Tausende bestaunen alte Traktoren

Tausende bestaunen alte Traktoren

Tausende bestaunen alte Traktoren

Leimenhof in Wenslingen wurde zwei Tage zum Treffpunkt der Freunde von Landmaschinen

Otto Graf

Es riecht nach Bratwurst, Pferden, Stroh und Abgasen. Und auf dem riesigen Festgelände beim Leimenhof in Wenslingen sind ein paar hundert Traktoren und ungezählte andere land- und forstwirtschaftliche Maschinen und Gerätschaften aufgereiht. Alle haben mindestens 30 Jahre auf dem Buckel.

Dazwischen Tausende Interessierte, die die Zeugen einstiger Landtechnik fachmännisch begutachten oder einfach nur bestaunen wollen. Falnowe, der Verein Freunde alter Landmaschinen Nordwestschweiz, hat keinen Aufwand gescheut, um dem Publikum aufzuzeigen, wie es früher auf dem Feld und auf dem Hof zuging.

Dampfbetriebene Säge

Zu den Höhepunkten zählt der Korso der ausgelosten Traktoren, die im Schritttempo eine Runde drehen. Schwerarbeit leistet das Lokomobil, eine mit einer Lokomotive auch punkto Grösse vergleichbare Dampfmaschine, die eine Säge antreibt. Das Publikum kann dabei hautnah mit den Augen und der Nase miterleben, wie das Sägeblatt schwere Baumstämme zu Brettern verarbeitet.

Nur einen Steinwurf weiter mähen Landarbeiter mit der Technik vergangener Tage, etwa mit dem Bindemäher, ein paar Aren Weizen motorisiert oder mit dem Pferd ab. Geschickte Hände stellen die Garben zu Puppen auf, als hätte ein Bild von Albert Anker als Vorlage gedient.

Mit Bier gegen den Staub

Mit den Tücken der Technik, genauer gesagt mit einem Antriebsriemen, der hin und wieder vom Rad springt, haben sich die Betreiber der alten Dreschmaschine auseinanderzusetzen. «Der Riemen hat zu wenig Harz. Deshalb schleift er und fällt ab», meint ein Zuschauer. «Er ist zu locker gespannt. Da muss er ja von der Rolle fallen», konstatiert ein anderer «Experte». Doch die Mannen, die an der Maschine schuften, greifen in die Trickkiste und beheben die Panne. Mit dem Mehl aus dem ausgedroschenen Weizen wird an Ort und Stelle ofenfrisch Brot gebacken.

Eine Spur lauter geht es auf dem Steinbrecher zu. Drei Mann sind nötig, um die faustgrossen Kalksteinbrocken zu grobem Kies zu brechen. Die eigentliche Knochenarbeit, das Zerkleinern selbst, besorgt der Motor mit dem Schwungrad. Aber das Beschicken der Maschine und das Wegschaufeln des Materials unter dem Rüttelsieb ist reine Handarbeit. Damit sich der Staub in den Kehlen nicht festsetzen kann, muss er regelmässig weggespült werden. Bier eignet sich dazu offensichtlich am besten.

Spannend verläuft das Traktoren-Roulette. Mit einem Schnapsglas voll Treibstoff im Vergaser fährt der Traktor so lange im Kreis, bis der Treibstoff verbraucht ist und das Gefährt bei einer bestimmten Nummer stehen bleibt.

Halbbatziges kennen die Freunde alter Landmaschinen nicht. Was sie aufgreifen, hat Hand und Fuss und ist das Eintrittsgeld mehr als wert. Helikopterrundflüge, ein Feldgottesdienst und eine bodenständige Abendunterhaltung runden das zweitägige Fest in Wenslingen ab.

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