Theater für einmal erwünscht

Theater für einmal erwünscht

Theater für einmal erwünscht

Thaler und Gäuer Gemeindepräsidenten kochten gemeinsam für 60 zahlende Gäste. Das Team funktionierte einwandfrei. Der Erlös des Abends ging an den Bildungs- und Freizeitclub in Oensingen.

Myriam Sperisen

«Ihr seid mutig, euch von uns bekochen zu lassen», lauten die einleitenden Worte von Stephan Berger, Vorsteher des Oberamtes Thal-Gäu. Damit spricht er die rund 60 zahlenden Gäste an, die am Freitagabend im «Goldenen Schlüssel» in Wolfwil Platz genommen haben für ein besonderes Benefiz-Essen: «Ess-Theater, Uraufführung, ein Lust- und Genuss-Spiel in vier Akten». Ja, so etwas erlebt man nicht jeden Tag, dass Gemeindepräsidenten des Bezirks einen bekochen. Wolfwils Gemeindepräsident Christian Kühni brachte es auf den Punkt: «Heute geht es einmal nicht um Politik.» Zumindest nicht um Gemeindepolitik.

Rollen sind anders verteilt

Die Küchenbrigade besteht aus den Köchen Stephan Berger, Christian Kühni, Fulenbachs Gemeindepräsident Hugo Kissling, Härkingens Oberhaupt Daniel Nützi sowie Neuendorfs Ammann Paul Stöckli. Alle haben sie nach eigenen Angaben auch schon mal gekocht oder jedenfalls gegrillt. Christian Kühni präsentiert sogar ein kleines Kochbuch, das er 1998 einmal geschrieben hat: «Kochbuch für Geniesser». Daraus stammen die Rezepte von heute Abend, Motto «Das Koch-Theater». Das Küchenteam wird fachlich unterstützt vom Wirtepaar Donatella und Fathi Gmati. Laut Angaben der Wirtin läuft es hervorragend: «Diese Leute kann man brauchen.»

Das Menü ist, ganz nach Theatermanier, in vier Akte aufgeteilt: Im «Vorspiel», gibt es unter anderem feine Häppchen. Der erste Akt ist definiert durch ein «luftiges und leichtes Basilikumschaumsüppchen mit Blätterteig-Käsespiralen». Der zweite Akt, die Ouvertüre, ist ein Crevetten-Cocktail an einer leichten Thousand-Island-Sauce, würziger Parmaschinken und Cavaillon-Melonenschnitz.

Erste Hektik kommt auf

Vor dem Servieren machen sich für den Betrachter von aussen erste Stressmomente bemerkbar, und zwar in der Küche. Wo doch alle schon seit 14 Uhr stundenlang und ohne Unterbruch in der Küche auf den Beinen sind, die Zeit lief schier davon. Es laufe wie verrückt, so Daniel Nützi, der sich gerade mit Stöckli und Kühni über Details des Menüs abspricht. Es fallen in der Küche Sätze wie: «Jemand tut jetzt da Rahm drauf», «jetzt aber die Deko für die Basilikumsuppe» oder «was ist das für ne Tischnummer?» Stephan Berger verteilt Rahm, Christian Kühni ist am Schöpfen, und Paul Stöckli verteilt Blätterteigspiralen.

Nach dem ersten Servicegang müssen sich Daniel Lederer, Markus Zeltner und Willy Dollinger erst mal hinsetzen, Johanna Bartholdi freut sich unterdessen: «Es ist schön, Gäste zu haben.» Auch sie braucht zwischendurch eine Pause. «Das hier hat mich nicht nervös gemacht, vor einer Gemeindeversammlung bin ich nervöser», so Lederer. Angst, dass es nicht klappen könnte, hatte niemand.

Perfektes Drehbuch

Der dritte Akt, magische Zeit 21.10 Uhr, das Pièce de résistance, besteht aus einem zarten Kalbssteak (auf den Punkt gegart) an einer Morchelrahmsauce mit Gemüse aus dem Garten und entweder Kartoffelgratin oder aber Risotto. Die Servicebrigade wird geleitet von Egerkingens Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Sie kommt aus dem Gastgewerbe und hat vorher einen perfekten Ablaufplan organisiert, was sich dann beispielsweise so liest: «20.05 Uhr: Service der Suppe (Beginn bei Tisch 1), Suppe wird von rechts eingesetzt, immer vorwärtslaufen.»

Der Vorspeisenteller wird von rechts gesetzt oder Beilagen werden von links angeboten. Da kann im Serviceteam nichts mehr schieflaufen, oder? Das Team besteht weiter aus Willy Dollinger, Präsident der Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu (GPG), Oberbuchsitens Gemeindepräsident Daniel Lederer, Oensingens Vizegemeindepräsident Volker Nugel sowie Markus Zeltner, Gemeindepräsident von Niederbuchsiten. Sie alle sind in perfektem Servicetenue gekleidet.

Sehr gut geklappt

Verderben viele Köche nicht den Brei? Stephan Berger bemerkt, er habe so etwas befürchtet, und Markus Zeltner sagt ganz klar, es treffe hier aber nicht zu. Es habe am Nachmittag schon sehr gut geklappt und: «Unsere Zusammenarbeit ist ja auch auf politischer Ebene sehr gut.» Es sei ein hartes Programm gewesen, bis da schon nur alles gerüstet gewesen sei. Das hätte er nicht gedacht, wie er sagt. Auch die Arbeit für die Deko sei nicht zu verachten. Assortiert nach Gäuer Farben, liegen die Tischsets bereit.

Im vierten Akt, dem Finale furioso, gab es einen Dessertteller mit «Belle Hélène», Waldbeeren und: «Chris’ berühmter Pflasterstein.» Christian Kühni kann nicht nur tolle Desserts zubereiten, auch seine Frau Doris schaut heute zum Rechten (Souffleuse und Sekretärin des Abends). Die beiden sind ein eingespieltes Team. Apropos: der ganze Anlass wurde aus Gründen der Teamförderung absolviert. Besonders freuen dürfen sich hierbei die Verantwortlichen des Bildungs- und Freizeitclubs Oensingen. Aktuarin Doris Altermatt sowie Kassierin Irene Krapf, sie sind auch am Essen: «Wir freuen uns total über diese Spende.»

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