«Tiefe Jugendarbeitslosigkeit dank Lehre»

Bäckermeister Burkard Kreyenbühl aus Muri sieht im Schweizer Berufsbildungssystem grosse Vorteile

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«Tiefe Jugendarbeitslosigkeit dank Lehre»

«Tiefe Jugendarbeitslosigkeit dank Lehre»

«Ich habe mich masslos geärgert über einen Zeitungsbericht, der die These vertrat, dass in Zukunft die Maturitätsquote bei den jungen Menschen deutlich erhöht werden müsse», erklärt Burkard Kreyenbühl, Bäcker-Konditor mit Meisterdiplom in Muri. Der dualen Berufsbildung werde so die Berechtigung abgesprochen. «Da muss es doch einem Vertreter eines kleinen und mittelgrossen Unternehmens und überzeugten Lehrlingsausbildner den Hut lüpfen», empört er sich. Wer sich intensiv mit dieser Materie auseinandersetze, stelle fest, «dass genau dieses Berufsbildungssystem der Grund ist für unsere tiefen Arbeitslosenzahlen im Vergleich mit anderen Ländern im europäischen Wirtschaftsraum.» Andere Länder mit hohen Maturitätsquoten hätten eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das Schweizer System mit der praktischen Lehre im Unternehmen und der begleitenden Schule sei die ideale Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt.

Kreyenbühl ist aber auch selbstkritisch: «Handwerkliche Berufe sind zu wenig sexy und haben bei Jugendlichen oft einen schweren Stand.» Dieses Imageproblem müsse auch von den Berufsverbänden behoben werden. Tatsächlich würden handwerkliche Berufe, neben einer guten Berufsgrundlage, grosse Chancen bieten. «Die Handwerksbetriebe werden tendenziell immer grösser, und das braucht auch Leute, die Führungsverantwortung übernehmen wollen.» Das müsse sowohl den jungen Leute als auch ihren Lehrern in der Schule klar aufgezeigt werden.

Schliesslich eignen sich handwerkliche Berufe auch für eine spätere Teilzeitarbeit. «Das ist vor allem für Frauen ein Thema, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen.» In der Ausbildung zum Bäcker-Konditor sind heute bereits 40 Prozent Mädchen. «Gute Leute versuchen wir bei der Stange zu halten, sei es mit gewünschter Teilzeitarbeit oder mit der Möglichkeit, im Beruf weiter- zukommen.» (es)