Schweinegrippe

Trainigsstopp wegen Schweinegrippe

Mittlerweile haben sich vier Junioren von Amicitia Riehen mit Schweinegrippe angesteckt. Bei Six United Laufen liegt ein Knabe zur Abklärung im Spital, während der SC Binningen noch keinen Fall verzeichnet. Alle Clubs waren an einem Turnier in Schweden.

Michael Nittnaus

«Alle Junioren, die am Gothia Cup in Göteborg letzte Woche dabei waren, beginnen erst am 3. August wieder zu trainieren», stellt Trainer Marcel Hennin vom FC Amicitia Riehen klar. Damit reagiert der Verein auf die mittlerweile vier bestätigten Schweinegrippe-Fälle seiner Junioren.

Zwei Amicitia-Teams der Jahrgänge 1991/92 kehrten am letzten Sonntag mit dem Mannschaftsbus aus Schweden zurück, wo sie am weltweit grössten Junioren-Fussballturnier, dem Gothia-Cup, teilgenommen hatten. «Bereits auf der Heimfahrt stellten wir Erkältungssymptome bei einem der Knaben fest. Noch am gleichen Tag brachten wir ihn ins Spital», erzählt Hennin. Tatsächlich hatte sich der Junior mit dem H1N1-Virus infiziert (bz von gestern).

Zwei unterdessen wieder fieberfrei

Hennin, der die Turnierteilnahme organisiert hatte, kann die Übertragungs-Ursache unmöglich eingrenzen. Am Gothia-Cup nahmen dieses Jahr nicht weniger als 35 000 Juniorinnen und Junioren teil. Über 1500 Mannschaften aus 61 Nationen fanden den Weg nach Göteborg. «Sorgen macht mir auch, dass viele Teams aus Übersee dabei waren, die in Europa gleich mehrere Turniere hintereinander besuchen», weiss Hennin. So fände gleich im Anschluss an Göteborg ein Turnier in Dänemark statt: «Die Gefahr der unkontrollierten Ausbreitung des Virus ist sicher immens.» Unterdessen sind zwei der vier Betroffenen wieder fieberfrei. Bei den anderen flaut die Grippe ebenfalls ab. Sie und ihre Familien bleiben aber noch mehrere Tage zu Hause.

Am selben Turnier nahmen aus der Region noch der SC Binningen und Six United Laufen teil. «Dienstag Abend bekam ich einen Anruf einer besorgten Mutter. Ihr Sohn ist nun wegen Grippesymptomen zur Abklärung im Spital», ahnt Alexander Allemann, Trainer der Laufner Junioren, nichts Gutes. Er werde mit der Clubleitung mögliche Massnahmen besprechen, sobald sich der Verdacht bestätigt. Das Problem: Eine der beiden Mannschaften, die nach Schweden gereist war, hatte bereits wieder Training.

Auch beim SC Binningen trainieren die 25 Turnierteilnehmer schon seit Montag wieder mit ihren daheimgebliebenen Clubkollegen. Besonders brisant ist dabei, dass drei Binninger im Bus der Riehener mitfuhren. «Amicitia informierte uns am Montag Abend von den Schweinegrippefällen. Die drei Betroffenen stehen seither unter besonderer Beobachtung», so Junioren-Obmann Thomas Bünter. Bis jetzt gäbe es aber in Binningen noch keinen Verdachtsfall.

Trainingsstopp für alle betroffenen Vereine sinnvoll

Dass in Laufen und Binningen trainiert wird, während in Riehen der Ball ruht, sieht die Basler Kantonsärztin Anne Witschi durchaus kritisch: «Amicitia Riehen hat sicher richtig reagiert. Ein Trainingsstopp wäre aber auch für die anderen beiden Vereine sinnvoll gewesen, da die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung sehr hoch sein dürfte.» «Wir erfuhren eben erst am Montag Abend von den Vorfällen. Jetzt ist es sowieso zu spät», verteidigt sich Bünter. Sollte bis Samstag aber doch ein Fall beim SC Binningen auftreten, so werde man das geplante Sonntagsspiel garantiert absagen.

Zwar stimmt Witschi dem Trainingsstopp zu, an anderer Stelle hätte sich Amicitia aber falsch verhalten: «Dass auch Kontaktpersonen der Schweinegrippe-Patienten zu Hause bleiben müssen, ist falsch. Nur Menschen mit Symptomen gehören in Quarantäne.» Die Pandemie könne nicht mehr verhindert werden. Es gehe nur noch um die Eingrenzung. Auch müsse man nicht zwingend einen Arzt aufsuchen. «Das ist nur für Schwangere, Kleinkinder, Betagte oder gesundheitlich angeschlagene Leute nötig», so Witschi. Dass die vier Junioren mit Tamiflu behandelt wurden, sei ebenfalls übertrieben. «Ausserdem erhöht man so die Gefahr der Resistenzbildung», warnt die Kantonsärztin.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1