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Tiermiliz gegen Basler Pharma

Vasella Novartis

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Der Brandanschlag auf das Jagdhaus von Novartis-Chef Daniel Vasella ist kein Einzelfall. Die militanten Tierschützer von SHAC schüchtern gezielt Mitarbeiter lokaler Pharmafirmen ein.


Sven Millischer

Lichterloh brennt am Montag um halb vier Uhr morgens das Jagdhaus von Novartis-Chef Daniel Vasella. Glücklicherweise befindet sich zum Zeitpunkt des Brandes niemand im Tiroler Haus. Das Feuer an der geschindelten Fassade hat ein Nachbar aus der 600- Seelen-Gemeinde Bach entdeckt. Bereits letzte Woche wurde das Grab von Vasellas Mutter in Chur von unbekannten Tätern geschändet. Dass der gestrige Brand mit Absicht gelegt wurde, ist rasch klar. Am Tatort finden die Ermittler Spuren eines professionellen Brandbeschleunigers.

Während das österreichische Landeskriminalamt in alle Richtungen fahndet, ist Novartis überzeugt, dass die militante britische Tierschutzorganisation SHAC hinter dem Brandakt steckt: «Wir haben keinen Zweifel daran, dass es sich bei den jüngsten Anschlägen in Tirol um diesselbe militante Täterschaft handelt wie zuvor in den vergangenen Monaten in der Grossregion Basel», sagt Mediensprecher Satoshi Sugimoto.

So hätten sich in letzter Zeit die Fälle von Sachbeschädigungen an Autos und Häusern von Mitarbeitern gehäuft, betont Sugomoto. Auch Einrichtungen von Novartis seien betroffen: Beispielsweise wurde im Mai ein Brandanschlag auf eine konzerneigene Sportanlage im französischen St-Louis verübt. Die Tierschutzorganisation SHAC weist zwar die Anschuldigungen des Basler Pharmakonzerns als haltlos zurück. Doch Thomas Cueni vom Branchenverband Interpharma betont, die Organisation habe sich nie von illegalen Aktionen distanziert, und hält fest: «Mit Extremisten kann man keinen Dialog führen.»

Die Attacken auf Novartis sind indes kein Einzelfall. Auch Konkurrentin Roche wurde bereits zur Zielscheibe militanter Tierschützer, sieht im Moment aber keinen Handlungsbedarf: «Unsere Sicherheitsmassnahmen bleiben, wie sie sind», sagt Roche-Pressesprecherin Claudia Schmitt. Man verurteile die kriminellen Handlungen und warte die laufende Untersuchung ab.

Als Tiermörder angeschwärzt

Ebenfalls im Visier von SHAC ist die Allschwiler Biopharma-Firma Actelion: So wurden in der Region Nordwestschweiz unter anderem Fahrzeuge beschädigt, Briefkästen mit Chemikalien besudelt und Actelion-Mitarbeiter in der Nachbarschaft als vermeintliche Tiermörder angeschwärzt. «Das ist eine sehr unangenehme Situation», erklärt Actelion-Pressesprecher Roland Häfeli. Man stehe deshalb seit Jahren in engem Kontakt mit den lokalen Polizeikräften und lasse sich bezüglich Sicherheit beraten. «Über konkrete Massnahmen können wir aber verständlicherweise keine Auskunft geben », so Häfeli. Nur so viel: Das Sicherheitsdispositiv werde laufend der Bedrohungslage angepasst.

Und diese scheint sich in den letzten Wochen zugespitzt zu haben. Möglicherweise habe die militante Tierschutz- Bewegung in der Schweiz neuerlichen Schwung gewonnen (siehe Kontext), mutmasst Jürg Bühler, Direktor des Dienstes für Analyse und Prävention. Der DAP arbeitet im Bereich gewalttätige Tierschützer eng mit den Sicherheitsverantwortlichen der Pharmabetriebe zusammen, die wegen der zunehmenden Aktionen ein Frühwarnsystem eingerichtet haben.

Keine Zunahme beim Personenschutz

Die Befürchtung, dass nun Firmenchefs wie Daniel Vasella vermehrt zur Zielscheibe von Angriffen werden könnten, scheint indes unbegründet zu sein. Trotz wirtschaftlich schwierigen Zeiten stellt Urs Stadler von der Securitas- Gruppe keine spürbare Zunahme beim Personenschutz fest: «Die Zuwachsrate liegt mit jährlich drei Prozent im Schnitt unserer anderen Geschäftsfelder. » Securitas beschäftigt rund 6600 Mitarbeiter, davon sind 40 im Personenschutz tätig. Auch Konkurrentin Delta Security sieht eine stabile Nachfrage beim Personenschutz.

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