Markus Jutzi

Die vorletzte Nacht war wolkenlos und der Mond leuchtete in seiner fast vollen Grösse. Langnaus Bewohner schliefen tief und fest - bis kurz nach Mitternacht die Feuerwehr mit Blaulicht ausrückte. Ein Geräte-Unterstand auf dem Gutsbetrieb der Heimstätte Bärau brannte aus noch ungeklärten Gründen. Um 1.15 Uhr meldete ein Anwohner den Brand, worauf die Feuerwehr Langnau zum Brandherd ausrückte. Während der Nacht waren 50 Personen im Einsatz - und 6 Fahrzeuge. Im niedergebrannten Unterstand befanden sich landwirtschaftliche Geräte und trockenes Holz. Das Haus und die Gerätschaft wurden total zerstört. Tiere und Menschen kamen glücklicherweise bei diesem Brand nicht zu Schaden.

Da der Unterstand auf der Vorderseite offen war, fand das Feuer genügend Sauerstoff; der ganze Dachstock stand in Flammen. Diese waren bis ins Entlebuch hinein zu sehen. Das Knistern des Feuers war ebenfalls eindrücklich und weckte die Nachbarschaft aus ihrem Schlaf. Wie bei einer Sprengung knallte es zwischendurch sogar immer wieder.

War es menschlisches Versagen?

Der Regierungsstatthalter Simon Bichsel relativiert: «Das war der Knall, weil Eternit-Platten wegen der zu grossen Hitze zersplitterten.» Bichsel war einer der Ersten auf dem Brandplatz. «Es war ein beeindruckendes Schauspiel», sagt er. Der Regierungsstatthalter attestiert der Feuerwehr tadellose Arbeit: «Alle haben ihre Aufgabe hervorragend ausgeführt. Ohne Hektik und mit viel Sicherheit legten die Feuerwehrleute innert kürzester Zeit sieben Wasserleitungen.» Bichsel ist froh, denn: Zu keinem Zeitpunkt habe je die Gefahr bestanden, dass Menschen zu Schaden kommen würden. Dieser Umstand habe ganz bestimmt zur Sicherheit der Feuerwehrleute beigetragen. Diese stossen jedoch langsam an ihre Grenzen, denn: Tagsüber gehen sie zur Arbeit und nachts leisten sie einen Einsatz. Bichsel bestätigt: «Das zehrt an den Kräften.»

Der vorgestrige Einsatz war nämlich nicht der erste in dieser Woche: Am Dienstag zerstörte ein Feuer in der Nähe des Schwimmbades einen Schuppen und einen Wohnwagen. 8 Hühner und über 20 Kaninchen kamen dabei in den Flammen um. Doch bereits in der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag und am späten Sonntagabend brannte es in Langnau. Augenfällig: Beide Male brachen die Feuer um Mitternacht aus. Auch der gestrige Brand ereignte sich kurz nach Mitternacht. Die Berner Kantonspolizei ermittelt, will jedoch dazu noch keine Stellung nehmen. Sie schliesst aber menschliches Versagen, also Brandstiftung, nicht aus. Der entstandene Schaden kann momentan noch nicht beziffert werden. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, ist ungewiss.

Aufruf zur erhöhten Wachsamkeit

Langnaus Bevölkerung ist verunsichert. Viele Fragen sich, ob und wo wieder ein Brand ausbrechen wird. Auch wenn es nicht sicher ist, ob ein Brandstifter sein Unwesen treibt, rät die Polizei zur erhöhter Wachsamkeit. «Die Frage nach einer Brandserie kann ich vielleicht beantworten, wenn die Ursachen geklärt sind. Erst dann lässt sich allenfalls erkennen, ob es zwischen den Vorfällen irgendwelche Übereinstimmungen gibt», sagt Kapo-Sprecher Heinz Pfeuti. «Nur keine Panik», sagt er und ruft die Bevölkerung dazu auf, das Augenmerk vermehrt auf Ungereimtheiten zu richten. «Es ist besser, wenn einmal zuviel als zu wenig die Polizei oder die Feuerwehr benachrichtigt wird.»

Im Zusammenhang mit den Bränden sucht die Kapo in Langnau Personen, die sachdienliche Hinweise geben können. Sie sollen sich mit ihr in Verbindung setzen; Telefon 034 424 77 61.