Turm
Tote Brut im Langenthaler Kadisilo

Acht junge Turmfalken konnte der Natur- und Vogelschutz Rütschelen/ Bleienbach/Lotzwil in der Pumpstation Bleienbach und beim Bahnhof Lotzwil beringen. Den Schleiereulen hingegen hat der harte Winter zugesetzt.

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Falken

Falken

Solothurner Zeitung

Betty Ott-Lamatsch

Im Nistkasten an der Pumpstation Unterdorf in Bleienbach, wo vor einem Jahr in Bleienbach Schleiereulen genistet hatten, entdeckte Hans Gilgen, Präsident des Vogel- und Naturschutzes Rütschelen/Bleienbach/Lotzwil, nun neben einer toten Schleiereule ein Gelege von Turmfalken. Die Eule wurde aus dem Nistkasten entfernt. Anhand des Rings konnte eruiert werden, dass es sich bei dem Tier um eine der Eulen handelte, die hier vor einem Jahr beringt worden waren.

Kampf gegen Hunger und Kälte

Zwar freute Gilgen der zu erwartende Nachwuchs von Turmfalken, aber die tote Eule stimmte ihn auch nachdenklich, denn der harte und lange Winter hatte den heimischen Greifvögeln zugesetzt. Die Schleiereule dürfte den Kampf gegen Hunger und Kälte wie weitere Artgenossinnen deshalb nicht überlebt haben, weil sie anders als der Turmfalke ein standorttreuer Vogel ist. «Wir vermuten gebietsweise einen Rückgang der Brut von bis zu 40 Prozent und mehr», meint Martin Leuenberger, freier Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach und geprüfter Beringer für die Region Emmental/Oberaargau.

Diese Feststellung widerspiegelt sich auch in den Beobachtungen der ansässigen Vogelfreunde. So konnten Karl Steiner und Ueli Marti, beide Mitglieder des Vereins für Vogelkunde und Vogelschutz in Langenthal, dieses Jahr noch keine Schleiereulenbrut registrieren. Auch bei Peter Hasler aus Rütschelen, wo sonst regelmässig Schleiereulen zu Hause sind, bestätigte diese traurige Beobachtung.

Einen herben Rückschlag mussten die Langenthaler zudem im Nistkasten beim Kadisilo einstecken. Die gesamte Brut des dort noch vor wenigen Tagen beobachteten Turmfalkenpaares war tot. Vier Junge, geschätzte zwei bis drei Tage alt, und ein Ei lagen verlassen im Nistkasten. Aus welchem Grund auch immer konnten die Altvögel ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen, so dass die Natur ihren Verlauf nahm und die Jungen hilflos verhungern mussten.

Umso grösser war nun die Anspannung in Bleienbach, als dort der Nistkasten bei der Pumpstation geöffnet wurde. Wohl hörte man die Rufe der Jungvögel, aber wie viele waren dort zu Hause? Wie war deren Zustand? Nach einem ersten Foto wurde die Neugierde der Anwesenden befriedigt: fünf Turmfalken schauten erstaunt in die Gesichter der faszinierten Beobachter.

Turmfalken stellen sich nicht tot

Anders als bei den Schleiereulen, die sich bei einer Beringungsaktion vornehmlich tot stellen, war es hier nicht möglich, die Vögel aus den Händen der Fachmänner zu geben. Geschickt und sicher beringten Martin Leuenberger und sein Helfer Peter Kohler die Tiere. Ein Vorgang übrigens, der für die Vögel völlig schmerzfrei ist - und auch das Tragen des Rings wird später nicht stören.

«Diese Jungvögel sind jetzt gut 15 Tage alt», so Leuenberger «und ganz sicher einfacher zu beringen, als jene drei anfangs Juli in Lotzwil, die kurz vor dem Ausflug beringt worden sind.» Vom Schlüpfen bis zum Verlassen des Nestes werden die Jungen einen Monat lang von den Alten gefüttert. Anders als hier in Bleienbach, wo sich deren Federkleid erst abzuzeichnen beginnt, hatte man es im Nachbardorf mit fast ausgewachsenen Greifvögeln zu tun.

Spektakuläre Aktion in Lotzwil

«Spannend war die Beringungsaktion in Lotzwil auch deshalb, weil der Nistkasten beim Bahnhof nur dank der Feuerwehr Lotzwil erreicht werden konnte», sagte die Bleienbacherin Christine Hofmann, die mit ihren Kindern die Begeisterung für die gefiederten Freunde teilt.

Während die fünf Jungen wieder in den Nistkasten zurückgelegt wurden, kreisten in sicherem Abstand bereits deren Eltern. Die Hauptnahrung der tagaktiven Turmfalken besteht aus Mäusen - aber auch Grossinsekten, Eidechsen und kleinere Vögel werden gerne verspiesen. «So wollen wir uns nun zurückziehen, damit die Jungen heute noch einmal gefüttert werden können», meinte Leuenberger. So kehrte das Publikum mit vielen neuen Eindrücken heim, wo es zum Znacht hoffentlich keine Mäuse gab.

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