Tödlich abgestürzte Alpinisten stammen aus Frick
Tödlich abgestürzte Alpinisten stammen aus Frick

Das Aargauer Ehepaar, das zusammen mit seiner 19-jährigen Tochter am Steinlauihorn oberhalb von Guttannnen BE tödlich abgestürzt ist, stammt aus Frick. Die Absturzursache ist weiterhin unklar.

Merken
Drucken
Teilen
Bergsteiger

Bergsteiger

Maja Sommerhalder

Es ist neblig, als Andreas (51), Claudine (50) und Simone (19) am Dienstag bei Tagesanbruch die unbewartete Grubenhütte oberhalb des Dorfes Guttannen im Berner Oberland verlassen. Im Hüttenbuch hat die Familie aus Frick das Ziel ihrer Klettertour eingetragen: das Steinlauihorn auf 3162 Meter Höhe. 650 Höhenmeter liegen vor ihnen; bis zum Gipfel dauert es etwa vier Stunden.

Nicht zum ersten Mal sind das sportliche Ehepaar und ihre Tochter in diesem Gebiet unterwegs. Sie gelten als erfahrene Bergsteiger - Mutter Claudine ist aktives Mitglied im Turnverein und Lehrerin; Vater Andreas ist gar Tourenleiter beim Schweizer Alpen-Club (SAC). Entsprechend gut sind sie auch ausgerüstet. Mit Seil, Pickel, Klemmteil und Kletterfinken sind sie unterwegs - Gegenstände, die für ihr Vorhaben unabdingbar sind. Die alpine Klettertour ist zwar nicht sehr anspruchsvoll, aber ausgesetzt und ziemlich brüchig. Drei gängige Routen führen zum Gipfel, welche davon die Familie genommen hat, ist unklar.

Schwierige Suchaktion

Sicher ist aber, dass Andreas, Claudine und Simone am Dienstagabend nicht wie vereinbart
in die Grubenhütte zurückkehren. Ein anderer Bergsteiger, der vom Vorhaben der Familie weiss, schlägt Alarm - die Rettungsflugwacht und Gebirgsspezialisten der SAC-Rettungsstationen Oberhasli und Interlaken nehmen die Suche nach den Vermissten auf.

Dicker Nebel verdeckt jedoch in dieser Nacht die Sicht, der Suchtrupp kann erst am nächsten Morgen weitermachen. Doch auch am Mittwoch werden sie nicht fündig, die Armee muss helfen. Diese fliegt in der Nacht auf Donnerstag mit einem Helikopter, der mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, über das Gebiet. «Wir haben wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft», sagt Fritz Teuscher, stellvertretender Rettungschef des SAC Oberhasli. Er war bei der Suchaktion von Anfang an dabei: «Eine Person wurde sogar mit der Helikopterrettungswinde hinuntergelassen, um nach den Vermissten zu suchen.»

Am Donnerstagmorgen schliesslich hat der Suchtrupp die traurige Gewissheit: Vater, Mutter und Tochter sind tot. Wie die bisherigen Ermittlungen ergaben, war die Dreierseilschaft am Dienstag kurz nach dem Einstieg in den Grat abgestürzt. Sie rutschten 70 Meter weit durch ein Couloir gegen den Golegg-Gletscher. Dort fielen sie in einen Gletscherschlund, linkerhand des Grates zum Steinlauihorn unter Firn. Einfach war die Bergung der drei Leichen für die Rettungskräfte nicht, wie Fritz Teuscher erklärt: «Es herrschte grosse Steinschlaggefahr.»

Waren sie leichtsinnig?

Warum die Dreierseilschaft abgestürzt ist, ist derzeit unklar. Laut Tele M1 vermuten aber die Untersuchungsbehörden, dass die drei Alpinisten aus Frick den falschen Einstieg in den Grat erwischt haben. Die Ermittlungen gehen zumindest in diese Richtung.

Fritz Teuscher vom Rettungstrupp will dazu keine Stellung nehmen. Er kann sich das Unglück nicht erklären: «Es passiert in diesem Gebiet eigentlich selten etwas.» Doch waren Vater, Mutter und Tochter nicht unvorsichtig, weil sie bei Nebel aufgebrochen sind? Teuscher verneint: «Das ist nicht ungewöhnlich. Sie dachten wohl, dass sich der Nebel noch auflösen werde.» So oder so: Zu Hause in Frick hinterlassen die Verunglückten eine grosse Lücke und einen 16- und einen 21-jährigen Sohn. Sie werden derzeit von einem Care-Team betreut.