Astrid Bucher

Ein monotones, surrendes Geräusch ist zurzeit an allen Ecken der Stadt zu vernehmen. Es sind die Laubbläser oder die Putzmaschinen, die von Männern in orangen Overalls bedient werden. Überall sind die Werkhof-Angestellten zurzeit mit dem Wegputzen der gefallenen farbigen Blättern beschäftigt. Strassen und Trottoirs sind überzogen mit - je nach Wetter - einer matschiger Pampe oder einem raschelnden Haufen von Laub. Herbst ist die Jahreszeit, in der die grösste Menge an Grünabfällen anfällt. Am Beispiel der Stadt Solothurn versuchen wir zu verfolgen, was mit dem Laub - nachdem es zu Boden gefallen ist - passiert.

Doppelt so viel Arbeit im Herbst

Wenns «laubet», wie die Werkhofmitarbeiter im Fachjargon sagen, brauchen die Putzequipen und die Stadtgärtner

doppelt so lange, bis sie ihre Tour durch jeden Park und jede Strasse der Stadt erledigt haben. «Innerhalb von fünf Arbeitstagen haben wir normalerweise die ganze Stadt gereinigt, zurzeit sind dafür zehn Arbeitstage nötig», sagt Peter Jeker, stellvertretender Chef des Werkhofs Solothurn. Zu tun gibts im Werkhof aber das ganze Jahr hindurch. Patrick Schärer ist seit drei Wochen neuer Chef des Solothurner Werkhofs und befindet sich in der Einarbeitungsphase. Er wird von Jeker in die Geheimnisse der jährlich wiederkehrenden Arbeiten der insgesamt 42 Werkhof-Angestellten eingeführt. Für die Reinigung stehen neun Mann zur Verfügung, zudem sind acht Männer als Gärtner angestellt. Beide werden im Herbst fürs «Lauben» eingesetzt. «Das Laub zusammenkehren ist eine regelrechte Sisyphusarbeit», spricht Jeker aus Erfahrung. «Unsere Arbeiter sehen jeweils im Rückspiegel der Putzmaschine, wie das Laub hinter ihnen auf die soeben geputzte Strasse fällt.» Die Equipen der Stadt Solothurn arbeiten mit Besen, Schaufeln und Handwagen, aber auch mit Laubbläsern und zwei Putzmaschinen - einer grossen für Strassen und einer für Trottoirs.

Es gibt zweierlei «Sorten» Laub

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen sauberem Laub (Grüngut), das aus den Gärten und Parkanlagen stammt, und den verschmutzten Blättern entlang der Strassen. Das saubere Grüngut kommt in die Kompostieranlage nach Bellach und wird als wertvoller Dünger wiederverwertet. Wegen Anteilen von Feinstaub und Strassenschmutz muss das entlang den Strassen zusammengekehrte Laub dem Sondermüll zugefügt werden. Es wird an diversen Sammelstellen - zum Beispiel im Kreuzackerpark - deponiert und jeden Mittwoch nach Luterbach an die Entsorgungsstelle SGO (Vigier Region Solothurn Gäu Oberaargau) zur Zwischenlagerung gebracht. «Im vergangenen Jahr haben wir 230 Tonnen Laub nach Luterbach geliefert», zeigt Jeker auf. «Wie viel Laub aus den Gärten an die Kompostieranlage geliefert wird, halten wir nicht fest.» Von Luterbach gelangt das Laub in die Reaktordeponie (RAD) in der Allmend in Härkingen. Hier werden Abfälle gelagert, die aufgrund eines geringen organischen Anteils noch eine biologische Reaktion hervorrufen können oder bei denen die Gefahr der Auswaschung von Schadstoffen besteht.

Zuständigkeiten sind klar geregelt

Wo das Laub gekehrt wird, dafür sind von Stadt und Kanton klare Regelungen vereinbart worden. Für die Gemeindestrassen ist die Stadt zuständig, für die Kantonsstrassen der Kanton. «Bis auf die Westumfahrung erledigen wir auch die Reinigung von Kantonsstrassen, die auf Stadtgebiet liegen», sagt Jeker. Dazu gehört beispielsweise die Weissensteinstrasse. Diese Dienstleistung wird anschliessend in einer Pauschalen abgerechnet.

Ein weiteres Thema - das oft in Vergessenheit gerät - ist der Aspekt der Sicherheit. «Nasses Laub ist glitschig wie Schmierseife», zeigt Jeker die Ausgangslage auf. «Wenn jemand darauf ausrutscht, appellieren wir an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Schliesslich ist es uns unmöglich, überall gleichzeitig zu reinigen», spricht Jeker aus Erfahrung. Beschleunigt werden könne diese Arbeit einzig durch den Frost, dann fallen die Blätter nämlich sofort von den Bäumen. Gleichzeitig steht damit aber der Schnee vor der Tür und mit der Schneeräumung beginnt eine weitere Arbeit im Jahreszyklus der Werkhof-Angestellten.