«Tropfenzähler» gegen die Blechlawine

Nadelöhr: Wer auf der Nord-Süd-Achse durchs Zentrum der Region Brugg-Windisch muss, kommt am Neumarktknoten kaum vorbei.

«Tropfenzähler» gegen die Blechlawine

Nadelöhr: Wer auf der Nord-Süd-Achse durchs Zentrum der Region Brugg-Windisch muss, kommt am Neumarktknoten kaum vorbei.

Was der Region Baden-Wettingen recht ist – ein Verkehrsmanagement –, ist der Region Brugg-Windisch billig. Oberstes Ziel des Managements: flüssiger Verkehr im Zentrum.

Louis Probst

Das Bild ist inzwischen leider alltäglich geworden: Auf der Zurzacherstrasse in Brugg und auf der Hauserstrasse in Windisch stauen sich zu bestimmten Zeiten die Autos auf einer Länge von Hunderten von Metern. Die einen auf dem Weg nach Süden. Die andern auf dem Weg nach Norden. Und mitten drin stehen die gelben Busse mit den Pendlern, denen im Bahnhof Brugg die Züge wegfahren. Alle müssen sie durch das Nadelöhr des Neumarktknotens in Brugg. Das kostet Zeit und Nerven. Das Verkehrsproblem auf der Nord-SüdAchse im Zentrum der Region Brugg – und das Nebenproblem des Ausweichverkehrs, der zu Mehrbelastungen in bestimmten Dörfern führt – ist inzwischen nicht bloss erkannt. Man arbeitet auch an Lösungen.

Der Stau wird verlagert

Seit 2½ Jahren beschäftigt man sich im Planungsverband Brugg Regio und beim Kanton in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden – von Villigen im Norden bis Hausen im Süden – mit dem Konzept für ein Verkehrsmanagement für die Region Brugg.

«Jetzt», so Götz Timcke von der Abteilung Verkehr im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons an der Vorstandssitzung des Planungsverbandes Brugg Regio, «jetzt sind die konzeptionellen Arbeiten abgeschlossen.» Es kann an die Umsetzung gehen. Kurzfristige Massnahmen sind bereits im nächsten Jahr vorgesehen. «Ziel des Verkehrsmanagements», so Götz Timcke, «ist die Aufrechterhaltung des Verkehrsflusses im Zentrum der Region Brugg-Windisch – und das vor allem auch für die öffentlichen Verkehrsmittel. Dem Zentrum soll zudem mehr Luft für die weitere Entwicklung verschafft werden. Es geht darum, die Staus möglichst an den Siedlungsrand zu verschieben. Dabei stellt sich aber die Frage, wo denn dieser Siedlungsrand liegt.»

Mittlerweile scheint man eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben. Gemäss dem Konzept des Verkehrsmanagements liegt der Siedlungsrand im Norden im Bereich der Steinrenni zwischen Brugg-Lauffohr und Villigen. Im Süden befindet er sich im Bereich des Seebli-Centers zwischen Hausen und Lupfig. Von diesen beiden Punkten her soll denn auch angesetzt werden.

Eine Tropfenzähler-Kaskade

Durch die Steuerungskonzepte Nord und Süd, denen Priorität zukommt, wird gemäss Verkehrsmanagement bereits im vorgelagerten Bereich Einfluss genommen. In einem Kaskadensystem wird diese Einflussnahme über verschiedene Dosierstellen bis ins Zentrum weitergeführt.

Auch nördlich der Aare ist, so Götz Timcke, im Bereich der Langmatt in Brugg-Lauffohr, eine Pförtnerungsanlage vorgesehen. Reicht ihre Wirkung nicht mehr, tritt die Dosierstelle Steinrenni in Aktion. Für die öffentlichen Verkehrsmittel sind zusätzliche Massnahmen, wie Busschleusen auf der Hauserstrasse in Windisch und Busbevorzugungseinrichtungen, vorgesehen.

Südwest-Spange dringlich

Im Konzept des Verkehrsmanagements bereits berücksichtigt sind auch, wie Götz Timcke erklärte, die baulichen Massnahmen der Verkehrssanierung Brugg-Windisch – insbesondere die Südwestumfahrung durch das Hunzikerareal mit der so genannten Industriespange zur Aarauerstrasse. Für diese Südwestumfahrung liegt in Aarau bereits ein generelles Projekt vor. Götz Timcke: «Das Verkehrsmanagement stützt sich darauf ab, dass die Südwestumfahrung in absehbarer Zeit realisiert wird.»

Kosten 20 Millionen Franken

Managements kosten. Da macht auch das Verkehrsmanagement keine Ausnahme. «Eine Grobschätzung zeigt, dass für die Umsetzung des Verkehrsmanagements Kosten von rund 20 Millionen Franken auflaufen werden», stellte Götz Timcke fest. «Der Bund hat aber Beiträge in Aussicht gestellt, und der Kanton hat auch bereits entsprechende Eingaben gemacht.»

Ende dieses Jahres soll jetzt eine Leistungsvereinbarung unterzeichnet werden, damit die Bundesbeiträge fliessen und die einzelnen Projekte realisiert werden können. In der Abteilung Tiefbau des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt werden jetzt die einzelnen Projekte und die Kostenvoranschläge erarbeitet. «Ziel ist es, im kommenden Jahr mit einer Botschaft an den Grossen Rat zu gelangen», sagte Götz Timcke. «Damit könnte ab 2013 mit den Bauarbeiten begonnen werden.»

Kurzfristige Massnahmen

Bis dahin sind kurzfristige Massnahmen geplant. Unter anderem werden bei den Knoten Casino und Neumarkt in Brugg die Steuerungen der Lichtsignalanlagen ersetzt. Zwischen dem Neumarktknoten und dem Kreisel Bachtalen wird die Abbiegespur verlängert. Eine Verlängerung der Abbiegespur wird zudem auch auf der Zurzacherstrasse im Bereich der Kaserne ein Thema sein. Götz Timcke: «Durch diese Massnahme sollen die Busse schneller zum Bahnhof gelangen.»

Meistgesehen

Artboard 1