Eine Meldung der deutschen Zeitung «Die Welt» zum Unglücks-Airbus lässt aufhorchen: Vor 14 Jahren, im November 2001, sei es in Kairo zu einem Zwischenfall mit der nun verunglückten Maschine gekommen.

Bei der Landung kam es zu einem sogenannten Tailstrike: Das Heck schlidderte über die Piste. Die Maschine musste repariert werden. 

Tailstrikes kommen ab und zu vor bei Starts und Landungen. Bei einer sachgerechten Reparatur bleibe keine Schwachstelle zurück. 

Der kritische Punkt sei, dass im Heck der hintere «Deckel» der Passagier-Druckkabine montiert ist. Bei unsachgemässen Reparaturen können «tickende Zeitbomben» entstehen.

Airbus-Absturzort El Arish

Die Welt weist bei ihrer Spekulation auf den 1985 abgestürzten Boeing-Jumbo-Jet der japanischen Fluggesellschaft JAL hin. Bei diesem sei nämlich nach einer Ausbesserung des hinteren Druckschotts nach einem Tailstrike gepfuscht worden. Erst sieben Jahre und gut 12'000 Flüge nach der Reparatur passierte dann das Unglück, als im Flug das Druckschott platzte.

Zu einem ähnlichen Absturz kam es im Jahr 2002, ebenfalls mit einem Boeing-Jumbo: Unglaubliche 22 Jahre nach der Reparatur des Rumpfes nach einem Tailstrike kam es bei einem Flugzeug der China Airlines zu einem Ermüdungsbruch. Die Maschine bracht im Flug auseinander. 225 Menschen starben.

Fluglinie Emirates umfliegt Sinai aus Sicherheitsgründen

Nach Lufthansa und Air France hat auch die Fluggesellschaft Emirates angekündigt, nach dem Absturz der russischen Passagiermaschine bis auf Weiteres die Sinai-Halbinsel zu umfliegen. Bis weitere Informationen zu dem Unglück vorlägen, werde die Route geändert.

Das erklärte ein Emirates-Sprecher am Sonntag in Dubai. Zuvor hatten Air France und Lufthansa bereits beschlossen, die über dem ägyptischen Gebiet liegenden Routen aus Sicherheitsgründen links- oder rechts vorbeizuleiten.

Der Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Kogalimawija war am Samstag auf dem Weg vom ägyptischen Badeort Scharm el Scheich nach St. Petersburg im bergigen Norden des Sinai abgestürzt, alle 224 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Später erklärte ein ägyptischer Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die Touristenmaschine zum Absturz gebracht zu haben. Obwohl die Erklärung offenliess, wie dies geschehen sein soll, reagierten die russische und die ägyptische Regierung skeptisch.

Auf der Halbinsel Sinai kämpfen islamistische Gruppen, die sich der IS-Miliz angeschlossen haben, gegen ägyptische Sicherheitskräfte. Seit 2013 wurden dabei hunderte ägyptische Polizisten und Soldaten getötet. Nach Angaben von Militärexperten verfügen die IS-Kämpfer zwar nicht über Boden-Luft-Raketen, die ein Flugzeug auf einer Höhe von 30'000 Fuss (rund 9100 Meter) treffen könnten, wie dies bei der russischen Maschine bei ihrem letzten Kontakt der Fall war.

Flugschreiber gefunden

Sie schlossen aber eine Bombe an Bord oder einen Abschuss durch eine Rakete nicht aus, sollte das Flugzeug wegen technischer Probleme in einen Sinkflug gegangen sein. Die US-Luftfahrtbehörde hatte schon im März alle Zivilflugzeuge angewiesen, bei Flügen über dem Sinai nicht unter 26'000 Fuss zu gehen.

Aufschluss über die Absturzursache erhoffen sich die russischen und ägyptischen Behörden von den inzwischen gefundenen Flugschreibern. Der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow und Katastrophenschutzminister Wladimir Puschkow trafen am Samstagabend mit einem russischen Expertenteam in Kairo ein, um sich an den Ermittlungen der ägyptischen Behörden zu beteiligen. Auch Airbus entsandte Experten nach Ägypten.

Widersprüchliche Angaben gab es unterdessen zum letzten Austausch zwischen dem Piloten der russischen Maschine und der Flugkontrolle. Ein Vertreter der ägyptischen Flugsicherung berichtete, der Pilot habe bei seinem letzten Kontakt von Funk-Problemen gesprochen. Der ägyptische Minister für Zivilluftfahrt, Mohamed Hossam Kamal wies diese Angaben später zurück. Der Funkverkehr sei völlig normal gewesen, auch habe der Pilot nicht um eine Änderung der Flugroute gebeten, sagte Kamal. (pz/sda)