Markus Jutzi

Er nennt sich Finanzberater, hat aber weder einen Kurs absolviert noch je einmal ein Geschäft in dieser Branche getätigt. Nach der Schulzeit hat er eine Lehre als Schreiner begonnen, doch diese bereits nach kurzer Zeit abgebrochen. Seither ist er arbeitslos. Er verdient sich ab und zu einen Batzen mit Hilfsarbeiterjobs. Eines aber hat er - viele, viele Schulden.

Gestern Freitag stand der 24-jährige Mann aus Utzenstorf vor dem Gericht im Schloss Burgdorf. Ihm wird vorgeworfen, dass er 165 000 Franken von seiner damaligen Freundin verprasst hat. Er hat diese Anschuldigung denn auch nicht abgestritten. Im Gegenteil.

Er hat vor dem Prozess mit seiner ehemaligen Freundin - sie nahm als Privatklägerin am Prozess teil - eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach er sich verpflichtet, monatlich 250 Franken zurückzubezahlen. Rechnerisch müsste er also während 55 Jahren diese vereinbarten 250 Franken bezahlen. Hinzu kommt noch ein Verzugszins von fünf Prozent.

Massiver Schuldenberg

Der Utzenstorfer steht aber nicht nur bei seiner ehemaligen Freundin in der Kreide. Vor Gericht vermochte er seine genauen Schulden nicht zu beziffern. Es war aber die Rede von gegen
60 000 Franken. Um diese Schuld zu tilgen, wollte ihm eigentlich seine «Ex» unter die Arme greifen. Sie hatte im Jahr 1997 einen Autounfall und bekam zehn Jahre später von der Versicherung 200 000 Franken ausbezahlt.

Zusammen mit ihrem Freund ging sie auf die Bank und hob 165 000 Franken ab. Dieses Geld legte sie bei sich zu Hause in ein Couvert und dieses dann in die Schublade ihrer Kommode im Schlafzimmer, wie sie vor Gericht sagte. Danach sei sie mit ihrem damaligen Freund, dem nun Angeklagten, nach Utzenstorf gefahren.

In Utzenstorf angekommen, habe er zu ihr gesagt: «Ich muss noch schnell zur Bank, um etwas zu erledigen.» Das sei ihr «komisch vorgekommen». Dann sei ihr «durch den Kopf gefahren», ob er vielleicht ihr Couvert mit dem Geld mitgenommen habe. Sie vermutete richtig. Er hat dort ein Schliessfach gemietet, sie jedoch nicht als Bevollmächtigte eingetragen. So hatte sie keinen Zugriff.

Trennung und Pokerspiel

Nach dem grossen Geldsegen fing die Beziehung an zu bröckeln. Sie ging dann ganz auseinander. Wo aber ist nun das Geld geblieben? «Ich habe alles verspielt beim Pokern», sagte er. «Haben Sie das Geld nach und nach vom Schliessfach geholt?», fragte Gerichtspräsident Markus Bärtschi.

«Nein. Ich habe alles auf einmal geholt und dann immer auf mir getragen», antwortete er. Ungläubig schauten sich die Mitglieder des Kreisgerichts an und stellten die Gegenfrage: «Wie kann man eine so grosse Summe immer auf sich tragen?» Er habe eine weite Jacke mit grossen Taschen. Da habe es Platz für alles Geld gehabt.

Zudem wollte das Gericht wissen, weshalb er gleich zehnmal in der Bank gewesen sei. Er habe wichtige Dokumente und Schmuck seiner Grossmutter ins Schliessfach gelegt, antwortete er. Das Gericht muss nun abklären, ob er seiner Freundin das Geld gestohlen oder sich unrechtmässig angeeignet hat. Am kommenden Dienstag wird im Schloss Burgdorf das Urteil verkündet.