Manuela Schaer

In schwarzen Roben mit Spitzen, Rüschen und Schleifen kommen sie daher. Stolz tragen sie ihre Hüte mit Federschmuck auf den Häuptern. Der Tradition nach ehren sie die tapferen Weiber aus dem Zweiten Villmergerkrieg um 1712. Präsidentin Susanne Remund begrüsst die Meitli und Frauen der Meitli-Sonntagvereinigung Meisterschwanden zur Generalversammlung.

Die Erinnerungen an den letztjährigen Meitli-Donnerstag werden nochmals aufgefrischt. Die 83 Anwesenden stimmen sich auf den Männerfang ein und formieren sich in vier Gruppen. Angeführt von den Tambourinnen gehts ins erste Lokal zum Tanz. Im «Löwen» warteten die Meisterschwander Herren auf das Eintreffen der Meitli und Frauen. Kaum sind sie zur Tür hereingekommen, ertönt der Hit «Marina» und die ersten Paare wirbeln über die Tanzfläche.

Die Herren überlassen die Wahl gerne den Damen. Eine Tanzaufforderung auszuschlagen, wäre ein Affront. Das Führen beim Walzer lassen sich die Herren der Schöpfung aber nicht nehmen. So wählen die einen Meitli den Partner bewusst nach seinen tänzerischen Fähigkeiten, andere wagen es einfach. «Wenn es keine jungen Männer für uns hat, dann fordern wir einfach unsere Väter auf», sagt eines der jüngsten Meitli. Ab 16 dürfen sie mitmachen, wenn auch die Mutter dabei ist. Alle wollen die Tradition weiterführen, auch wenn ein paar Mädchen von sich behaupten, sie seien keine guten Tänzerinnen. Es lohne sich dennoch: «Schnädere und zueluege» sei auch spannend. Die Alteingesessenen sähen es lieber, wenn sie auch tanzen würden, heisst es. Aber alle haben keinen Platz auf der Tanzfläche im gut besetzten «Löwen».

Die Fahrwanger können in der Mehrzweckhalle weiter ausholen. Weil die Beizenlandschaft im Dorf geschrumpft ist und auch im «Bahnhof» keine Meitlitage mehr gefeiert werden, hat sich der Verein «Sidefiin» in der Mehrzweckhalle ans Werk gemacht. Seit drei Jahren wollten sie an den Meitlitagen in Fahrwangen mitmischen und nun hätten sie endlich die Gelegenheit bekommen, sagt Kassier Mischa Schmucki. Die sieben Vereinsmitglieder haben die Halle in ein charmantes Tanzlokal mit Food-Corner und Schnapsbar verwandelt. Auf der Bühne spielt die Live-Band Down Town Group. Mit einem Budget von etwa 15000 Franken und zahlreichen freiwilligen Helfern setzt sich der Verein «Sidefiin» für den Brauch ein. Den Tänzerinnen und Tänzern gefällt es in der Mehrzweckhalle, hier hätten sie viel Platz. «Die jungen Organisatoren haben das super hingekriegt», sagt ein Fahrwanger in der Tanzpause. Das eher junge Volk in der Mehrzweckhalle drängt sich um die Bar am Rand der Tanzfläche.

Die Geschichte der Meitlitage kennen alle und erzählen sie gerne. «Im Seetal werde man in das Brauchtum hineingeboren», scherzt Stefan aus Birrwil. So wissen die Fahrwanger und die Meisterschwander, was passiert, wenn die Meitli und Frauen den Grasbogen spannen und auf Männerfang gehen. Jede Frauengruppe sucht sich einen Mann aus, den sie mit ins nächste Lokal «schleppt». Der Auserwählte legt sich in den Grasbogen und überlässt sich der Gruppe. Mit vereinten Kräften wuchten sie ihn in die Luft und schwenken den Grasbogen liebevoll hin und her. Am schwersten haben es die Frauen, die den Bogen vorne oder hinten halten. Aber auch in der Mitte klemmt man sich ab und zu die Finger zwischen den Seilen ein.

Der Weg bis zur nächsten Tanzfläche ist nicht immer einfach zu bewältigen mit der Beute im Grasbogen. Der Strasse entlang ist es rutschig, die Stufen und der schmale Eingang zum Restaurant Rütli in Meisterschwanden erfordern eine geschickte Manövrierkunst. Die Erfahrung habe die Damen gelehrt, wie der Grasbogen zu handhaben sei. Drinnen wird der Auserwählte abgesetzt, sofern er sich freikauft und der Frauengruppe eine Runde «Wisse» spendiert. «Das ist eine Ehre», sagt Erwin, der selbst erbeutet wurde. Mit Küsschen verabschiedet er sich von den Meitli und Frauen. Und schon fordern die Damen die nächsten Herren zum Tanz auf, bis in die frühen Morgenstunden.

Die Tradition weiterführen zu können, hofft Susanne Remund, Präsidentin der Meitli-Sonntagvereinigung Meisterschwanden. Allerdings wird sie 2011 nach über zwei Jahrzehnten im Vorstand zurücktreten. Das Brauchtum kann nur fortgesetzt werden, wenn der Verein weiterbesteht und der Vorstand komplett ist. Das Interesse der Medien vor Ort zeigt, wie wichtig die regionalen Traditionen sind. So werden die Meitli-Sonntagvereinigungen aus Fahrwangen und Meisterschwanden am 4. Juli im Rahmen des Eidgenössischen Schützenfests mit dem Festumzug «Traditionell — originell» durch die Aarauer Strassen ziehen. Die AZ-Reporterin freut sich, die adrett gekleideten Meitli in Aarau zu haben.