Der Wetterfotograf Andreas Walker war zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Am Samstag braute sich über dem Seetal ordentlich etwas zusammen. Plötzlich kam Bewegung in die dunklen Wolken und ein bedrohlicher Rüssel senkte sich aus dem Gewitterhimmel Richtung Erdboden. Der Meteo-Fotograf war sich sicher: Er wurde gerade Zeuge eines waschechten Ansatzes eines Tornados.

So faszinierend die Bilder des Hallwiler Fotografen waren, so sorgten sie wohl bei manchem Betrachter auch für ein etwas mulmiges Gefühl. Mancher fragte sich: Müssen wir uns in unseren Breitengraden an Tornados gewöhnen?

Nur einen Tag, nachdem die az die eindrücklichen Bilder aus dem Aargauer Seetal veröffentlichte, meldete sich Christian Matthys über Twitter zu Wort. Der passionierte Tornado-Forscher und bekannte «Stormchaser» ist überzeugt: Das Spektakel über dem Seetal war weder ein Tornado noch könne man sicher sein, ob es sich um einen Ansatz eines solchen handelte.

Beim eindrücklichen Wetter-Phänomen könne es sich genauso gut um eine sogenannte «Scud Cloud» handeln. Das sind zerfetzte Wolkenteile, die sich zu einer zusammenhängenden Schicht vereinen und dann unterhalb einer Wolke den Anschein eines «Tornado-Rüssels» machen können. 

Auch eine «Funnel Cloud», also eine Trichterwolke, schliesst Matthys nicht aus. Dabei handelt es sich um den sichtbaren Teil einer rotierenden Luftsäule. Im Gegensatz zum Tornado bezeichnet eine Trichterwolke nicht den kompletten Wirbel, sondern nur dessen sichtbaren Teil. Erst wenn ein solcher Trichter Bodenkontakt aufgenommen hat, spricht man von einem Tornado. 

Ob Tornado oder doch nur eindrückliche Wolkenbildung: Das Wetterphänomen über dem Aargauer Seetal ist faszinierend anzuschauen und zeigt einmal mehr, wie gewaltig sich die Natur zuweilen zeigt.