Telefonkabinen verschwinden – aber nicht überall

Telefonkabinen verschwinden – aber nicht überall

Die Swisscom will unrentable Telefonkabinen reduzieren. In Uezwil steht eine Telefonkabine, bei der die Betreiberin mit Sicherheit drauflegt. «Wir haben von der Swisscom aber noch nichts gehört», sagt Gemeindeammann Thomas Meyer.

Jörg Baumann

Uezwil zählt bloss knapp 400 Einwohner. Aber auf dem Dorfplatz neben dem Restaurant Stifeliryter steht seit Jahr und Tag eine Telefonkabine, die kaum einer benützt. «Die Telefonkabine ist für die Swisscom sicher nicht wirtschaftlich», sagt Gemeindeammann Thomas Meyer. Trotzdem sei die Telekommunikationsfirma bei der Gemeinde bisher nicht vorstellig geworden.

Abbaupläne noch geheim

Die Swisscom-Sprecherin Myriam Ziesack bestätigt, dass die Swisscom im ganzen Land unrentable Telefonkabinen abbauen möchte, um Kosten zu sparen. Aber dafür braucht sie das Einverständnis der Gemeinden (Bericht im «Sonntag» vom 22.11.). Die Swisscom habe ihre Abbauplanung aber noch nicht fertig gestellt, sagt Myriam Ziesack. Damit erklärt sie, weshalb auch die kleine Gemeinde Uezwil bis zur Stunde noch nichts von der Swisscom gehört hat. «Heute hat fast jedes Kind ein Natel. Darum würde es die Telefonkabine in Uezwil wohl nicht mehr brauchen», sagt Gemeindeammann Thomas Meyer.

Von selber werde der Gemeinderat allerdings nicht aktiv. Einem grossen Bedürfnis entspreche aber der einzige öffentliche Briefkasten im Dorf, betont der Gemeindeammann. Der Gemeinderat werde sich, falls nötig, dafür einsetzen, dass dieser auf lange Sicht erhalten bleibe.

1940: Zum Telefonieren ins Restaurant

Von seinem Vater hat Thomas Meyer gehört, dass es in den Vierzigerjahren des 20. Jahrhunderts in Uezwil nur sehr wenige Telefonanschlüsse gegeben habe. Sein Onkel Toni Meyer, einst bekannt als «Beck-Toni», führte bis 1955 das Restaurant Stifeliryter in Uezwil und besass als einer der wenigen im Dorf ein eigenes Telefon. «Alle Leute, die telefonieren wollten oder am Telefon verlangt wurden, kamen deshalb in das Restaurant meines Onkels und wickelten bei ihm ihre Telefonate ab», erzählt Meyer.

Eggenwil setzte sich durch

Die Swisscom baut aber nicht nur Telefonkabinen ab. Sie lässt auch neue öffentliche Sprechstellen zu. So in Eggenwil. Mit der Einweihung der neuen Bushaltestelle und des Dorfplatzes erhielt Eggenwil als Ersatz für die aufgehobene Telefonkabine, die bei der alten Post stand, wieder eine nigelnagelneue und hochmoderne öffentliche Telefonsprechstelle. Diese funktioniert bargeldlos und schluckt Schweizer Franken und Euros.

Die Swisscom wollte eigentlich die alte Telefonkabine aufheben. Sie sei mit durchschnittlich einem Anruf im Tag «äusserst schlecht frequentiert», teilte das Unternehmen der Gemeinde mit. Aus Sicht der Swiss-com mache es wenig Sinn, einen neuen Standort für eine Telefonkabine zu suchen. Deshalb solle der Gemeinderat doch das beiliegende Verzichtsformular unterzeichnen. «Das taten wir nicht», sagt Gemeindeschreiber Walter Bürgi. Mit Erfolg: Die Gemeinde fand den neuen Standort für die öffentliche Sprechstelle halt selber, die Swisscom zeigte sich kooperativ und richtete das öffentliche Telefon am neuen Platz ein.

Keine Angaben zu den Kosten

«Ich weiss nicht, wie viel die Sprechstelle kostet», sagt Bürgi. Tatsächlich unterlässt es die Swisscom, ihren Service public voll transparent darzustellen. «Wir geben keine Informationen über die Kosten von Telefonkabinen und öffentlichen Sprechstellen heraus», erklärt Swisscom-Sprecherin Myriam Ziesack. Auch darüber, wie gut oder schlecht eine Telefonkabine rentiert, orientiert die Swisscom nicht. Die Öffentlichkeit kann auch auf der Homepage der Swisscom nicht abfragen, wo sich die nächste öffentliche Sprechstelle befindet. Das müssen die Leute auf irgendeinem Weg selber herausfinden.

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