Trinkwasser erhalten und Bauten erneuern

Das Quellwasserpumpwerk Kirchfluh in Pieterlen wird saniert. Die intakte 110-jährige Bausubstanz soll erhalten, alle technischen Installationen hingegen ausgewechselt und an die neuen Vorschriften angepasst werden.

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Kirchfluh_dsc.jpg

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Solothurner Zeitung

Margrit Renfer

Die Aussenhülle mutet wie ein verwunschenes Häuschen an. Die Wasserkammern sind gewölbt, der Boden aus Stampfbeton ist in die Jahre gekommen. Das Quellwasserpumpwerk Kirchfluh, westlich der Kirche und unterhalb der Kirchenfluh in Pieterlen gelegen, muss saniert werden. Es gehört der Wasserversorgerin des Dorfes, der Burgergemeinde. Die Grundkonstruktion des Pumperwerkes ist 110 Jahre alt. Die technischen Anlagen wurden 1951 und 1982 total saniert. Für die nun anstehende Sanierung standen drei Varianten zur Auswahl. Eine Minimalvariante hätte nur das Nötigste vorgesehen, beim teuersten Vorschlag wäre alles neu gebaut worden.

Geschichten rund ums Wasser

Die Pumpen des Grundwasserpumpwerks funktionierten immer einwandfrei und waren der Stolz des verstorbenen Schlossermeisters Bernhard Ischer. Zum Beweis setzte er bei Besichtigungen einen Zweifränkler auf die voll laufende Pumpe und dieser fiel nicht herunter. Lange waren nicht alle Pieterler Häuser im Oberdorf an die Wasserversorgung angeschlossen. Sie verfügten über eigene kleine Quellen. «1962 war ein sehr trockenes Jahr, da haben sich viele Zweifler endlich der Wasserversorgung angeschlossen», erzählt man sich im Dorf. Das 100-Jahr-Jubiläum wurde vor zehn Jahren würdig gefeiert. Zeugen der ergiebigen Quelle sind der damals erstellte Burgsee, der Brunnen an der alten Landstrasse und die Brunnen auf dem Dorfplatz. (mrl)

Gewölbte Decken erhalten

Der Burgerrat hat beschlossen, dass die intakte Bausubstanz mit den gewölbten Wasserkammern und die spezielle Aussenhülle des Pumpwerks für die nächste Generation erhalten bleibt. Alle technischen Anlagen und Leitungen werden komplett erneuert und den heutigen Vorschriften angepasst.

Unter der unscheinbaren Aussenhülle des Pumpwerkes verstecken sich zwei Etagen mit den Wasserkammern und der elektrischen Steuerung. Der Boden der Wasserkammern, noch aus gestampftem Beton, ist im Lauf der Jahre undicht geworden. Dieser Boden wird neu gebaut. So weit möglich sollen die gewölbten Decken der Wasserkammern erhalten bleiben. Wer einmal die Quelle Kirchfluh der Burgergemeinde Pieterlen besichtigen konnte, weiss, welchen sinnlichen Wert die Verantwortlichen dem Wasser beimessen.

Die Sanierung des Pumpwerkes kostet rund eine Million Franken. Das Dach des Pumpwerkes, das früher einmal sogar ein Flachdach war, wird dafür provisorisch entfernt. Einige Bäume rundherum müssen für die Sanierung mit dem Kran gefällt werden. Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser bleibt während der gesamten Bauzeit gewährleistet. Dafür sorgt der bestehende Wasserverbund mit Biel.

Leugene gefährdet ein Standbein

Die Pieterler Wasserversorgung basiert auf der Quelle Kirchfluh, der Grundwasserpumpe Stöck beim westlichsten Schutzwald an der Grenze zu Biel sowie dem Verbund mit der Wasserversorgung Biel. «Seit der offenen und abgesenkten Führung der renaturierten Leugene entlang unserer Grundwasserschutzzone hat sich der Grundwasserspiegel unseres Pumpwassers um 70 Zentimeter gesenkt», sagt Pieterlens Brunnenmeister Max Ischer.

Die Sohle der renaturierten Leugene ist tiefer als die Fassung des Grundwassers in der Stöck und doch ergeben sich seither Probleme mit der Qualität des Wassers, vor allem bei Regenwetter. Deswegen wurde eine UV-Anlage zur Reinigung eingebaut. Diese funktioniert jedoch nur ungenügend. Die damaligen Einsprachen der Burgergemeinde Pieterlen zur Abänderung der Renaturierung des Baches im oberen Teil wurden mit der Begründung abgelehnt, dass diese Eingriffe keinen Einfluss auf das Grundwasser hätten.

Stöck nicht aufgeben

Die Burgergemeinde wird nun entscheiden müssen, ob sie die als Reserve gebaute Grundwasserfassung Stöck aufgeben oder deren Wasser mit einer teuren Kontroll- und Reinigungsanlage aufbereiten will. Ein Rechtsverfahren wurde eingeleitet. «In den trockenen Jahren 1947 und 1949 haben unsere Väter beim Versiegen des Quellwassers nach Alternativen gesucht. Als Respekt vor dieser Leistung sollten wir alles versuchen, das Wasser weiter zu nutzen. Schliesslich wird ein grosser Teil allen verwendeten Wassers auch in der Schweiz aufbereitet», ist die Meinung des Brunnenmeisters.