Die Bärenfamilie im Berner Tierpark Dählhölzli bleibt zusammen. Das haben die Verantwortlichen entschieden - obwohl sie nicht ausschliessen können, dass Bärenvater Mischa auch noch den zweiten Jungbären tötet.

Der kleine "Bär 4" sei wohlauf, berichtete der Tierpark am Donnerstag. Er habe am Mittwochabend einen selbständigen Abendspaziergang "im Angesicht von Mischa" unbeschadet überstanden. "Wie es weitergeht, entscheiden die Bären." In jedem Fall werde der Bärenvater sterilisiert.

Rätseln über Beweggründe

Mischa hatte am Mittwoch eines seiner beiden Jungen - "Bär 3" - getötet. Stundenlang hatte er das Jungtier hin- und hergeschüttelt, fallen gelassen und durch die Luft geschleudert. Der kleine Bär wurde vom Vater so heftig mit den Vorderpranken traktiert, bis er sich nicht mehr rührte.

Die Hintergründe bleiben unklar. Vielleicht habe Mischa nur spielen wollen und die Gewichtsverhältnisse verkannt, mutmasst der Tierpark - der kleine Bär war vielleicht 5 Kilogramm schwer, sein Vater 360. Vielleicht habe Mischa auch die Aufmerksamkeit seiner Gefährtin Mascha erregen wollen, oder er wollte ein lebensschwaches Jungtier eliminieren.

Trennung wäre Tierquälerei

Die Tierpark-Verantwortlichen bekräftigten am Donnerstag, sie verstünden die Betroffenheit vieler Berner. "Die Geschichte hat uns selber auch mitgenommen", betonte Direktor Bernd Schildger im Regionaljournal von Radio SRF.

Allerdings gebe es immer die Möglichkeit, dass Jungtiere durch den Bärenmann getötet werden. Das könne auch in der freien Natur geschehen.

Einen weiteren Vorfall könnte man nur ausschliessen, wenn man Mischa bis zu zwei Jahre lang in einem Abtrenngehege halten würde. Doch das wäre Tierquälerei, sagte Schildger. "Die beiden Elterntiere sind völlig aufeinander fixiert."

Kritik von Tierschutzorganisation

Tierschützer kritisieren derweil das Verhalten des Tierparks. «Es ist nicht natürlich, dass das Männchen bei der Aufzucht dabei ist», findet Julie Stillhart, Leiterin der Tierschutzorganisation «Vier Pfoten Schweiz». In der freien Natur ziehe die Bärenmutter ihre Jungen alleine und weg vom Vatertier auf.

Den Vorfall vom Mittwoch hatten etliche Besucher des Bärenparks mitbekommen. Damit niemand mehr unfreiwillig Zeuge einer solchen Szene wird, bleibt die Besucherplattform beim sogenannten Bärenwald einstweilen geschlossen.

Nach dem Tod eines Jungtiers üben Tierschützer Kritik am Tierpark Dählhölzli

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Geschenk aus Russland

Bern hat zwei Gehege für das Wappentier der Stadt. Im Dählhölzli lebt "Bär 4" zusammen mit Mischa und Mascha, die 2009 in die Bundesstadt kamen - als Geschenk der damaligen russischen Präsidentingattin Swetlana Medwedewa.

Im Bärenpark leben Finn und Björk mitsamt Jungtier Ursina. Das zweite Jungtier Berna stritt sich immer wieder mit der Mutter und musste den Bärenpark schliesslich Richtung Bulgarien verlassen.

Das Wohlergehen der Bären liegt den Berner Bevölkerung sehr am Herzen. Jede neue Entwicklung füllt ganze Seiten in der Lokalpresse. Zuletzt gab es eine Debatte zur Frage, ob der Tierpark angemessen handelte, als er den Jungtieren nur Nummern statt Namen gab. Die Tiere sollten so vor der "Vermenschlichung" geschützt werden. (sda/cze)