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Tierfabrik oder «Wellness-Schweinestall»?

Ja oder Nein: Bünzen entscheidet morgen, ob in der «Pfaffematte» ein neuer Schweinemaststall für 880 Tiere zulässig ist. (archiv/Ph)

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Ja oder Nein: Bünzen entscheidet morgen, ob in der «Pfaffematte» ein neuer Schweinemaststall für 880 Tiere zulässig ist. (archiv/Ph)

Morgen entscheidet die Bünzer Gemeindeversammlung, ob in der «Pfaffematte» eine Intensiv-Landwirtschaftszone entstehen kann. Gegen die Pläne von Andreas Müller, dort einen Stall für 880 Schweine zu bauen, regt sich nun Widerstand im Dorf. Doch der Bauer verteidigt sich.

Fabian Hägler

Andreas Müller hat am heutigen Stand-ort seines Hofes mitten in Bünzen keine Perspektiven. Sein Betrieb an der Mühlegasse 8 ist auf drei Seiten von der Dorfzone umgeben, die Stallungen und die Remise sind sanierungsbedürftig. Der Mastschweinestall für 80 Tiere genügt den Anforderungen an eine tiergerechte Haltung nicht mehr.

Deshalb hat Müller das Begehren gestellt, im Gebiet «Pfaffematte», nördlich der Kläranlage Chlostermatte, eine Intensiv-

Landwirtschaftszone einzuzonen, damit er hier einen neuen Mastschweinestall mit 880 Plätzen realisieren kann. Dazu müsste die Nutzungsplanung Kulturland teilweise geändert werden. Nötig wäre eine neue Speziallandwirtschaftszone, konkret geht es um eine Fläche von 0,8 Hektaren.

Gegner mit zwei Flugblättern

Über diese Umzonung entscheidet morgen Donnerstag (20.00 Uhr, Turnhalle) die Gemeindeversammlung von Bünzen. Im Vorfeld sind nun zwei Flugblätter aufgetaucht, mit denen Gegner des Projekts den geplanten Schweinestall bekämpfen. Eines der Flugblätter ist anonym, die unbekannten Urheber behaupten, mit der Umzonung würde «die Möglichkeit geschaffen, eine land-unabhängige Tierfabrik zu bauen.»

Andreas Müller kontert diesen Vorwurf in einem Informationsschreiben. «Ist ein Stall, der einem Schwein dauernd zugänglichen Auslauf, Stroh zum Liegen, eine Dusche, einen Sonnenschirm und gleich viel Gesamtfläche wie einem Bio-Mastschwein zur Verfügung stellt, wirklich eine Tierfabrik?»

Den Befürchtungen der Gegner, ein solcher Mastbetrieb verursache «täglich viel Lärm und Gestank», begegnet Müller mit konkreten Massnahmen. Ökofutter mit geringerem Nährstoffgehalt, ein Gülleseparator, die Abdeckung des Jauchesilos und die Dusche im Auslaufbereich sollen für möglichst niedrige Geruchsemissionen sorgen.

Planung dauert schon drei Jahre

Müller betont überdies, die Planung für sein Projekt habe schon vor drei Jahren begonnen. «In dieser Zeit wurden zwei Vorabklärungs-Baugesuche beim Kanton eingereicht, insgesamt zwölf Ämter befassten sich damit», sagt der Landwirt. Inzwischen liege ein positiver Vorprüfungsbericht aus Aarau vor.

«Bei der Mitwirkung sind zwei Einsprachen und weitere Anregungen eingegangen», erklärt der Bünzer Gemeindeschreiber Beat Kaufmann. Die beiden Einsprachen seien inzwischen aber wieder zurückgezogen worden.

Ein zweites Flugblatt mit dem Titel «Rezept für ein wohlriechendes Bünzen» wurde von Rita Müller und Gertrud Abt verfasst und von 14 weiteren Personen unterzeichnet. Sie rufen die Bünzer Bevölkerung auf, morgen Nein zu stimmen zur Umzonung. «Der Spaziergang der Bünz entlang erfreut weiterhin des Bünzers Nase und Ohren», führen sie als positive Folge auf.

Ähnlich wie die Autoren des anonymen Flugblatts befürchten auch die beiden Frauen, dass Schüler, Fussgänger oder Velofahrer durch zusätzlichen Lastwagenverkehr gefährdet würden.
Müller beruhigt: «Der Bau würde vier Meter vom Radweg zurückversetzt, was eine übersichtliche Einmündung garantiert.» Zudem sei der Radweg an dieser Stelle gerade und werde nur auf einer Länge von 180 Metern befahren.

Projekt kostet zwei Millionen

Und er ergänzt: «Die Investitionssumme für einen solchen ‹Tierwellness-Stall› liegt bei mehr als zwei Millionen Franken.» Wäre er nicht der Überzeugung, dass sein Projekt ökologisch und verträglich mit der Umwelt sei, würde er sein Geld anderweitig anlegen.

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