Goldafter
Tausende Raupen fallen über den Flugplatz Birrfeld her

Gefährliche Goldafter fallen zu Tausenden über das Birrfeld her. Warum sich so viele Raupen in den Bäumen rund um den Flugplatz Birrfeld eingenistet haben, ist ein Rätsel.

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Flugplatz hat Raupenplage

Flugplatz hat Raupenplage

Maja Sommerhalder

Eine Motorsäge heult kurz vor Mitternacht auf dem Flugplatz Birrfeld. Gestalten in weissen Schutzanzügen, Masken und Schutzbrillen schneiden Sträucher und schleppen die Äste auf die Piste. Hier landen tagsüber Flugzeuge, doch in dieser Gewitternacht auf Donnerstag geht es nicht ums Fliegen. Es geht um den Kampf – den Kampf gegen eine Raupe namens Goldafter.

Gefährliche Raupen Der Goldafter hat gut sichtbare goldbraune Haare. Wer die Schmetterlingsraupe oder seine verwandten Arten Eichenprozessionsspinner oder Pinienprozessionsspinner sieht, sollte vorsichtig sein. Die Haare können gefährliche Allergien auslösen. Dazu muss man die Raupen nicht berühren. Die Haare schweben in der Luft und bleiben an Pflanzen haften. (som)

Gefährliche Raupen Der Goldafter hat gut sichtbare goldbraune Haare. Wer die Schmetterlingsraupe oder seine verwandten Arten Eichenprozessionsspinner oder Pinienprozessionsspinner sieht, sollte vorsichtig sein. Die Haare können gefährliche Allergien auslösen. Dazu muss man die Raupen nicht berühren. Die Haare schweben in der Luft und bleiben an Pflanzen haften. (som)

In Bäumen und Büschen nisten sich die Raupen ein – so auch rund um den Flugplatz Birrfeld. «Sie sind wirklich zu Tausenden hier», sagt Fabian Meier. In dieser Nacht müssen der Landschaftsgärtner der Fislisbacher Firma Diebold.Zgraggen Gartenbau und seine fünf Kollegen einen grossen Teil der Büsche abschneiden und verbrennen. «Das ist eine präventive Massnahme, damit sich die Raupen nicht wieder einnisten.» Die Bäume, die übrig bleiben, werden mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt. «Wir müssen die Raupen so radikal bekämpfen, da sich hier viele Menschen aufhalten.» Seine Arbeitskollegen und ein Pilot hätten bereits Ausschläge gehabt.

«Verbrennen ist fragwürdig»

Diese Art von Schädlingsbekämpfung ist für den Landschaftsgärtner Meier Neuland. «In so einer grossen Anzahl sind die Goldafter in der Region noch nie vorgekommen», sagt er, während er zuschaut, wie die befallenen Büsche in einer grossen Mulde verbrannt werden: «Aber eben, in Zeiten der Globalisierung müssen wir uns immer mit mehr Schädlingen befassen.»

Hier hat es der Landschaftsgärtner aber mit einheimischen Schädlingen zu tun. Bisher machte der Goldafter vor allem in der Westschweiz Probleme, wie Geri Busslinger vom kantonalen Pflanzenschutzdienst bestätigt. «In so einer grossen Anzahl sind sie meines Wissens im Aargau noch nie vorgekommen. Wir werden analysieren, warum sie sich ausgerechnet beim Flugplatz Birrfeld eingenistet haben.» Man müsse wohl Massnahmen treffen: «Wir können nicht ausschliessen, dass sie sich verbreiten. Betroffene Gemeinden sollen sich bei uns melden.»

Insektenfachmann Beat Forster von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf bestätigt, dass seit dem Hitzesommer 2003 der Goldafter und verwandte Arten auf dem Vormarsch sind: «Sie mögen warme, trockene und sonnige Gebiete.» Früher sind die Raupen vor allem in Obstplantagen aufgetreten, doch man hat sie mit Schädlingsbekämpfungsmitteln eingedämmt. Forster rät aber davon ab, sofort Chemie einzusetzen: «Manchmal reicht es auch, wenn man die befallenen Gebiete absperrt und wartet.» Dass man die Büsche wie auf dem Flugplatz Birrfeld gleich verbrennt, sei aber unüblich: «Es ist zudem fragwürdig, ob man das Problem auf diese Weise wirklich langfristig lösen kann.»

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