Sulz
Totenglocke in Sulz läutet wieder

Seit Herbst 2009 ist das Totenglöcklein in Sulz verstummt - das Glockenseil war gerissen. Nach der Reparatur des Seils und der gleichzeitigen Renovation der Glocke führen jetzt acht Freiwillige die über 100-jährige Tradition zu Ehren der Verstorbenen weiter.

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Totenglocke läutet wieder

Totenglocke läutet wieder

Dieter Deiss

Nebst dem ordentlichen Geläute im Kirchturm der römisch-katholischen Kirche von Sulz befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite, direkt über dem Chor, ein kleines Türmchen mit der so genannten Totenglocke. Seit mehr als 100 Jahren wird diese Glocke jeweils beim Tod einer Einwohnerin oder eines Einwohners von Sulz geläutet. Während das grosse Geläute im Kirchturm längst elektrifiziert und computergesteuert ist, musste das Totenglöcklein immer noch von Hand betrieben werden.

Im Herbst 2009 versagte es aber plötzlich seinen Dienst – das Glockenseil war gerissen. Eine Abklärung durch Fachleute zeigte, dass die Glocke zudem durch den jahrzehntelangen Gebrauch renovationsbedürftig geworden war. Dazu musste die Glocke aber vom Türmchen geholt und in die Werkstatt geführt werden. Dabei wollte man die Gelegenheit nutzen und die Glocke elektrifizieren. Das Läuten wäre dadurch bedeutend einfacher geworden.

Verzicht auf Elektrifizierung

Der Kirchgemeindeversammlung wurde ein entsprechender Kredit beantragt. Aus der Mitte der Versammlung wurde dann aber vorgeschlagen, auf die Elektrifizierung zu verzichten und die Glocke weiterhin von Hand zu läuten. Spontan stellten sich ein paar Freiwillige für diese Aufgabe zur Verfügung. Nachdem die Kirchenpflege über die damit zu erzielenden Ersparnisse nicht unglücklich war, verzichtete man auf die Modernisierung.

In diesen Tagen wurde nun die renovierte Glocke mittels eines Spezialkrans wieder an ihren Platz im Türmchen gehisst. In der Werkstätte waren die Lager und die Zugvorrichtung erneuert worden. Zudem erhielt die Glocke einen neuen Klöppel. Gleichentags wurden die acht freiwilligen Sulzer Glöcknerinnen und Glöckner zu einer In-
struktion und zum Probeläuten aufgeboten.

Die Kunst des Läutens

Urs Schraner, ehemaliges Mitglied der Kirchenpflege, seinerzeit vom langjährigen Sulzer Pfarrer Josef Schlienger in das Metier des Läutens eingeführt worden, gab den Anwesenden manch wertvollen Tipp. Es zeigte sich nämlich, dass das Läuten des Totenglöckleins gar nicht so einfach ist. Es genügt nämlich nicht, einfach möglichst kräftig am Seil zu ziehen. Vielmehr muss man sich den Schwingungen der Glocke anpassen und es ist wichtig, im richtigen Moment zu ziehen, um der Glocke den nötigen Schwung zu verleihen. Damit der Klöppel gegen die Glocke schlägt, muss diese bei jedem Schwung kurz abgebremst werden.

Ab sofort wird bei einem Todesfall in Sulz die Totenglocke wieder erklingen. Die Glocke wird jeweils während rund dreimal zwei Minuten ertönen. Zwischen den drei Geläuten wird eine kurze Pause eingeschaltet. Damit wird dieser alte Brauch zu Ehren der Verstorbenen im bisherigen Sinne weitergeführt. Unverändert bleibt übrigens auch die Tradition, dass man am Tage der Beerdigung den Verstorbenen «ins Grab läutet». An diesen Tagen erklingt jeweils zu Ehre der Verstorbenen morgens um 6 Uhr das volle Glockengeläute der Kirche.