SCL Tigers
Tigers-Tempel ist vom Tisch

Seit Burgdorf aus dem gemeinsamen Eishallen-Projekt ausstieg gings mit dem Vorhaben zum Bau eines neuen Tempels für die SCL Tigers nur noch bergab. Nachdem der Kanton nun auch noch die Sportfondsbeiträge kürzte, müssen die Langnauer ihr Stadion-Neubauprojekt definitiv beerdigen.

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Berner Rundschau

Samuel Thomi

«Pläne für Eisstadion auf dem Zeughausareal Langnau werden nicht weiterverfolgt.» Ein paar Jahre länger als oft erwartet hats zwar gedauert, bis dieser Titel gestern über einer Medienmitteilung das definitive Aus für das Eishallen-Neubauprojekt im oberen Emmental verkündete. Burgdorfs früherer Stadtpräsident Franz Haldimann sollte mit seiner Aussage - die ihm damals Emme aufwärts alles andere als Freunde bescherte - also schliesslich Recht behalten: «Wenn wir eine neue Eishalle wollen, müssen wir diese alleine in Angriff nehmen», sagte er 2006 im Stadtrat.

Blick auf die Zeit davor: Die Vision vor gut zehn Jahren war weit ambitiöser. Den Schwung aus dem Aufstieg der SCL Tigers in die Nationalliga A wollte man nutzen, um dringend benötigte zusätzliche Eisflächen in der Region zu bauen. Östlich von Bern sollte das «neue Mekka des Ice Hockeys» entstehen, wie Hans Grunder einst den Traum umschrieb. Nebst dem Sportzentrum Huttwil zählte man als dritten Hockey-Standort Hasle-Rüegsau dazu. Dessen lokale Eisbahn-Aktiengesellschaft aber hat sich inzwischen aus eigenen Mitteln ein Dach übers Eisfeld gebaut. Das Geschäft mit der neuen Halle scheint zu florieren. Und Huttwil entwickelte sich auch autonom von Grunder.

Stadion Kirchberg rasch vom Tisch

Ein erster herber Dämpfer erlitten die hochfliegenden Pläne der SCL Tigers, als das Vorhaben des Clubs publik wurde, mit dem Hockey-Unternehmen an die Autobahn in Kirchberg ziehen zu wollen. Die Vorsitzenden erhofften sich dadurch mehr Umsatz - die Rechnung hatten sie aber ohne die vielgelobte Tigers-Familie gemacht. Die Idee kam beim konservativ-ländlichen Publikum nicht gut an. Und musste entsprechend kurz später wieder fallen gelassen werden.

Umgekehrt erging es darauf den Langnauern. Weil deren Finanzierung und Planung kaum voranschritt entschied sich Burgdorf, aus dem Vorhaben zur gemeinsamen Realisierung von zwei Eishallen in Langnau und der Emmestadt vorzeitig zu verabschieden. Treibende Kraft hinter dem Alleingang: Franz Haldimann. Der Unterlegene: Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Grunder, damals SCL-Chef - «Vater» und Promotor des gemeinsamen Projekts. Doch als der kurz darauf in den Nationalrat gewählte Grunder (zusammen mit Haldimann) aus Protest die SVP verliess und Präsident der neuen BDP Schweiz wurde, verlor das Eishallen-Projekt im SVP-Stammland zusehends an Rückhalt. Schliesslich gab Grunder die SCL Tigers im letzten Sommer denn auch ab.

Während die alte, abbruchreife und nicht mehr bewilligungsfähige Eisbahn in der Burgdorfer Buchmatt durch eine neue Halle bis Herbst 2010 noch knapp rechtzeitig wird ersetzt werden können, steht Langnau nun (fast gänzlich) vor dem Scherbenhaufen. Wie die Verantwortlichen gestern mitteilten, haben sie die Arbeiten am 33-Millionen-Projekt per sofort eingestellt. «Grund dafür bilden die sich in den letzten Monaten nochmals verschlechterten Perspektiven für eine erfolgreiche Finanzierung», heisst es in der Mitteilung.

Gemeinde hält weiter zu Tigers

Dem Vorhaben den Todesstoss versetzt haben dürfte demnach der Umstand, dass der kantonale Sportfonds wegen akuter Sanierungsbedürftigkeit seine Beitragshöhe auf noch maximal 2 Millionen Franken pro Projekt (oder 20 Prozent der anrechenbaren Kosten) reduziert hat (vergleiche dazu die gestrige Ausgabe). In Langnau ging man jedoch von einem Beitrag von bis zu 10 Millionen Franken an den Stadionneubau aus. Die Standortgemeinde, die SCL Tigers AG sowie die Interessengemeinschaft Sporthallen AG (ISAG) begründen den Planungsverzicht aber auch mit zahlreichen weiteren Rückschlägen. So musste Langnau nach dem neuerlichem Neustart der Eishallen-Planung letzten Frühling mit einer Dreifachturnhalle über dem Trainings-Eis (wir berichteten) statt ins Bauprojekt quasi notfallmässig in den Heimverein investiert werden - die SCL Tigers AG ihrerseits zahlte derweil (logischerweise) nicht wie vereinbart ihren Anteil in die neue Eis- und Sportzentrum Langnau AG ein. Stattdessen musste der Grosse Gemeinderat im August 2009 in einer bisher einmaligen Aktion 800 000 Franken als zinsloses Darlehen an den Club bewilligen - um ihn vor dem Aus zu retten.

Nicht zuletzt läuft Ende Jahr der Kaufrechtsvertrag zwischen Bund und Gemeinde für das Zeughausareal aus. Bis spätestens da hätte eine Baubewilligung vorliegen müssen, damit die Gemeinde vom Vorzugspreis des Bundes profitiert hätte. Der Bund kann das zentral gelegene Areal jetzt also neu (und ziemlich sicher auch teurer) verkaufen.

Die Langnauer aber geben nicht ganz auf. Nach dem definitiven Aus für einen Neubau wollen sie nun die Sanierung der bisherigen Ilfishalle angehen. Die Gemeinde will sich auch daran beteiligen. Und sie sucht für die Dreifachach-Turn- und -Sporthalle einen neuen Standort.