankstellen-Shop. Mit einem Schraubenzieher bewaffnet, stellte er zwei Angestellten in Aussicht, sie niederzustechen und aufzuschlitzen. Er erbeutete danach Bargeld, Gutscheine und Lose für 4235 Franken.

Auch Pizza-Kurier überfallen

Am 21. März 2009 fand die Serie des Angeklagten in Dietikon ein abruptes Ende. Zusammen mit einem heute 28-jährigen Kosovaren überfiel er auf offener Strasse einen bestellten Pizza-Kurier und nahm diesem 800 Franken und dessen Handy ab. Schon am nächsten Tag sass der rückfällige Räuber wieder im Gefängnis.

Jetzt musste er sich zusammen mit seinem Komplizen des Kurier-Überfalls vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Der Angeklagte hinterliess vor den Schranken nicht den besten Eindruck. So wies er die Hauptvorwürfe trotz erdrückender Beweise, wie sichergestellter DNA-Spuren, von sich. Allerdings vergeblich.

Vier Jahre Freiheitsstrafe

Der Angeklagte wurde vom Bezirksgericht Dietikon wegen mehrfachen Raubes für schuldig befunden und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Zudem wurde die frühere Bewährungsstrafe von zwei Jahren widerrufen.

Der bereits vorbestrafte Mittäter kassierte einen unbedingten Freiheitsentzug von 33 Monaten. Das Gericht sprach bei der Strafzumessung von einem dreisten, raffinierten und kaltblütigen Vorgehen des Hauptangeklagten.