Jetzt ziehen alle an einem Strang
Traditionsbeiz von Konkurs bedroht - Gäste sollen helfen

Der Wirtin in der Grenchner Traditionsbeiz steht das Wasser bis zum Hals. Bereits hätte sie schliessen müssen. Mit neuen Ideen will sie das Überleben des Quartiertreffpunkts mit den berühmten Pferde-Entrecôtes nun aber doch noch sichern.

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Solothurner Zeitung

Daniel Trummer

Im Juli wurde im Amtsblatt die vorläufige Konkursanzeige gegen die Inhaberin des Restaurants Helvetia publiziert. Ende August hätte Heidi Schmid den Betrieb fast schliessen müssen. Die meisten Grenchner waren entsetzt, nur einige Neider lachten sich ins Fäustchen. Doch Heidi Schmid gibt nicht einfach so auf. So konnte sie einen Teil der finanziellen Rückstände zurückzahlen, mithilfe von gutgesinnten Freunden und Stammgästen. Vor allem eines hat Schmid in den letzten Wochen gestört. «Die Leute reden hinter meinem Rücken statt mit mir direkt. Das ist schade», erklärt sie. Aber so sei das halt.

Bis Oktober bleibt das «Helvetia» sicher noch geöffnet. Später könnte Schmid das Restaurant zu günstigeren Konditionen als den bisherigen mieten. Das alles hängt aber davon ab, ob sie in den nächsten Wochen mit der Vermieterin einen Konsens findet. Beide Seiten scheinen an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert.

Voll in Jasserhand

Im Heimatbuch Grenchen von Werner Strub sieht der Eintrag trocken aus: «Das Restaurant Helvetia an der Kirchstrasse wurde von Adam Wyss gebaut.» Sicher ist, das die «Helvti», wie sie im Volksmund liebevoll genannt wird, seit Jahrzehnten eine bewährte Adresse ist. Arbeiter und Angestellte, Pensionierte und Selbstständigerwerbende treffen sich hier. Vor vielen Jahren hatte Uschi Focchi die gemütliche Wirtschaft Ecke Kirchstrasse/Däderizstrasse übernommen. Sie bekochte ihre Gäste währschaft und führte volkstümliche Abendunterhaltungen durch. Bei ihr hat Heidi Schmid im Service angefangen, bald schon war sie in der «Helvti» nicht mehr wegzudenken. Die versierte Fachfrau hat sich mit Weiterbildungen die Fähigkeit zum Führen eines Gastbetriebes erworben. Vor sieben Jahren hat sie die Beiz übernommen, den Bodenjass eingeführt und dem Kartenspiel Auftrieb gegeben. Oftmals ist die Beiz mit über 60 Sitzplätzen voll in Jasserhand.

Neues Konzept zur Rettung

Die unzimperliche, direkte Art der Wirtin wird von den meisten Gästen geschätzt. Es ist die Rauchergesetzgebung, die der Feierabendbeiz vor allem zugesetzt hat. Zwar hat Schmid ein Fumoir eingerichtet. Ehemals gemeinsam diskutierende Gäste sind nun aber durch eine Glasscheibe getrennt. Viele Gründe hätten zur Verschlechterung der finanziellen Situation geführt.

Jetzt soll ein neues Konzept Abhilfe schaffen. Heidi Schmid öffnet morgens ein wenig später und verzichtet mehrheitlich auf Aushilfspersonal. So soll der Turnaround erreicht werden. Die Stammkundschaft unterstützt sie in ihren Bestrebungen und hofft, dass sich die konzeptionellen Anpassungen auszahlen und dass die Konzeptänderung auch mit guter Kommunikation einhergeht, damit die schmucke Quartierbeiz an der Kirchstrasse wieder aufblühen kann.