Silo
Trotz allem bleibt Zuversicht

Das Silo Langenthal stellt auf Ende Jahr seine gemeinnützige Tätigkeit ein. Am Dienstag nahmen gut 80 Personen während einem feierlichen Rahmen Abschied vom Silo – ein Abschied mit Zuversicht.

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Silo-Team

Silo-Team

az Langenthaler Tagblatt

Jana Fehrensen

Die Betonwände sind karg, die schmale Treppe ist von den vielen Füssen abgelaufen. Das Silo Langenthal strahlt nicht gerade Geborgenheit aus. Doch für viele Flüchtlinge war es in den letzten Jahren genau das: Ein Ort der Geborgenheit, ein Ort an dem sie, die sie ständig in Veränderung leben, endlich ankommen durften. Am Dienstag betraten die Silo-Teilnehmer, die Mitarbeiter sowie freiwillige Helfer und Freunde des Silo wahrscheinlich das letzte mal diese Treppe Das Silo Langenthal hat zu einem Abschied mit Zuversicht eingeladen.

Seit Jahren bietet das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH Bern im Silo Langethal Bildung, Begegnung und Beschäftigung für Asylsuchende an und fördert so ihre Integration direkt vor Ort. Aus finanziellen Gründen entschied das SAH Bern, die Tätigkeit per Ende des Jahres einzustellen.

Masshardt bleibt realistisch

Auch der Runde Tisch vom 2. Dezember, an dem alle in der Region tätigen Akteure des Asylbereichs vertreten waren, brachte keine Lösung. Obwohl die Räumlichkeiten gekündigt sind und die Silo-Mitarbeiter Gasim Nasirov und Yvonne Stieler ihre Stelle verlieren, kämpfen die Silo-Teilnehmer und das Team rund um den Leiter Rolf Geiser für die alternative Lösung «Silo als Gefäss» weiter.

Dabei werden sie von drei engagierten Politikerinnen, Dorette Balli (SP), Luzia Bossard (GL) und Nadine Masshardt (SP) unterstützt. Die Lösung sieht vor, dass sich verschiedene Institutionen mit ihren Angeboten im Silo einmieten, und dass das Silo selber nur noch Tagesstrukturen, Mittagstisch, Internet-Café und soziokulturelle Veranstaltungen finanziert. Trotz der Minimallösung ist die Idee vorderhand gescheitert, weil sich bis jetzt keine Trägerschaft finden liess.

Für Stadträtin Nadine Masshardt ist es wichtig, dass für die Asylsuchenden ein Angebot vor Ort existiert, das über einen Sprachkurs hinausgeht. Doch sie ist realistisch und gibt zu, dass man angesichts des immensen Zeitdrucks kaum einen fliessenden Übergang für das Silo Langenthal finden werde. Man verspüre sehr wohl grosse Sympathien mit dem Silo. Doch nun brauche es jemanden, der die Initiative übernehme.

Bewegt sich im Februar noch was?

Auch Leiter Rolf Geiser will das Silo Langenthal noch nicht ganz aufgeben: Es sei schliesslich ein Modell dafür, wie die Forderung nach Integration umgesetzt werden sollte. Das Projekt, das von allen Seiten viel Anerkennung entgegennehmen konnte, zeige deutlich, dass die Aktivitäten für den Integrationsprozess vor Ort - also im Oberaarau selber - stattfinden sollten.

Rolf Geiser ist aber auch klar, dass das Silo in der jetzigen Form wohl kaum weitergeführt werden kann. Mit der Zuversicht, dass sich aber im Oberaargau in den nächsten Wochen trotzdem etwas bewegt, trifft sich die Gruppe um Dorette Balli, Nadine Masshardt und Luzia Bossard im Februar 2010 wieder.

Ohne Kultur- und Religionsgrenzen

Obwohl im Silo nicht nur der Abschied vom Jahr 2009 anstand, war die Atmosphäre unter den etwa 80 Besuchern feierlich und Zuversichtlich. Mit einem letzten gemeinsamen Essen, einem Rückblick auf das Jahr 2009, Musik, Gesang und Tanz wurde die Abschiedsfeier zu einer festlichen und bewegenden Begegnung über alle Kultur- und Religionsgrenzen hinweg. Tamilische und Schweizer Spezialitäten auf dem Teller, festliche Trachten aus fernen Ländern und Weihnachtslieder wie «Stille Nacht, heilige Nacht» gaben der Abschiedsfeier einen unvergesslichen Charakter.