Interview
Thailand-Auswanderer: Auch der Militärputsch kann ihre Vorfreude nicht trüben

Oliver und Thansita aus Olten wandern bald nach Thailand aus – dies trotz der angespannten politischen Lage durch den Militärputsch: «Man kann eh nicht viel machen», sagt Oliver. Ausserdem habe es schon etliche vergleichbare Situationen gegeben.

Michael Meier
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Sagen der Schweiz bald «Adieu»: Thansita und Oliver Thomann.

Sagen der Schweiz bald «Adieu»: Thansita und Oliver Thomann.

Zur Verfügung gestellt

Nach dem monatelangen Machtkampf unter den politischen Parteien in Thailand hat die Armee unter General Prayuth Chan-ocha die Macht übernommen. Es wurde eine Ausgangssperre verhängt, das Kriegsrecht ausgerufen und bewaffnete Soldaten patroullieren in den Strassen.

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) rät Thailand-Reisenden zur Vorsicht. Menschenansammlungen seien zu meiden.

In diesem Umfeld plant das Oltner Ehepaar Oliver und Thansita Thomann Umzug in das Land des Lächelns. Anfangs August wandern die beiden nach Hua Hin, knapp 200 Kilometer südlich von Bangkok, aus.

Oliver und Thansita was sind eure Pläne in Thailand?

Oliver: Wir planen in Hua Hin zu leben. Dort ist es etwas ruhiger und geordneter als in Bangkok oder Pattaya. Ich habe noch keinen Job in Aussicht, werde meine Frau unterstützen, die schon früher ein gutes Geschäft in Thailand hatte. Dazu möchte ich mich gerne meinem Hobby, dem Gleitschirmfliegen widmen.

Zur Person

Oliver Thomann, 28 Jahre, arbeitet in einer Einrichtung für betreutes Wohnen für suchtkranke Menschen. Vor zwei Jahren hat er seine jetzige Frau Thansita in Bangkok kennengelernt. Kurz darauf kam diese zu ihm in die Schweiz und sie heirateten. Olivers Traum war schon lange, einmal in einer Tropenregion zu leben. Jetzt hat er auf Ende Juni gekündet, und plant am 4. August nach Bangkok auszuwandern. Seine Frau wird bereits vorher, Anfangs Juli zurück nach Thailand gehen. (mim)

Wie sieht es mit der Aufenthaltsbewilligung in Thailand aus?

Oliver: Weil wir verheiratet sind, bekomme ich eine jährliche Aufenthaltserlaubnis, welche ich nach 12 Monaten wieder um ein Jahr verlängern kann. Dazu muss ich mich alle drei Monate beim Immigrationsamt melden und bestätigen, dass ich mich noch am selben Ort aufhalte. Die Aufenthaltsbewilligung ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Arbeitserlaubnis. Faktisch müssen Firmen und Geschäfte in Thailand immer zu mindestens 51 Prozent in einheimischer Hand sein. Man kann sich also nur im Hintergrund engagieren.

Wie schätzt ihr die aktuelle Lage in Thailand ein?

Thansita: Wir kennen dies schon, 2006 hatten wir eine sehr vergleichbare Situation. Im Moment sind wir froh, dass das Militär die Kontrolle übernommen und somit eine Eskalation verhindert hat.
Oliver: Bangkok als Zentrum der Macht steht natürlich im Fokus. Die Lage ist schon seit mehreren Jahren so, ein schwelender Konflikt, der sich nun einfach zugespitzt hat. Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass es in Thailand zu einem Militärputsch kommt. Meiner Meinung nach ist es besser so, bevor die Situation vollständig eskaliert. Es wird wohl bald zu Neuwahlen kommen, welche voraussichtlich die Rothemden gewinnen werden. So wird wieder ein vergleichbarer Status wie vor den momentanen Unruhen herrschen.
Thansita: Es ist aber momentan nicht gefährlich. Man muss einfach ein wenig aufpassen wohin man geht, man sollte sicher nicht zu nahe an Kundgebungen und Protestlager geraten.

Werden eure Pläne durch die aktuelle Situation durchkreuzt bzw. beeinträchtigt?

Oliver: Nein, eigentlich nicht. Damit muss man auch leben können, das gehört dazu. Ist zwar zwischendurch unangenehm, wenn beispielsweise eine Ausgangssperre herrscht, aber sonst sind wir nicht direkt betroffen. Man muss einfach etwas wachsamer sein und die Lage im Auge behalten. Zudem sind wir in einer komfortablen Lage und können immer auch zurück in die Schweiz.
Thansita: Ich freue mich sehr, wieder zurückzukehren und bin nicht besorgt. Ich glaube als normale Einwohner tangieren uns die Unruhen nur wenig.

Wie informiert man sich, wie behält man die Lage im Auge?

Thansita: Ich stehe in täglichem Kontakt mit Familie und Freunden in Thailand. Alle bestätigen, dass die Lage momentan zwar angespannt, aber sicher sei. Auch Ausländer, welche in Bangkok leben erzählen mir, dass sie sich absolut sicher fühlen, und ausser der verhängten Ausgangssperre keinerlei Einschränkungen in ihrem täglichen Leben haben.

Habt ihr aufgrund der momentanen Verhältnisse besondere Vorkehrungen getroffen?
Oliver: Keine besonderen. Wohlmöglich werde ich auf meine Finanzen Acht geben und zum Beispiel nicht mein ganzes Geld auf einer Thai-Bank hinterlegen. Und man sollte einfach die gängigen Vorsichtsmassnahmen verschärft einhalten. Sonst kann man eigentlich nicht viel machen.