«Tagesschau»-Abbruch
Tapfere Cornelia Boesch: Warum sie trotz Fieber moderieren musste

Die «Tagesschau»-Hauptausgabe hat nur vier Moderatoren. Zwei davon sind miteinander verheiratet und gemeinsam in den Ferien. Einer hat zusätzlich frei und die vierte bricht im Studio krank zusammen.

Maurice Thiriet, watson.ch
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Cornelia Boesch wurde schwarz vor Augen. Die Tagesschau musste am abgebrochen werden.

Cornelia Boesch wurde schwarz vor Augen. Die Tagesschau musste am abgebrochen werden.

Screenshot SRF

Der erstmalige komplette Abbruch einer Hauptausgabe der «Tagesschau» wirft am Tag danach Fragen auf. Am vordringlichsten jene, ob das «Anchorman»-Prinzip, das SRF-Direktor Ruedi Matter eingeführt hat, bei der Tagesschau praktikabel ist. Das Konzept besagt, dass eine Sendung so wenig Präsentationsgesichter wie möglich haben soll, um beim Zuschauer eine grössere Identifikation mit dem Format zu erreichen.

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Bei der «Tagesschau»-Hauptausgabe ist diese Regelung wohl mitverantwortlich dafür, dass die gestrige Sendung hat abgebrochen werden müssen. Zwei der Aushängeschilder der Sendung, Katja Stauber und Florian Inhauser, sind ein Ehepaar und verbringen deshalb auch die Ferien zusammen. Wie andere Angestellte auch, haben sie das Recht, zwei Wochen am Stück einzuziehen.

Zur gestrigen Konstellation kommt hinzu, dass auch der vierte Moderator, Franz Fischlin, in den Ferien ist. Zwar nicht so weit weg wie Stauber/Inhauser und im Notfall erreich- und verfügbar, aber doch in den Ferien. So traf Cornelia Boesch in den letzten Wochen eine grosse Arbeitslast. Vom 12. bis 21. Januar hat Boesch durchmoderiert und gestern nach drei Tagen Pause wieder weiter gearbeitet.

Notlösung vorbereitet, aber nicht eingesetzt

Im Interview mit watson erklärt «Tagesschau»-Leiter Urs Leuthard, wie es zur Panne kam, warum Sascha Ruefer nicht weitermoderierte und weshalb er in den gehäuften Absenzen kein Problem sieht.

Herr Leuthard, wie geht es Cornelia Boesch?
Urs Leuthard: Es geht ihr mittlerweile wieder besser, wie sie auch über Twitter verlauten liess.

Hat Boesch die Krankheit während der Sendung überfallen oder war sie schon den ganzen Tag angeschlagen?
Sie ist schon etwas angeschlagen zur Arbeit gekommen, hat aber in ständiger enger Absprache mit dem Produzent entschieden, dass Sie die Hauptsendung moderieren kann, die Spätausgabe aber auslässt. Frau Boesch ist eine starke und sportliche Frau, die sich gut einschätzen kann. Leider haben ihre Kräfte doch nicht ausgereicht.

Frau Boesch hat vom 12. bis zum 21. Januar zehn Tage durchgearbeitet, dann drei Tage Pause und schliesslich erneut Dienst gehabt. Ist es richtig, dass das Moderatoren-Paar Florian Inhauser und Katja Stauber gleichzeitig und rund zwei Wochen zusammen in den Ferien ist?
Die beiden sind verheiratet und da ist es üblich, dass man hin und wieder zusammen in die Ferien reist.

Ist das nicht ein bisschen knapp, wenn man nur vier Moderatoren für die Hauptsendezeit hat?
Grundsätzlich nicht. Wir hatten für heute eine Notvariante vorbereitet gehabt, aber nicht darauf zurückgegriffen, weil Cornelia Boesch zuversichtlich war, die Sendung stemmen zu können.

Worin bestand diese Notvariante?
Das möchte ich nicht öffentlich diskutieren. Wichtig ist, dass wir eine hatten.

Franz Fischlin, der vierte Moderator soll auch Freitage eingegeben haben. Damit wären drei von vier Moderatoren in den Ferien gewesen.
Wir hätten Franz Fischlin kontaktiert, wenn Cornelia Boesch wirklich ausgefallen wäre. Wie gesagt: Sie war der Meinung, dass sie die Sendung moderieren kann.

Fassen wir zusammen: Zwei Moderatoren sind in Südostasien in den Ferien, einer in den Schweizer Alpen und eine kranke Moderatorin muss deswegen arbeiten.

Zu den Feriendestinationen unserer Moderatorinnen und Moderatoren nehme ich keine Stellung. Und: Bei uns muss niemand arbeiten, wenn er oder sie krank ist. Cornelia Boesch hat mit dem Produzenten abgesprochen, was aus ihrer Sicht möglich ist und was nicht. Wir hätten eine Notvariante gehabt, wenn sie vorher bereits komplett ausgefallen wäre. So haben wir zum Beispiel bereits am Nachmittag mit Cornelia Boesch zusammen entschieden, dass sie nur die Hauptausgabe moderieren wird, die Spätausgabe dann aber von Wasiliki Goutziomitros übernommen wird.

Warum konnte Sascha Ruefer die Sendung nicht zu Ende moderieren? Hat man es ihm nicht zugetraut?
Sascha Ruefer ist ein hervorragender Moderator, aber für eine Tagesschau müsste er sich entsprechend vorbereiten können. Und Sie können sich vorstellen, dass es schwierig ist, eine Sendung spontan zu übernehmen, wenn die Hauptmoderatorin im Studio zusammensackt. Dann kümmert sich die Crew erst mal um sie. Der zuständige Produzent hat in dieser schwierigen und hektischen Situation entschieden, die Sendung abzubrechen. Das ist zu respektieren.

Die verkürzte Tagesschau vom Sonntag, 25. Januar.