Textildruckerei

Textildruckerei Suhr: Eine Ära geht zu Ende

Abschied: Ulrike und Ferdinand Rätzer und Mitarbeiter Franco Prudenzi (v. l.) mit einem alten Stoff. (nbo)

Textildruckerei Suhr

Abschied: Ulrike und Ferdinand Rätzer und Mitarbeiter Franco Prudenzi (v. l.) mit einem alten Stoff. (nbo)

Die Textildruckerei Suhr erlebte in ihrer über 100-jährigen Geschichte einige Hochs und Tiefs. Angefangen hat alles im März 1903. 107 Jahre später, im März 2010, meldete die Firma Konkurs an.

Im Frühling 1903 eröffneten zwei aus dem Stoffdruckzentrum Mülhausen zugewanderte Herren im «Hammer» in Aarau eine kleine Stoffdruckerei.

Rund ein Jahr später liessen sie diese unter dem Namen «Häusle & Co. Stoffdruckerei Aarau» ins Handelsregister eintragen. Anfänglich belieferte die Stoffdruckerei hauptsächlich Hotels und Detailgeschäfte in der ganzen Schweiz.

Schritt ins Ausland

Allmählich aber wurde auch im Ausland - in Frankreich und vor allem in England - Absatz gefunden. So konnte die Stoffdruckerei 1907 grössere Lieferkontakte mit einer britischen Firma abschliessen. Zu dieser Erfüllung drängte sich jedoch eine Betriebserweiterung auf, die im «Hammer» nicht realisierbar war. So entschlossen sich die Gründer dafür, in Suhr auf der «Döbelimatte» ein eigenes Fabrikgebäude zu erbauen.

Probleme nach Übersiedlung

Die Übersiedlung ins neue Gebäude erfolgte bereits 1908. Sie stand jedoch zunächst nicht unter einem guten Stern. Das Geschäft in England brach infolge eines Preissturzes der Baumwolle zusammen. Zudem entstand in der Geschäftsführung durch einen Todesfall und einen Krankheitsfall eine empfindliche Lücke.

Erst nach der Bildung der Genossenschaft «Schweizerische Textildruckerei Suhr-Aarau» im Jahre 1912 erholte sich das Unternehmen. Auch der mit dem Ersten Weltkrieg verbundene Arbeitsmangel steckte es gut weg. Nach dem Krieg konnten zeitweise bis zu zwanzig Drucker und noch einmal so viel Hilfspersonal beschäftigt werden.

Überstandene Wirtschaftskrise

Die Wirtschaftskrise in den zwanziger Jahren und die dreissiger Jahre bedeuteten für Suhrer Stoffdruckerei eine harte Zeit. Nur dank Sparmassnahmen, gutem Einvernehmen der Geschäftsleitung mit den Arbeitern und auf das Minimum beschränkten Investitionen konnte sie überleben.

Schwierige Lage

Ende der vierziger Jahre bildete sich aus der Genossenschaft eine Familienaktiengesellschaft. Verwaltungsratpräsident dieser wurde Hans G. Müller, Geschäftsführer Fritz Hediger. Nach dessen Tod am 1. November 1989 übernahm seine Frau Ruth Hediger - Tocher von Hans G. Müller - die Leitung der Textildruckerei. Dies mit Unterstützung des Treuhändlers Kurt Reist und später Geschäftsführer Dieter Steinbrugger. Ruth Hediger verstarb im Herbst 2007, womit die Druckerei in den Besitz ihrer Tochter Ulrike Rätzer-Hediger überging. Dieter Steinbrugger fungierte weiterhin und bis zum Konkurs im März dieses Jahres als Geschäftsführer des Betriebs. (nbo)

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