Lukas Schumacher

Der Altstadt- und Herbstmarkt Bremgarten besticht durch seine Vielfalt. Das war heuer noch ausgeprägter der Fall als in den Vorjahren. Zwei Besonderheiten beflügelten das Markttreiben derart, dass die Besucherzahl laut Schätzung von Marktchef Walter Friedli rund 40 000 betragen haben dürfte: der weiter ausgebaute historische Handwerkermarkt in der Oberstadt und der spezielle Synesius-Festtag im Kirchenbezirk in der Unterstadt.

Ursprüngliches Handwerk

Nicht weniger als 77 der 350 Marktstände und somit mehr als ein Fünftel belegte der historische Markt. Gerber, Färber, Zimmerleute, Schmiede, Steinmetze und Waschweiber, die dreckige Wäsche nach alter Mütter Sitte reinigten, belebten den historischen Markt auf dem Schellenhausplatz und den hinteren Gassen der Oberstadt. Auch ein Papierschöpfer, ein Bierbrauer, ein Drucker, ein Wagner und viele Handwerkersleute mehr zeigten, wie ihr Metier anno dazumal vor sich ging. Zudem wirkte eine Gruppe des historischen Gotthelf-Märits aus Sumiswald mit.

Der historische Markt bereitete nicht nur den Erwachsenen Vergnügen. Auch Kinder kamen auf ihre Rechnung. Sie durften an mehreren Ständen werken. Zum Beispiel beim Gipsermeister, der extra eine Kinderwerkstatt eingerichtet hatte. Oder in einer grossen Freiluft-Schmiede unweit des «Stadtkellers», wo Kinder unter Anleitung und Betreuung eifrig hämmerten.

Grosser kirchlicher Festtag

Seit 356 Jahren steht das vierte Oktoberwochenende in Bremgarten im Zeichen des Synesius-Festes. Im August 1653 waren die Synesius-Reliquien von Rom nach Bremgarten überführt worden, wo Synesius als Augen- und Katakombenheiliger stark verehrt wird. Zur traditionellen Augensegnung kamen, wie jedes Jahr, mehrere tausend Gläubige aus nah und fern in die katholische Stadtkirche. Ein zweistündiger Festgottesdienst leitete den religiösen Kult am Samstagabend ein. Dabei weihte Bischof Martin Gächter die dreiteilige Bremgarter Ikone, welche von der Ostschweizer Ikonenmalerin Susanne Suler angefertigt worden war.

Grosse Kirchenmusik umrahmte das Fest. Unter der Leitung von Marco Castellini trug der Bremgarter Kirchenchor, gemeinsam mit herausragenden Instrumentalisten und einem illustren Gesangsquartett, die Nicolaimesse von Joseph Haydn vor. Ein eindrückliches Erlebnis für die Zuhörer in der voll belegten Kirche. Wer spät kam, musste mit einem Stehplatz vorliebnehmen. Neben Starsopranistin Maya Boog gehörten dem Solo-Gesangsquartett Olga Machonova (Alt), Andri Calonder (Tenor) und Michael Pavlu (Bass) an. Eine Kaffeestube, eine Reusswanderung und eine Ausstellung in der St.-Anna-Kapelle rundeten das Synesius-Fest ab.