Meiereien

Transsibirische Meiereien – Busreiten in Ulan Bator

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

ANKUNFT IN ULAN BATOR, der Hauptstadt der Mongolei. Die Stadt wächst so schnell, dass keiner wirklich weiss, wie viele Menschen da inzwischen leben. 700000 sind registriert. Aber wahrscheinlich sind es weit über eine Million. Jedenfalls wird überall gebaut, häufig wild und abenteuerlich. Zwischen halb fertigen und fertig gestellten Gebäuden stehen auch überall noch Jurten. Sie gehören den frisch zugezogenen Nomaden, die aus der Steppe gekommen sind und sesshaft werden möchten, weil sie sich in der Stadt ein besseres Leben erhoffen. Und inmitten der ungezügelten Hektik ruhen die buddhistischen Klosteranlagen und Tempel.

DIE STRASSEN sind schlecht, der Verkehr irr und chaotisch. «Die Mongolen fahren so wild, wie sie ihre Pferde reiten», radebrecht der einheimische Guide grinsend. Der Busfahrer übertreibt aber seinen wilden Ritt. Er lässt kein Schlagloch aus; kein Überholmanöver ist ihm zu riskant, kein Signal zu rot. Es ist heiss, die Klimaanlage defekt und manche Passagiere sind ziemlich bleich. Plötzlich stoppt der Bus. Ein zweiter Bus kommt nach einigen Minuten. Die Fahrgäste steigen um - hier funktioniert die Klimaanlage, ein anderer Guide begrüsst und am Steuer sitzt jetzt ein Busfahrer und kein Busreiter. Zu verdanken ist dies einem clever und unauffällig reagierenden Reiseleiter.

AM ABEND wagen sich einige Mutige in den Ausgang. Es ist eine laue Spätsommernacht. Sie finden eine Musicbar mit einer philippinischen Band, die westliche Coverversionen spielt. Gegen Mitternacht kommt die Unwetterwarnung: Ein Schneesturm erreiche in den nächsten Stunden die Stadt. Die Bar wird deshalb sofort geschlossen, die Gäste stehen ungläubig auf der Strasse.

joerg.meier@azag.ch

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