Zürich
Tausende ärgern sich über Openair-Barverbot

Neue Runde im Streit um das Openair-Barverbot an der Street Parade. 3000 Musikfans protestieren in einer Facebook-Gruppe.

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Facebook und Street Parade

Facebook und Street Parade

Limmattaler Zeitung

Philippe Klein

Abseits der offiziellen Bühnen und den Love Mobiles sind an der Street Parade 2009 keine Musik-Anlagen erlaubt. Das nervt viele Fans elektronischer Musik - und sie verschaffen ihrem Ärger Luft: Innert einer Woche haben sich auf der Community-Plattform Facebook 2900 Mitglieder in der Gruppe «Freiluft-Musik an der Street Parade» vereint. Ein Mitglied schreibt dort: «Für mich ist Freiluftmusik und -tanzen das einzige Erträgliche an der Parade», ein anderes: «Leider ist das ganze Fest kommerzieller geworden - es läuft ja echt nur noch Electro, House und Trance.»

Gründer der Protest-Gruppe ist der DJ und Produzent Steven Busse (29). Ziel sei, dass ab 2010 wieder zur Musik von kleineren Labels getanzt werden kann - etwa in den Seeanlagen oder auf dem Rosenhof im Niederdorf. Busse: «Genau das hat die Street Parade über viele Jahre hinweg zu etwas Einmaligem gemacht.»

Labels verlieren Plattform

Im letzten Jahr hat der Zürcher Stadtrat erstmals beschlossen, während der Street Parade keine zusätzlichen Openair-Bars und Freiluft-Konzerte mehr zu bewilligen. Dies, um die Alkoholexzesse unter den hunderttausenden Ravern zu reduzieren. Das Verbot hat schon damals hohe Wellen geworfen. Ein Komitee von Politikern aller Couleur lancierte die Petition «Wir tanzen Zürich» und sammelte 5000 Unterschriften. Im Fokus stand das Barverbot: Alkoholexzesse sollten anderweitig bekämpft werden, nicht durch Verbote, so die Politiker. Vergeblich, der Stadtrat ging nicht auf die Forderung ein.

Steven Busse verfolgt einen anderen Ansatz: «Uns geht es nicht um Politik - und auch nicht um den Alkohol, wir kommen aus der Ecke der Kulturschaffenden». Busse, der in Richterswil lebt, hat zusammen mit vier Zürcher Freunden das Music-Label «Birdz Music» ins Leben gerufen. Das Verbot entziehe vielen kleinen Labels eine wichtige Plattform, gibt er zu bedenken: «Eine Bar mit Alkoholausschank brauchen wir nicht, wir wollen einfach unsere Musik feiern anstelle eines zusammengepferchten Karnevals.» Nun hofft Busse, die hohe Zahl an Gruppenmitgliedern erhöhe den Druck auf den Stadtrat. «Nach dem angekündigten Rücktritt der «Spassbremse» Esther Maurer und mit der neuen Stadtpräsidentin Corine Mauch an der Spitze sollte nächstes Jahr die Zeit reif sein für einen Sinneswandel.»

Stadtrat: Positive Tendenz

Ob der Sinneswandel wirklich einsetzt, ist ungewiss. Für die kommende Parade hält die Stadt am Verbot fest. «Der Stadtrat hat aufgrund der Erfahrungen an der Street Parade 2008 eine positive Tendenz festgestellt», sagt Robert Soòs vom Polizeidepartement. «Es gab deutlich weniger Betrunkene und Gewaltvorfälle, was darauf hinweist, dass diese Massnahmen die gewünschte Wirkung zeigten.» Ob die Regelung auch für die kommenden Jahre gelte, sei aber noch nicht bestimmt.

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