Notfall im All
Teil der ISS nach Austritt von Ammoniak evakuiert

Das US-amerikanische Segment der Internationalen Raumstation ISS ist nach einem Austritt von hochgiftigem Ammoniak evakuiert worden. Die US-Astronauten sind in den russischen Teil geflüchtet.

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Die internationale Raumstation ISS befindet sich rund 400 Kilometer über der Erde.

Die internationale Raumstation ISS befindet sich rund 400 Kilometer über der Erde.

Keystone

Der Druck im Kühlsystem dieses Segments sei plötzlich sehr stark gefallen. Als möglicher Grund wurde der Austritt von hochgiftigem Ammoniak vermutet. Die US-Astronauten Barry Wilmore und Terry Virts hätten sich zur Sicherheit mit grosser Eile in den russischen Teil begeben, teilte die Flugleitzentrale bei Moskau nach Angaben von russischen Nachrichtenagenturen am Mittwoch mit.

Austritt von Ammoniak gilt - neben einem Brand und einem Druckabfall - als grösste Gefahr für den Aussenposten der Menschheit. Der Stoff dient unter anderem zur Kühlung des Stromkreislaufs auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde. Derzeit arbeiten auch drei Russen und eine Italienerin auf der ISS.

Die US-Raumfahrtbehörde NASA teilte mit, der Austritt von Ammoniak sei unbestätigt. Sicherheit gehe allerdings vor. Der Raumfahrtbehörde Roskosmos in Moskau zufolge werden die beiden US-Astronauten vermutlich bis zu diesem Donnerstag im russischen Segment bleiben.

Genug Vorräte für alle

"Es gibt dort genug Sauerstoff und Lebensmittel", sagte Roskosmos-Chef Oleg Ostapenko. "Gegenwärtig ist das amerikanische Segment der ISS isoliert, die Mannschaft ist in Sicherheit und befindet sich im russischen Segment", betonte er.

Der deutsche Raumfahrer Alexander Gerst sagte, die Situation auf der Raumstation führe hoffentlich nicht zu grösseren Schwierigkeiten. Die Mannschaft sei auf solche Fälle auch vorbereitet. "Das wird im Training geübt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Darmstadt. Die Hälfte der Übung sei Notfalltraining, berichtete der Geophysiker. Er hatte von Mai bis November 2014 auf der ISS geforscht.

"Die Luke zum US-Segment ist geschlossen, nun läuft die Untersuchung", sagte Frank De Winne von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Man nehme den Zwischenfall sehr ernst.

Die Internationale Raumstation ISS

Die Internationale Raumstation ISS gilt seit mehr als 15 Jahren als Aussenposten der Menschheit. Gut ein Dutzend Staaten beteiligen sich an dem Projekt, neben Ländern der Europäischen Union auch Kanada, Japan, Russland und die USA.

Seit dem Jahr 2000 sind ständig Menschen auf der ISS. Das Labor befindet sich etwa 400 Kilometer über der Erde.

Kommandant ist meist ein Russe oder US-Amerikaner. Die optimale Besetzung sind sechs Raumfahrer. Sie verbringen jeweils etwa ein halbes Jahr im Orbit. Zu ihren Aufgaben dort gehören Experimente in der Schwerelosigkeit. Forscher erhoffen sich davon auch Erkenntnisse über einen möglichen dauerhaften Aufenthalt im All und für eine bemannte Mars-Mission.

Bei einem Tempo von 28'000 Stundenkilometern erlebt die Mannschaft alle 90 Minuten einen Sonnenaufgang. Ihre Energie bezieht die Station über Solarzellen.

Das Schicksal der Raumstation steht in den Sternen. Russland hat nach mehr als 15 Jahren ein Ende seines Engagements für 2020 angekündigt. Dabei handelt es sich wohl auch um eine Reaktion auf US-Sanktionen im Ukraine-Konflikt. (sda)