Andreas Tschopp

«Es war eine schöne Zeit im Café Schief. Ich verlasse dieses mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt Hausi Rüfenacht. Er hat (fast) 30 Jahre lang das am Fusse der Schiefen Brücke in Ennetbaden gelegene Café, dessen Gaststube tatsächlich leicht schief ist, geführt. Am vergangenen Sonntag, 31. Januar, war das Lokal letztmals für Gäste offen. An diesem Schlussabend ging ein Kapitel Restaurantgeschichte nicht nur für Ennetbaden, sondern die ganze Region zu Ende.

Im Gründungsjahr erbaut

Begonnen hat diese Geschichte 1819. Im Gründungsjahr der Gemeinde Ennetbaden wurde das Haus an der Sonnenbergstrasse 1 erstellt. Das im 1. Stock eingerichtete Lokal hiess bis weit ins 20. Jahrhundert nach der Besitzerfamilie Café Brunner. 1959 erwarb die Gemeinde die Liegenschaft neben der Michaelskapelle, die 1966 abgebrochen wurde. Ende der Siebzigerjahre drohte dasselbe Schicksal auch dem «Schief». Der Abbruch konnte damals verhindert werden. Die Liegenschaft wurde danach renoviert, und im August 1980 übernahm Hausi Rüfenacht die Pacht des Restaurants.

Gezehrt vom guten Ruf

«Der wunderschöne Garten und der Charme des Lokals haben es mir angetan», erinnert sich Rüfenacht, der von Zürich über Australien und wieder Zürich nach Ennetbaden kam. «Anfangs habe ich niemanden gekannt hier», erzählt der «Schief»-Wirt. Als solcher hat sich Rüfenacht rasch einen Namen gemacht. Er konnte diesen guten Ruf über all die Jahre halten. Die Treue der Stammgäste habe ihm auch geholfen, nachdem das Zentrum Ennetbadens mit Eröffnung der Umfahrung 2006 mehr und mehr auszusterben begann, bis am Schluss durchzuhalten.

Skulptur als Erinnerung

Seinen Anfang nahm das Ende am vergangenen Sonntag. Einige Stammgäste hätten am Schlussabend gleich einen Stuhl als Andenken mitgenommen, erzählt Rüfenacht. Diese Woche begann nun offiziell die Räumung des Lokals mit dem Abbruch des Buffets. Der scheidende Wirt beobachtete dies wehmütig. Die Einrichtung sei nach all den Jahren abgeschrieben, betont Rüfenacht. Die von einem Freund aus dem Zürcher Oberland aus Küchengeräten erstellte «Schief»-Skulptur wolle er jedoch als Andenken behalten, meint der 65-Jährige und betont: «Am Valentinstag, dem Tag der Liebe, werde ich letztmals den Schlüssel drehen zum ‹Schief›.» Tags darauf, am 15. Februar, fährt dann der Bagger auf.