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Tonnenschwere Sisyphusarbeit

Laub, das von den Strassen zusammengewischt wird, kommt in den Sondermüll. In der Stadt Solothurn kehren die Werkhof-Mitarbeiter jeden Herbst mehr als 230 Tonnen Laub zusammen. Eine saisonale Sisyphusarbeit.

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Laub

Laub

Oliver Menge

Astrid Bucher

Ein monotones, surrendes Geräusch ist zurzeit an allen Ecken der Stadt zu vernehmen. Es sind die Laubbläser oder die Putzmaschinen, die von Männern in orangen Overalls bedient werden. Überall sind die Werkhof-Angestellten zurzeit mit dem Wegputzen der gefallenen farbigen Blättern beschäftigt. Strassen und Trottoirs sind überzogen mit - je nach Wetter - einer matschiger Pampe oder einem raschelnden Haufen von Laub. Herbst ist die Jahreszeit, in der die grösste Menge an Grünabfällen anfällt. Am Beispiel der Stadt Solothurn versuchen wir zu verfolgen, was mit dem Laub - nachdem es zu Boden gefallen ist - passiert.

Doppelt so viel Arbeit im Herbst

Wenns «laubet», wie die Werkhofmitarbeiter im Fachjargon sagen, brauchen die Putzequipen und die Stadtgärtner

Lärmige Dreckschleudern?

Immer wieder hört man davon, dass Laubbläser lärmige, gesundheitsschädigende Dreckschleudern sind. Sie wirbeln alles, was vors Blasrohr kommt, durch die Luft: Nebst Laub auch Dreck und Abfall, der auf der Strasse liegt. Zudem stossen die mit herkömmlichem Zweitaktgemisch betriebenen Benzin-Laubbläser eine Unmenge an Benzol aus, das als krebserregender Stoff gilt. Der verursachte Lärm ist nur ein weiterer Negativpunkt. Mit einem Laubbläser ist die Arbeit aber rascher verrichtet als mit Schaufel und Besen, und auch verwinkelte Ecken sind zu erreichen. Das Sparpotenzial an Geld und Zeit ist hoch. Gesundheit- und Umweltschutz geraten aber ins Hintertreffen. Unnötig - da liegen gebliebenes Laub auch eine ökologische Funktion hat - ist der Einsatz eines Laubbläsers in Privatgärten. Als Alternative zum benzinbetriebenen Laubbläser gibts unterdessen auch umweltfreundlichere Elektrogeräte auf dem Markt. (abs)

Es gibt zweierlei «Sorten» Laub

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen sauberem Laub (Grüngut), das aus den Gärten und Parkanlagen stammt, und den verschmutzten Blättern entlang der Strassen. Das saubere Grüngut kommt in die Kompostieranlage nach Bellach und wird als wertvoller Dünger wiederverwertet. Wegen Anteilen von Feinstaub und Strassenschmutz muss das entlang den Strassen zusammengekehrte Laub dem Sondermüll zugefügt werden. Es wird an diversen Sammelstellen - zum Beispiel im Kreuzackerpark - deponiert und jeden Mittwoch nach Luterbach an die Entsorgungsstelle SGO (Vigier Region Solothurn Gäu Oberaargau) zur Zwischenlagerung gebracht. «Im vergangenen Jahr haben wir 230 Tonnen Laub nach Luterbach geliefert», zeigt Jeker auf. «Wie viel Laub aus den Gärten an die Kompostieranlage geliefert wird, halten wir nicht fest.» Von Luterbach gelangt das Laub in die Reaktordeponie (RAD) in der Allmend in Härkingen. Hier werden Abfälle gelagert, die aufgrund eines geringen organischen Anteils noch eine biologische Reaktion hervorrufen können oder bei denen die Gefahr der Auswaschung von Schadstoffen besteht.

Zuständigkeiten sind klar geregelt

Wo das Laub gekehrt wird, dafür sind von Stadt und Kanton klare Regelungen vereinbart worden. Für die Gemeindestrassen ist die Stadt zuständig, für die Kantonsstrassen der Kanton. «Bis auf die Westumfahrung erledigen wir auch die Reinigung von Kantonsstrassen, die auf Stadtgebiet liegen», sagt Jeker. Dazu gehört beispielsweise die Weissensteinstrasse. Diese Dienstleistung wird anschliessend in einer Pauschalen abgerechnet.

Ein weiteres Thema - das oft in Vergessenheit gerät - ist der Aspekt der Sicherheit. «Nasses Laub ist glitschig wie Schmierseife», zeigt Jeker die Ausgangslage auf. «Wenn jemand darauf ausrutscht, appellieren wir an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Schliesslich ist es uns unmöglich, überall gleichzeitig zu reinigen», spricht Jeker aus Erfahrung. Beschleunigt werden könne diese Arbeit einzig durch den Frost, dann fallen die Blätter nämlich sofort von den Bäumen. Gleichzeitig steht damit aber der Schnee vor der Tür und mit der Schneeräumung beginnt eine weitere Arbeit im Jahreszyklus der Werkhof-Angestellten.