von Peter Rombach

Als vor etwas mehr als zwanzig Jahren die Dachkonstruktion zwischen Zollgebäude und Hotel Schiff ausnahmsweise genehmigt wurde, hagelte es Proteste. Speziell der Heimatschutz sprach von einer Verschandelung der Altstadt, von einem hässlichen Fremdkörper.
Doch die Staatsgewalt obsiegte, weil sie ihre Diener an der Grenze vor Witterungseinflüssen besser schützen wollte. Allerdings enthielt die Baugenehmigung eine klare Auflage: Sobald die Zollverwaltung keinen Bedarf mehr hat, muss das Dach abgebaut werden, um den historischen Stadtkern wieder besser zur Geltung zu bringen.

Keine Verkaufspläne

Dieser Zeitpunkt ist gekommen. Ende April rückt ein Abbruchunternehmen an. Diesen Termin bestätigte Sergio Maset, stellvertretender Leiter des Immobilien-Centers in der Zollkreisdirektion Basel. Das ehemalige Zollgebäude steht auf keiner Verkaufsliste und bietet weiterhin Dienstwohnungen für Angehörige des Zoll.

Im Erdgeschoss erhält die Grenzwache noch einen kleinen Stützpunkt, weil es an der alten Rheinbrücke auch in Zukunft sporadisch Personenkontrollen gibt. Laut Maset ist ferner daran gedacht, die ehemaligen Abfertigungs- und Lagerräume umzubauen, im Zuge der Sanierung also eine Gewerbefläche zu schaffen, beispielsweise für Praxen oder Büros.

Auf der deutschen Seite bleibt das Schutzdach, 1985 errichtet, vorerst noch. Derzeit ist werktags von 9 bis 19 Uhr ein Zollbeamter vor Ort, um Service-Leistugnen zu erbringen, wobei es sich hauptsächlich um die Bestätigung der Ausfuhrkassenzettel handelt, damit Schweizer die in Deutschland bezahlte Mehrwertsteuer zurückerstattet bekommen.

Dieser «Dienst am Kunden» sei mit der badischen Stadt Rheinfelden «bis März 2010 verbindlich abgesprochen», erläuterte Markus Ückert, Medienreferent beim Hauptzollamt Lörrach. Über die weitere Besetzung könne momentan noch nichts gesagt werden. Das ehemalige Zollamt, 1956 gebaut, 1969 saniert und 1981 durch eine Revisionsgarage erweitert, werde übrigens unregelmässig von Patrouillen angefahren, «da wir noch einen Kontroll- und Überwachungsauftrag haben.»

Zollhauszukunft ungewiss

Die Liegenschaft gehört allerdings nicht mehr dem Zoll, sondern der deutschen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Markus Ückert: «Diese Behörde wird dann zu gegebener Zeit über die weitere Zukunft des Gebäudes entscheiden.» Dies betreffe auch das Schutzdach, dessen Abriss vorerst nicht zur Diskussion stehe. Die Zollverwaltung sei bezüglich Lösungen oder anderweitiger Verwendung «offen und gesprächsbereit».

Im badischen Rathaus werden derzeit Pläne diskutiert, die Rheinbrückstrasse attraktiver zu gestalten und den direkten Zollbereich als «Tor zur Schweiz» städtebaulich aufzuwerten. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich die Energiedienst AG aus ihrem Bürokomplex (ehemals Kraftübertragungswerke) an der Rheinbrückstrasse verabschieden und einen Neubau im Gewerbegebiet Schildgasse beziehen möchte.

Strassensanierung in Etappen

Auf Schweizer Seite steht der Entwicklungsrichtplan «Schifflände», die Habich-Dietschy-Strasse kann neu gestaltet werden. Dies erfolgt allerdings nicht auf einen Rutsch, sondern in drei Etappen, wie an der Sommergemeinde vor einem Jahr deutlich wurde, als der Souverän die entsprechenden Kreditanträge genehmigte. Aus Sicht des Gemeinderats ist dieses Projekt «wesentlicher Bestandteil der Innenstadt-Entwicklung», womit er bereits weiter ist als die badischen Nachbarn. Schon in der Planungsphase herrschten keine Zweifel, dass die Zufahrten zur Schifflände, zum Rheinparking sowie zu den Gebäuden und Geschäften der Altstadt auch künftig gewährleistet sein müssen.

Die erste Etappe der Strassensanierung, also zwischen ehemaligem Zollbereich und alter Stadtmauer, wird voraussichtlich im Mai in Angriff genommen. «Die Ausschreibungen laufen», bestätigte Bauverwalter Franz Ressnig. Budgetiert ist das Vorhaben mit 1,17 Millionen Franken.

Vorgesehen ist, die Pflästerung von der Altstadt durch die Frösch-weid weiterzuführen. Die Stadtplaner erhoffen sich dadurch, das historische Ensemble aufzuwerten und optisch zu vereinen, nachdem die alte Rheinbrücke für den Individualverkehr geschlossen ist.

In einem nächsten Schritt erhält die Schifflände ein neues Aussehen. Der Kredit über 695 000 Franken ist bereits gesprochen. Mit rund einer Million Franken ist dann noch der Abschnitt bis zur Baslerstrasse budgetiert. Die durch den Kanton zu finanzierende Sanierung der alten Rheinbrücke könnte 2010 Wirklichkeit werden.