Tränengas
Tränengasanschlag als Racheakt

Ein Türke gab einem Serben den Auftrag, in einem Bistro eine Tränengaspetarde explodieren zu lassen. Der Serbe tat wie ihm geheissen. Die Granate ging allerdings erst nach drei Tagen in die Luft. Gestern mussten sich beide vor Gericht verantworten.

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Bistro Vostadt

Bistro Vostadt

Solothurner Zeitung

Christian Fluri

5. November 2007: Dragan D.* traute sich nicht so recht. Eigentlich sollte er laut seinem Auftrag im Bistro Vorstadt an der Hauptbahnhofstrasse eine Tränengaspetarde explodieren lassen. Im Bistro angekommen, wurde ihm mulmig und er zog den Sicherungsstift am Griff des granatenähnlichen Dinges, steckte die Petarde in seine Jacke, liess diese liegen und ging aus dem Lokal ohne sich vom «Gelingen» seiner Aktion zu überzeugen.

Drei Tage später: Die Geschäftsführerin hatte die Jacke im Glauben, jemand hätte das Kleidungsstück liegen lassen, inzwischen an die Garderobe gehängt. Dass die Jacke einen höchst unangenehmen Gegenstand beinhaltete, war ihr natürlich nicht klar. Plötzlich explodierte die Tränengaspetarde. Resultat der um drei Tage verspäteten Explosion: Beträchtlicher Sachschaden und zwei verletzte - im Gerichtsjargon: in ihrer Gesundheit beeinträchtigte - Personen.

«Ich hatte noch nie mit so etwas zu tun und war mir über die Wirkung nicht im Klaren», sagte Dragan gestern vor Gericht. «Ich dachte, es sei so wie die kleinen Rauchbomben am 1. August - ich dachte es passiere nicht so viel.» Dragan fiel der Auftritt vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern unter dem Vorsitz von Frank-Urs Müller sichtlich schwer.

Der vorbestrafte 25-jährige IV-Rentner vergrub immer wieder sein Gesicht in seinen Händen. «Ich bereue meine Tat zutiefst und schäme mich sehr dafür», gab er zu Protokoll. Den Kontakt zu seinem alten Kollegenumfeld habe er aufgegeben. «Ich bin nur noch zuhause», sagte Dragan, der schon sechs Tage «Gefängniserfahrung» aufweisen kann.

Rache als Motivation

Wesentlich auskunftsfreudiger gab sich sein Auftraggeber Mustafa M.*, der zweite Angeklagte in diesem Prozess. «Mein Schwager, der das Bistro einmal führte, wurde bei der Geschäftsübergabe übers Ohr gehauen. Ich wollte einfach irgendwie Rache nehmen an den neuen Betreibern», erklärte der Türke seine Motivation, Dragan für den Tränengas-Job anzuwerben und dem Serben dafür 1000 Franken Belohnung anzubieten.

«Ich weiss nicht, welcher Teufel mich da geritten hat», erklärte er. Ebenfalls seiner Kenntnis oder Erinnerung entzog sich, woher er die Petarde hatte. «Irgendwo, wo es viele Menschen hatte. Vielleicht eine Demonstration in Zürich oder so.» Die versprochene Bezahlung blieb er Dragan übrigens teilweise schuldig. Bis heute habe er etwa 350 Franken bezahlt.

Dragans Anwalt Urs Studer machte geltend, wie kooperativ sich sein Mandant während den Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden gezeigt hatte. «Sein Motiv ist mir völlig schleierhaft. Wahrscheinlich war es die Verlockung des Geldes. Das war eine Kurzschlusshandlung. Weitere Delikte sind von Dragan nicht zu erwarten», argumentierte Studer. Das Urteil des Gerichts wird in den nächsten Tagen erwartet.

Namen von der Redaktion geändert