Tests mit Ultraschall und Badehose

Wasserrutschen bieten hohe Geschwindigkeiten und gehören zur Konkurrenz zwischen Bädern, auch im Aquabasilea in Pratteln. Der Sicherheit zuliebe rutscht dabei selbst der TÜV-Experte runter.

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Aquabasilea

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Daniel Haller

Die Badehosen in die Po-Ritze, mit Schwung auf die Rutsche - und ab die Post: Zielsicher lotsen Kinder ihre Eltern in Bäder mit Wasserrutschen, andere Badis haben das Nachsehen. «Der Markt für Wasserrutschen ist ausserordentlich gross und entwickelt sich ständig weiter», stellt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) fest. «Die Anlagen werden schneller, höher, verrückter», konstatiert die Swiss TS Technical Services AG und spricht von «erhöhten Risiken» und einer «grossen Zahl von Unfällen». Eine Studie der Universitätsklinik für Kinderchirurgie in Graz stellte fest, dass mit 18,1Prozent der Bade-Unfälle die Wasserrutschen an erster Stelle standen, gefolgt von den Sprüngen vom Beckenrand (14,9Prozent). Die Schweiz führt keine Statistik.

Die hohen Geschwindigkeiten führen zu Prellungen, Zahnverletzungen und Knochenbrüchen - vor allem an Zehen, Fingern und Nasenbein. «Endet die Rutschbahn mit einem Plumps ins Wasserbecken, so kann ein folgender Rutscher dem Vordermann in den Rücken sausen, sodass dieser eine Querschnittlähmung erleidet», berichtet Rainer Braun, Geschäftsführer des süddeutschen Wasserrutschenbauers Hartwigsen Gmbh. «Wir bauen deshalb standardmässig nur noch Sicherheits-Ausläufe, die flach im Wasser enden.»

Schwarzes Loch und freier Fall

Die Wasserwelt Auquabasilea AG, die am kommenden Freitag in Pratteln ihre Pforten öffnet, verfügt mit Turborutsche (50 m), Familienrutsche (85 m), Reifenrutsche (132 m), Frei-Fall-Rutsche (16m), Black-Hole-Rutsche (137 m) und Highspeed Black-Hole-Rutsche (119 m) über ein breites Sortiment. «Unser Konzept ist, allen Altersklassen Spass zu bieten. Das heisst Kick, aber die Sicherheit steht an oberster Stelle», betont Oliver Heintz, Geschäftsführer der Aquabasilea Wasserwelt AG. Auf Extremrutschen, etwa mit Looping, habe man bewusst verzichtet. Die grösste Geschwindigkeit von 50km/h werde in der Freifall-Rutsche erreicht: «Das fühlt sich etwa so an wie wenn eine Achterbahn in die Tiefe saust», berichtet Heintz. Allerdings mit einem Unterschied: «Auf einer Achterbahn sind Kräfte von maximal dem vierfachen Körpergewicht erlaubt», erläutert Braun. «Auf einer Wasserrutsche hingegen nur das 2,6-Fache.»

Auf Herz und Nieren geprüft

Physikalische Berechnungen sind das eine, Praxis das andere: «Bei einer neuen Bahn rutscht als erstes der Ingenieur, der sie konstruiert hat, dann folge ich als Geschäftsführer», berichtet Braun. Dies genügt noch nicht: Im Januar hat Rolf Bauer vom TÜV Süd anderthalb Tage lang die Aquabasilea-Rutschen überprüft. Dazu gehört, dass sowohl die Baufirma als auch der externe Experte die Rinnen und Röhren trocken untersuchten. Sämtliche allfälligen rauen Stellen oder Übergänge seien nachbearbeitet worden. Mit Ultraschall prüfte Bauer die Elemente auf Materialfehler. Und vorgestern wurde dann jede Bahn mit Testpersonen verschiedener Grösse und Gewichts - auch der TÜV-Experte rutscht - fünf Stunden lang einem Praxistest mit Geschwindigkeitsmessungen unterzogen.

Fehler der Benutzer vermeiden

Die Haupt-Unfallquelle auf Wasserrutschen sind aber nicht technische, sondern Benutzungs-Fehler. Die bfu nennt da: zu kurze Abstände beim Start und damit Aufrutsch-Unfälle, unerlaubte Stellungen (kniend oder stehend), Bremsen oder Anhalten auf der Bahn, Schwallwasser stauen, Zusammenhängen mehrerer Rutscher, Übermut und Imponiergehabe. Deshalb sind die Bahnen im Aquabasilea mit sensorgesteuerten Ampeln versehen: «Erst wenn der vorherige Rutscher die Bahn verlassen hat, gibts oben grünes Licht», erklärt Heintz. Tafeln werden zudem auf die erlaubten Positionen beim Rutschen hinweisen. Und damit die Jugendlichen die Ampeln und Regeln respektieren, will er in Stosszeiten Bademeister den Einstieg beaufsichtigen lassen.