Trio kämpft um Solothurner Stöckli-Sitz

Bei der Ständeratswahl im Kanton Solothurn kämpfen drei Kandidierende mit ungewissen Chancen. Dorneck-Thierstein liefert 13,6 Prozent aller zu vergebenden Stimmen.

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Thomas Schärli

Um die Nachfolge des im Amt verstorbenen Ständerates Ernst Leuenberger (SP) kommt es am 29. November in einem ersten Wahlgang zu einem Dreikampf zwischen dem Nationalrat Roland Borer (SVP, 1951 geboren, aus Kestenholz) und den Kantonsräten Roland Fürst (CVP, 1961, aus Gunzgen) und Roberto Zanetti (SP, 1954, aus Gerlafingen).

Die SP will den Sitz mit alt National- und Regierungsrat und inzwischen «Wieder-Kantonsrat» Zanetti verteidigen. Die CVP wiederum will ihren 1999 nach dem Rücktritt von Rosemarie Simmen an die SP verlorenen Ständeratssitz mit Roland Fürst, dem Direktor der Solothurner Handelskammer, zurück- erobern. Und die SVP will mit dem alt gedienten Nationalrat Roland Borer, seit 1991 sitzt er in der grossen Kammer, erstmals überhaupt ins Stöckli einziehen.

Leichter Vorteil für Roberto Zanetti

Insgesamt 23 000 Stimmberechtigte aus der Amtei Dorneck-Thierstein, das sind immerhin 13,6 Prozent aller Stimmberechtigten des Kantons, sind aufgerufen, ihre Wahl zu treffen. Keiner der Kandidaten geniesst hier einen Heimvorteil.

Betrachtet man aber auf der einen Seite die Parteistärken im Schwarzbubenland und auf der andern Seite frühere Wahlgänge bei Majorzwahlen, kann man Roberto Zanetti in dieser Region sicherlich leicht favorisieren. Die Linke (SP und Grüne zusammen) erreichte zuletzt einen Wähleranteil von 23 Prozent, die Grünliberalen (4,9 Prozent) unterstützen Zanetti, und bekanntlich kann der SP-Mann auch immer wieder bei den Freisinnigen (29 Prozent Stimmenanteil im Schwarzbubenland) Stimmen abholen.

Roland Fürst dagegen ist ausserhalb seines Wahlkreises weitgehend ein unbeschriebenes Blatt, nicht umsonst bezeichnet ihn seine eigene Partei als «stillen Chrampfer». Vor zwei Jahren kandidierte er als Nationalrat, musste sich aber im Schwarzbubenland mit einem hinteren Listenplatz begnügen. Fürst muss voll auf die CVP (24 Prozent Wähleranteil) zählen und auf Stimmen aus dem FdP-Lager hoffen. Da die FdP bekanntlich aber Stimmfreigabe beschlossen hat, dürften ihre Stimmen doch recht verzettelt auf alle drei Kandidaten fallen.

Roland Borer hat im Schwarzbubenland wohl das kleinste Stimmenpotenzial (SVP hat einen Wähleranteil von 18,8 Prozent), dies trotz seinem Bekanntheitsgrad als Nationalrat und aus vier vergeblichen Anläufen auf einen Regierungsratssitz. Der SVP-Hardliner hat sich zuletzt mit Aussagen wie «wir haben genug von den Rückenschüssen der FdP und CVP» im bürgerlichen Lager nicht gerade viele Sympathisanten geholt.

Zweiter Wahlgang wahrscheinlich

Der im Amt verstorbene Ständerat Ernst Leuenberger sagte zwar vor zwei Jahren zum Mechanismus bei den Ständeratswahlen: «SP-Kandidaten haben es besonders schwer. Der Grund ist einfach: In den meisten Fällen beansprucht ein Block aus allen bürgerlichen Parteien gleich zwei Sitze.» Nun greifen aber zwei bürgerliche Parteien den SP-Sitz an und die dritte Kraft nimmt erst noch keine Stellung dazu. Deshalb spielt diesmal der angesprochene Bürgerblock nicht. Vielleicht ist dies die Chance für die SP?

Da sich aber in Majorzwahlen die drei Kandidaten noch nie direkt gegenüber gestanden sind, ist die einfachste und wohl sicherste Prognose immer noch die, dass es bei den Ersatzwahlen für den Ständerat zu einer zweiten Ausmarchung kommen wird. Und dann werden die Karten wieder neu gemischt.

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